Offensive von Trumps Richter-Kandidat Kavanaugh weist sämtliche Vorwürfe zurück

Zwei Frauen werfen Brett Kavanaugh sexuelle Übergriffe vor. Nun bemüht sich der Supreme-Court-Kandidat um Schadensbegrenzung: Mit einem Brief an den Justizausschuss des US-Senats und einem TV-Interview an der Seite seiner Ehefrau.

Brett und Ashley Estes Kavanaugh im Fox-News-Interview
AP

Brett und Ashley Estes Kavanaugh im Fox-News-Interview


"Ich habe niemals jemanden sexuell belästigt." Das ist die Kernaussage von Brett Kavanaugh in seinem jüngsten Interview mit dem Sender Fox News, er wiederholt den Satz mehrfach. Der Jurist steht derzeit massiv in der Kritik: Zwei Frauen werfen dem Kandidaten für einen Posten am Obersten US-Gerichtshof sexuelle Übergriffe vor.

In einem Brief an den Justizausschuss des US-Senats sowie in dem TV-Interview dementiert Kavanaugh nun erneut die Vorwürfe. Für das Gespräch mit Fox News saß der 53-Jährige neben seiner Ehefrau Ashley Estes Kavanaugh. Sie erklärte, die Vorwürfe gegen ihren Mann seien "schwer zu glauben". Sie kenne ihn seit 17 Jahren. "Er ist anständig, er ist nett, er ist gut. Ich kenne sein Herz. Das passt nicht zu Brett."

US-Präsident Donald Trump hatte Kavanaugh als Richter für den Supreme Court vorgeschlagen. Kurz vor der geplanten Abstimmung des US-Senats über die Personalie kamen aber Vorwürfe gegen Kavanaugh an die Öffentlichkeit:

  • Die Psychologieprofessorin Christine Blasey Ford aus Kalifornien beschuldigt ihn der versuchten Vergewaltigung bei einer Schülerparty im Jahr 1982. Ford hatte die Vorwürfe zunächst anonym geschildert. In einem Interview mit der "Washington Post" gab sie dann ihre Identität preis.
  • Inzwischen wirft ihm eine zweite Frau sexuelle Belästigung vor: Deborah Ramirez beschuldigt Kavanaugh, sich bei einer Party an der Universität Yale im Lehrjahr 1983/84 vor ihr entblößt und ihr seinen Penis ins Gesicht geschoben zu haben. Das schilderte Ramirez dem Magazin "New Yorker".

In dem Interview mit dem Trump-freundlichen Sender Fox News sagte Kavanaugh nun, er habe Frauen immer mit Würde und Respekt behandelt. Er bestritt, auf jener Party mit Christine Blasey Ford gewesen zu sein. Er wies auch die Vorwürfe von Deborah Ramirez als falsch zurück. Er habe während seiner Zeit in der Highschool und auch noch "viele Jahre später" keine sexuellen Kontakte zu Frauen gehabt, sagte Kavanaugh. "Ich möchte einen fairen Prozess, in dem ich meine Integrität verteidigen kann."

Für Donnerstag ist eine Anhörung im Justizausschuss des US-Senats angesetzt. Dabei sollen Ford und Kavanaugh getrennt voneinander angehört werden. Für die Ernennung Kavanaughs zum Supreme-Court-Richter ist eine Mehrheit im Senat notwendig, die schon bei zwei republikanischen Abweichlern gefährdet sein könnte.

"Ich gehe nirgendwohin"

Es war das erste Interview Kavanaughs. In der Regel halten sich Anwärter für den Supreme Court mit Medienauftritten zurück. Aber Kavanaugh ist massiv darum bemüht, seine Sicht der Dinge darzulegen.

Neben dem Interview hatte er auch in einem Brief an den Justizausschuss mitgeteilt, er werde an der Kandidatur festhalten und sich nicht durch Einschüchterungen zu einem Rückzug drängen lassen. Er sehe in den Vorwürfen eine Schmutzkampagne gegen sich sowie einen "koordinierten Versuch", seinen Namen zu zerstören. Davon werde er sich aber nicht abhalten lassen. Auch im Fox-News-Interview sagte Kavanaugh: "Ich gehe nirgendwohin."

Trump sicherte Kavanaugh am Montag erneut seine Unterstützung zu. Er stehe weiter voll hinter dem Kandidaten, sagte der Präsident am Rande der Uno-Generalversammlung in New York. Die Anschuldigungen nannte er "total politisch". In der Nacht zu Dienstag twitterte Trump, die oppositionellen US-Demokraten würden versuchen, einen "wundervollen Mann" zu zerstören.

