Richter am US-Supreme-Court Reporterinnen bringen neue Details im Fall Kavanaugh ans Licht
Brett Kavanaugh in seiner Anhörung vor dem US-Senat (September 2018): Mit knapper Mehrheit zum Richter am Supreme Court ernannt
Foto: Pool/ Getty ImagesKnapp ein Jahr nach der Ernennung Brett Kavanaughs zum Richter am Supreme Court rollen zwei Reporterinnen der "New York Times" (NYT) den Fall in einem Buch noch einmal auf - und bringen dabei auch bislang unbekannte Details ans Licht. Drei Frauen hatten dem 54-Jährigen sexuelle Übergriffe in der Highschool- und Uni-Zeit vorgeworfen. Nach einer Anhörung im Senat und einer beispiellosen parteipolitischen Auseinandersetzung wurde Kavanaugh, der Wunschkandidat Donald Trumps, im Oktober 2018 mit knapper Mehrheit für den Posten am obersten US-Gericht nominiert.
Kavanaugh hatte die Vorwürfe vehement bestritten - auch die Behauptung seiner früheren Yale-Kommilitonin Deborah Ramirez, er habe ihr auf einer Party seinen Penis ins Gesicht gedrückt. Wenn dieser Vorfall wahr wäre, sagte Kavanaugh laut "NYT" in seiner Anhörung vor dem Senat, dann hätte er damals doch Campusgespräch sein müssen. Das war er möglicherweise auch, heißt es nun in dem Text der Reporterinnen.
Mehrere Menschen hätten schon lange vor der öffentlichen Debatte über Kavanaugh von dem mutmaßlichen Vorfall gehört, so die "New York Times" . Andere Studenten hätten Tage nach der Party davon erfahren.
Warum ein Gespräch mit dem Richter nicht zustande kam
Zudem habe der frühere Kavanaugh-Kommilitone Max Stier im vergangenen Jahr mehreren Senatoren und dem FBI von einem anderen Vorfall in Kavanaughs erstem Jahr in Yale berichtet. Er habe Kavanaugh auf einer Party mit heruntergelassener Hose gesehen, Freunde hätten dessen Penis in die Hand einer jungen Frau gedrückt. Das FBI habe allerdings nicht ermittelt und der Zeuge habe sich nicht öffentlich äußern wollen.
Die "NYT"-Reporterinnen haben nach eigenen Angaben versucht, mit Kavanaugh zu sprechen, ein Gespräch sei aber nicht zustande gekommen, weil man sich nicht über die Bedingungen für ein Interview habe einigen können. Nachfragen zu den Angaben des Kommilitonen habe er nicht beantwortet.
US-Präsident Donald Trump hatte das FBI im vergangenen Jahr angewiesen, die Vorwürfe gegen Kavanaugh zu prüfen. Die Ermittlungen, die binnen einer Woche abgeschlossen werden mussten, förderten aber offenbar keine Beweise für Fehlverhalten Kavanaughs zutage, es stand am Ende weiter Aussage gegen Aussage. Und Trump bat "im Namen unserer Nation" bei Kavanaugh um Entschuldigung für das Leid, das der Richter und seine Familie erlitten hätten.
In der "New York Times" hieß es nun, Deborah Ramirez habe dem FBI mindestens 25 Namen genannt, die ihre Angaben möglicherweise bekräftigen könnten - diese Personen seien jedoch gar nicht befragt worden. Schon im vergangenen Jahr hatten demokratische Abgeordnete den FBI-Bericht als unvollständig kritisiert und von einer "lückenhaften Untersuchung" gesprochen.
"New York Times" bittet um Entschuldigung für Tweet
"Brett Kavanaughs Berufung ist eine Schande für den Supreme Court", schrieb der demokratische Präsidentschaftsbewerber Julián Castro auf Twitter als Reaktion auf den "NYT"-Bericht. "Der neueste Vorwurf muss untersucht werden." Kavanaugh habe unter Eid gelogen und solle seines Amtes enthoben werden.
It’s more clear than ever that Brett Kavanaugh lied under oath. He should be impeached.
— Julián Castro (@JulianCastro) September 15, 2019
And Congress should review the failure of the Department of Justice to properly investigate the matter. https://t.co/Yg1eh0CkNl
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Im Zuge der Veröffentlichung sah sich das Social Media Team der "New York Times" zu einer Entschuldigung veranlasst. In einem Tweet hatte es geheißen, es möge wie ein harmloser Spaß erscheinen, auf einer Party im Studentenwohnheim einen Penis ins Gesicht gedrückt zu bekommen. "Doch Deborah Ramirez sagt, als Brett Kavanaugh ihr das angetan habe, habe es ihr zuallererst bestätigt, dass sie nicht nach Yale gehöre".
Die "New York Times" löschte den Tweet und bat um Entschuldigung.