Posten am obersten US-Gericht Frau beschuldigt Trumps Kandidat der versuchten Vergewaltigung

Brett Kavanaugh ist Donald Trumps Kandidat für den Supreme Court. Nun wirft eine Professorin dem Richter vor, er habe sie vor Jahrzehnten zu vergewaltigen versucht. Selbst ein Republikaner fordert Konsequenzen.

Brett Kavanaugh
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Brett Kavanaugh


Die Vorwürfe gegen den US-Juristen Brett Kavanaugh sind seit vergangener Woche bekannt: Der Kandidat für einen Sitz am höchsten US-Gerichtshof soll Anfang der Achtzigerjahre angeblich auf einer Highschool-Party versucht haben, eine junge Frau zu vergewaltigen.

Kavanaugh bestreitet dies vehement: "Ich weise die Anschuldigung kategorisch und unmissverständlich zurück", teilte er am Freitag mit. "Ich habe das weder während der Highschool-Zeit noch sonst wann getan."

Bislang war die Identität der Frau nicht bekannt. Am Sonntag nun veröffentlichte die "Washington Post" ein Interview mit ihr: Es handelt sich um Christine Blasey Ford, eine 51-jährige Professorin aus Kalifornien. Sie bekräftigte die Vorwürfe gegenüber der Zeitung: Kavanaugh habe sich nach einer Party auf sie geworfen und versucht, ihre Kleidung auszuziehen. Dabei habe er ihr den Mund zugehalten, sodass sie nicht habe schreien können. Ein Freund Kavanaughs sei ebenfalls im Raum gewesen, sagte Ford der Zeitung. Sie habe fliehen können, als der Freund auf die beiden gesprungen sei.

Eine weitere Stellungnahme von Kavanaugh oder eine Reaktion aus dem Weißen Haus gab es am Sonntag nicht. Die "Washington Post" kontaktierte eigenen Angaben zufolge auch den Freund, den Ford erwähnte. Er habe es abgelehnt, die Geschichte zu kommentieren. Am Freitag - als Fords Name noch nicht publik war - hatte er jedoch gesagt, er habe bei Kavanaugh niemals ein solches Verhalten beobachtet. Vielmehr sei er ein brillanter Student gewesen, der Sport geliebt und keinen Wert auf "verrückte oder illegale" Dinge gelegt habe.

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Supreme Court in den USA: Marmor, Liftboy, Tradition

Der Fall dürfte in den USA in den kommenden Tagen hohe Wellen schlagen. Wie die "New York Times" berichtet, werden die oppositionellen Demokraten nun ihre Anstrengungen intensivieren, die Entscheidung über Kavanaughs Berufung aufzuschieben. Sie hatten seine Ernennung ohnehin abgelehnt - sie fürchten, dass dadurch die konservative Mehrheit am obersten US-Gericht, dem Supreme Court, über Jahrzehnte gefestigt würde. Die Demokraten haben allerdings im US-Senat nicht genügend Stimmen, um Kavanaughs Ernennung durch ein Senatsvotum zu verhindern.

US-Präsident Donald Trump hatte Kavanaugh für den freigewordenen Posten nominiert. Der erzkonservative Richter muss allerdings noch vom Senat bestätigt werden. Die Anhörung begann vor knapp zwei Wochen mit Tumulten.

Video: Tumulte bei der Anhörung im Senat

Nach der Veröffentlichung des Interviews am Sonntag erklärte die demokratische Senatorin Diane Feinstein, das FBI müsse in dem Fall nun ermitteln. Erst danach könne der Senat den Nominierungsprozess fortführen. Ähnlich äußerten sich mehrere ihrer Parteikollegen.

Inzwischen fordert mit Jeff Flake auch erstmals ein Republikaner, den Nominierungsprozess für Kavanaugh im Senat bis zur Klärung der Vorwürfe zu unterbrechen. Kavanaugh sollte nach bisherigen Plänen am Donnerstag vom Justizausschuss des Senats empfohlen und vom Senat dann noch im September offiziell ernannt werden.

pad/aar/AFP

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