Video: Trump steht "voll und ganz" hinter Kavanaugh

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Die Vorwürfe gegen den Richterkandidaten sind Gegenstand einer heftigen parteipolitischen Auseinandersetzung: Die Demokraten haben große Vorbehalte gegen den erzkonservativen Richter und sehen eine Chance, Kavanaughs Bestätigung hinauszuzögern, bis sich nach der Zwischenwahl am 6. November möglicherweise die Mehrheitsverhältnisse im Senat ändern und Kavanaugh verhindert werden könnte.

Die Besetzung des Richterpostens ist in den USA ein großes Politikum. Die Nachbesetzung mit Kavanaugh könnte dem obersten Gericht der USA auf viele Jahre ein konservatives Übergewicht geben.

aar/dpa



insgesamt 136 Beiträge
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Seite 1
GlobalWarmer 25.09.2018
1. in dieser Woche
werden noch Nr. 3 und 4 aus dem Unterholz kriechen. Eine davon ist Stormy Daniels - sie wird behaupten Kavanaugh haette vor 25 Jahren eine Affaere mit Ihr und eine Nebenrolle in einem Ihrer Filme gespielt. An seinen Kuenstlernamen kann sie sich nicht mehr erinnern, aber es war auf VHS. Trump's neuer Anwalt - Rudy G. hat einen Koffer mit Geld angeboten damit sie schweigt. Es wird nie langweilig.
Actionscript 25.09.2018
2. Kavanaugh 's Jahrbuch Seite....
...ist ein starker Hinweis auf die Kultur einiger Schüler der katholischen Schule, wo Kavanaugh war. Auf seiner und Seiten anderer Schüler wurde eine Frau sexuell heruntergemacht (Hier der ganze Artikel in der NYT: https://www.nytimes.com/2018/09/24/business/brett-kavanaugh-yearbook-renate.html) Die Frau gehörte zu den 65 Frauen, die für Kavanaugh in einem Brief unterschrieben haben. Doch bis jetzt hatte sie die Jahrbuch Seiten nicht gekannt. Jetzt ist sie natürlich ausser sich. Zu dem Zeitpunkt gab es auch Schüler, die sich davon empört distanziert haben. Viel Alkohol war offensichtlich auch mit im Spiel.
hwmueller 25.09.2018
3. Wenn Politik seitens der Demokraten
sich darin erschöpft nicht inhaltlich, sondern nur noch mit Unterstellungen zu agieren, dann hat der Trumpismus. Wie leicht wird es sein, vor allem Männer zu stürzen, die vermeintlich in ihrer Jugend plump Frauen ansprechen. Die Generation wird Sakrotanpolitiker hervorbringen. Die USA haben es nicht anders verdient. Bei deren Bigotterie...
abu_kicher 25.09.2018
4. Wäre mal interessant, zu erfahren...
Aus welchem politischen Lager die Personen kommen, die ihn beschuldigen und was jetzt genau der Grund war, exakt zu diesem Zeitpunkt mit ihren Stories rauszukommen. Weinstein, MeToo, etc. - das war eine Eigendynamik, die ich aus Sicht der Opfer nachvollziehen konnte. Da haben sicherlich viele, die lange geschwiegen haben, sich ein Herz gefasst. Aber kurz vor der Supreme Court-Ernennung mit so einer Sache "herauszuplatzen" weil sie das nicht ertragen? Klingt für mich eher unwahrscheinlich. ;) Und ja - ich bin nicht naiv und so läuft's halt. Die Leute werden sicherlich auch instrumentalisiert und vielleicht auch bezahlt/unter Druck gesetzt. Aber eine "offizielle" Story muss es dafür doch geben, was sie antreibt.
sunshine422 25.09.2018
5. Durchsichtig
Ich hätte Trump auch gerne weg. Nur was hier von den Demokraten abgezogen wird, ist nun zu durchsichtig. Und bei solchen dreckigen Spielchen fragen sich ehrlich noch Menschen, wie es möglich war das Trump gewählt wurde? Frau Ford ist Professorin der Psychologie und sie soll das ganze nach so vielen Jahren nicht verarbeitet haben? Alles zu Offensichtlich. Genau so radikalisiert man Menschen. Als Psychologin war ihr und den Demokraten völlig klar, was sie machen. Die Vorwürfe hätte man viel früher bringen können. Bis anhin dachte ich wirklich das die Demokraten etwas gemäßigter sind, aber sie sind so schlecht wie Trump. Wo bleibt Obama, kann er so was gutheissen? Sind wir schon so weit das Frau nach 36 Jahren eine Behauptung in den Raum stellen kann und somit Politik machen? Wählt den Herrn uns sollte sich die Behauptung als wahr herausstellen, kann man ihn immer noch raus schmeissen. sollte es aber falsch sein, gehört die Frau hinter Gitter wie ein Vergewaltiger. Ich bin übrigens für sehr harte Strafen für Gewalt Straftäter insbesondere gegen Frauen
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