Junge Wähler und der Brexit Selbst schuld

Es gibt ein großes Wehklagen darüber, dass die älteren Briten ihren jungen Landsleuten den Brexit eingebrockt haben. Aber die Unter-25-Jährigen sind selbst schuld: Sie hätten einfach zahlreicher abstimmen müssen.

Junge enttäusche Briten
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Junge enttäusche Briten

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Demokratie ist anstrengend. Demokratie ist nicht perfekt. Demokratie kann im Ergebnis unbefriedigend sein. Das sind Erkenntnisse, die sich bei der Abstimmung in Großbritannien einmal mehr bestätigt haben. Und es gibt noch eine: Wer seine Stimme nicht abgibt, lässt andere über die Zukunft bestimmen.

Im Falle der knappen Brexit-Entscheidung ist das besonders eklatant: Die Briten der Altersgruppe Ü65 haben das Votum wohl am Ende entschieden, weil unter ihnen die Wahlbeteiligung höher war als bei den Jungen. Dass die älteren Briten, anders als die Unter-25-Jährigen, klar zum EU-Ausstieg tendierten, hatte sich schon seit Wochen in Umfragen gezeigt.

Umso bitterer, dass sie sich nun aktuellen Zahlen zufolge durchgesetzt haben. Die Alten haben die politische und ökonomische Perspektive Großbritanniens bestimmt - während die Jungen die Folgen möglicherweise über viele Jahrzehnte zu tragen haben.

Aber so ist das eben in der Demokratie: Jede Stimme zählt gleich. Und wer seine Stimme nicht abgibt, ist selbst schuld.

Umso alarmierender sollte das Brexit-Ergebnis für alle potenziellen Jungwähler sein. In Europa und insbesondere in Deutschland: Wenn man sich schon nicht politisch betätigt, weil die Parteien zu dröge erscheinen, die Institutionen zu weit weg und das System zu intransparent - ok. Aber wer am Ende seine Stimme verschleudert, überlässt anderen die Macht. Rückwärtsgewandten Kräften. Rechtspopulisten. Rassisten.

Wer das verhindern will, sollte wenigstens eine Bürgerpflicht erfüllen. Man muss ja nicht gleich so weit gehen wie auf FAZ.net die "Zeit für eine neue Rebellion" auszurufen und zu fordern: "Es wird Zeit, dass die Jüngeren wieder härter mit den Älteren abrechnen."

Ab und an ein Kreuzchen machen, das würde schon reichen. Viel verlangt ist das wirklich nicht.

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rt2323 24.06.2016
1. demographie
ältere Wähler werden in Zukunft immer mehr das Leben Jüngerer bestimmen, das ist eine Tatsache.
kpkuenkele 24.06.2016
2. Alt gegen Jung?
Es wird hier immer wieder der Eindruck erweckt, dass die alten Brexit-Befürworter den Jungen die Zukunft rauben und selber wie die Maden im Speck leben. Die Zahlen belegen jedoch, dass die Trennlinie zwischen Arm und Reich verläuft. Es war eine Abstimmung gegen die Eliten, egal ob in Brüssel oder in Großbritannien selbst. Es wird einfach zum Problem, dass die Verlierer der Politik der Institutionen (egal ob der EU oder Großbritanniens) inzwischen die Mehrzahl der Bürger stellen.
grumpy53 24.06.2016
3. unpolitische Jugend
ja, so ist das. Wenn im Elternhaus - und ich rede nicht unbedingt von den upper-class-Eliten-Studenten - nicht eine Diskussionskultur herrscht, der lernt das schmerzhaft auf diese Weise. Die Kinder bekommen tabletts und smartphones, aber da wird er oberflächliches per twitter oder whatsap verbreitet. Anstatt den Kindern von klein auf zu vermitteln, dass sie Verantwortung als Staatsbürger haben, und dass die Möglichkeit, sich politisch zu betätigen, wählen zu gehen, sich zu informieren, sich gemeinsame Haltungen zu erarbeiten. Auch mal mit kontroversen Grundhaltungen. Viele andere Menschen haben nicht mal das Recht, freie Zeitungen zu lesen, Bibliotheken zu besuchen, zu wählen, es gibt Millionen von Menschen, die zu all dem keinen selbstverständlichen Zugang haben. Aber es kommt einem so vor, dass ein Pubbesuch oder die neueste Serie im download wichtiger ist. Solidarität? Nee, jeder ist sich selbst der nächste. Ich sage nicht, dass alle so sind. Aber von der Aufbruchstimmung der Jugend, die Gesellschaft zu formen, Freiheit nicht mit Egoismus und Abgrenzung zu verwechseln, ist nicht viel zu spüren. Und nun wird das Erwachen groß sein. Die ersten Interviewpartner, die für Brexit entschieden haben, bekommen jetzt (jetzt!) die Panik über mögliche Folgen zu spüren und würden heute schon anders entscheiden. Tja...
heindeburk 24.06.2016
4. Too sleepy and too lazy
Yes, indeed. We didn't vote since we were either too sleepy or too lazy
bigf1foot 24.06.2016
5. Es fehlen die Beweise
Wer so einen Text schreibt und seine Meinung in die Öffentlichkeit posaunen möchte, sollte auch Beweise liefern. Hätten die U25-jährigen das Ergebnis wirkich kippen können, wenn sie eine ähnliche Wahlbeteiligung hätten wie die Alten? Wie hoch war überhaupt die Wahlbeteiligung der jungen Menschen? Es fehlen Zahlen, Fakten. Ein Meinungstext, der auf einem so wackeligen Beweiskonstrukt beruht, ist für mich daher sinnlos ist.
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