Truppenabzug aus Syrien US-Sondergesandter für Kampf gegen den IS tritt zurück

Donald Trump hält den "Islamischen Staat" für weitgehend besiegt. Sein Sonderbeauftragter für den Kampf gegen die Terrormiliz sieht das anders, kündigt seinen Rücktritt an und wird vom Präsidenten verhöhnt.

Brett McGurk
REUTERS

Brett McGurk


Der US-Sondergesandte für den internationalen Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat seinen Rücktritt erklärt: Brett McGurk lege sein Amt zum 31. Dezember nieder, berichten US-Medien übereinstimmend unter Berufung auf Mitarbeiter aus dem US-Außenministerium.

McGurk habe eigentlich im Februar abtreten wollen, habe das jedoch nach der Entscheidung zum Abzug der US-Truppen aus Syrien vorgezogen, berichtet die "Washington Post".

US-Präsident Donald Trump hatte Mitte der Woche auf Twitter geschrieben, der IS sei besiegt. Das Weiße Haus teilte mit, man habe damit begonnen, Soldaten aus dem Land abzuziehen. An diesem Samstag schrieb Trump auf Twitter zwar nur noch, der IS sei "weitgehend besiegt", aber am Truppenabzug ließ er keinen Zweifel: "We're coming home!"

Trump nennt McGurk "Wichtigtuer"

McGurk hatte Tage zuvor noch eine ganz andere Einschätzung abgegeben: "Es wäre fahrlässig, wenn wir sagen würden, das physische Kalifat wäre besiegt, sodass wir einfach abziehen können. Ich denke, jeder, der sich so einen Konflikt anschaut, würde dem zustimmen." (Eine Analyse zu der Entscheidung lesen Sie hier)

Präsident Donald Trump hatte am späten Samstagabend nur Spott für den vorzeitigen Abschied des langjährigen Regierungsberaters übrig. Trump twitterte, McGurk hätte ohnehin nur bis Februar auf seinem Posten bleiben sollen und habe nun kurz vorher seinen Rückzug erklärt. Das sei ein "nichtigen Ereignis". Außerdem kenne er McGurk nicht einmal. "Wichtigtuer?", fragte Trump.

SPIEGEL ONLINE

McGurk koordiniert bislang die internationale Anti-IS-Koalition, der mehr als 70 Staaten angehören. Er war 2015 von Präsident Barack Obama zum Sonderbeauftragten für den Kampf gegen den IS ernannt worden. Zuvor hatte McGurk bereits die Regierung des republikanischen Präsidenten George W. Bush in Fragen zu Afghanistan und Irak beraten.

Die Entscheidung Trumps zum Abzug stieß bei Verbündeten im Kampf gegen den IS auf Unverständnis. Auch US-Verteidigungsminister James Mattis kündigte am Freitag aus Protest gegen die Außenpolitik seines Präsidenten seinen Rücktritt an. Lesen Sie hier Auszüge aus seinem Abdankschreiben.

hut/cht/AP/Reuters/dpa

insgesamt 94 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Marvin__ 22.12.2018
1. Vielleicht könnte mal jemand darlegen, was Herr McGurk erreicht hat.
Und was seine Ziele bis Februar waren. Medienberichte legen nämlich die Schlußfolgerung nahe, das er praktisch nichts erreicht hat, und auch nicht auf dem Wege war, das zu ändern. Der IS wurde nämlich im wesentlichen von Syrien, Russland und dem Iran besiegt. Eine Rolle spielten wohl auch die Kurden. Obwohl ihnen die Amerikaner regelmäßig in den Rücken gefallen sind. Der Eindruck mag täuschen. Bisher sieht es allerdings so aus, als ob Präsident Trumps überraschende Ankündigung Brett McGurk die Gelegenheit bietet, eine katastrophale Leistung unter den Teppich zu kehren.
fev99 22.12.2018
2. McGurk und Mattis...
Wissen was der Abzug der Amerikaner bedeutet: Es steht der nächste Krieg an: Die Türkei(Ihre Islamistischen Rebellengruppen) wird die Kurden angreifen, diese werden sich mit allen Mitteln wehren. Sie haben nichts mehr zu verlieren. Der sogenannte "Westen" hat die Kurden wieder mal einmal verraten und verkauft. Somit wird die nächste Flüchtlingswelle Richtung Europa angestoßen. Und was machen Merkel und Maas? Gar nichts! Sie warten wieder mal ab und lassen Erdoğan gewähren. Tolle Werte die wir Europäer pflegen.
domi32 22.12.2018
3. Für mich ist es eindeutig,....
...dass Trump, kurz bevor er ausscheiden muss (er geht ja selbst davon aus), Russland noch den Weg frei machen möchte. Putin hat ihn dermaßen in der Hand.. das ist unglaublich...
kanuto 22.12.2018
4. Kampf unter den NATO-Verbündeten
Wenn die Amerikaner abziehen, ist eines sicher: Die Türkei wird über kurz oder lang die Kurden in Syrien angreifen. Die aber sind nun mit amerikanischen Waffen, inklusive Anti-Tank Waffen, ausgerüstet. Damit kämpfen indirekt zwei NATO-Miglieder gegeneinander. Ich wünsche, daß ein Weg gefunden wird, den Kurden endlich ihre wohlverdiente Unabhängigkeit zu gewährleisten. Und die Türken sollen verdammt nochmal sich aus Syrien raushalten.
vliege 22.12.2018
5. nofreemen
Sie haben eine merkwürdige Sicht der Dinge. Seit wann haben die USA bedonders die Republikaner genug von Gemetzel? Das ist ein großer Teil ihrer Wirtschaft, Waffen an die Kriegsgegner in andere Länder zu verkaufen. Warum hat Trump mit Erdogan noch einen Waffendeal über 3.5Mrd Dollar abgeschlossen wenn er genug vom Gemetzel hat? Apropos Gemetzel, mit dem Abzug der Truppen wird das nächste bei den Kurden stattfinden. Genau die Kurden, die die "Drecksarbeit" erledigt haben und sich dem IS aus Selbsterhaltungstrieb entgegen gestellt haben. Die nächste Flüchtlingswelle kommt bestimmt, aber was interessiert es einen Trump jenseits des Atlantiks. Die Folgen dieser Politik baden halt andere aus.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.