SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

29. März 2017, 17:19 Uhr

Merkels Reaktion auf Brexit-Antrag

Wir können ja Freunde bleiben

Nach dem Austrittsantrag der Briten gibt sich Kanzlerin Merkel betrübt, aber kompromissbereit: Großbritannien und die EU sollten nach der Scheidung "enge Partner" bleiben. Deutschland sei gut auf die Verhandlungen vorbereitet.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bedauert den Antrag Großbritanniens zum Austritt aus der Europäischen Union. "Wir verlieren einen starken und wichtigen Mitgliedstaat", sagte Merkel. Deutschland und die anderen EU-Partner hätten sich diesen Tag nicht gewünscht.

Großbritannien hatte am Mittwoch den offiziellen Antrag für den Austritt aus der EU gestellt. Der britische EU-Botschafter Tim Barrow übergab in Brüssel ein entsprechendes Schreiben an EU-Ratspräsident Donald Tusk. "Dies ist ein historischer Moment, jetzt kann es kein Zurück mehr geben", sagte die britische Premierministerin Theresa May.

Die Europäische Union bleibe trotz Brexit eine Erfolgsgeschichte, sagte die Kanzlerin. Der heutige Tag sei auch ein Tag des Aufbruchs. "Jetzt gilt es diesen Zusammenhalt der EU-27 beizubehalten, gerade in den Gesprächen mit Großbritannien", sagte Merkel.

"Lasst uns Freunde bleiben"

May habe ihr in einem Telefonat am Dienstag einen engen Austausch zugesichert, sagte Merkel. "Ich wünsche mir, dass Großbritannien und die EU enge Partner bleiben."

Die Bundesregierung habe sich auf den Prozess gut vorbereitet und werde sich zu allen Fragen positionieren, sagte Merkel. Es gehe auch darum, die Folgen etwa für die in Großbritannien lebenden Deutschen so gering wie möglich ausfallen zu lassen. Zwischen London und Brüssel müssten die engen Verflechtungen, die sich in 44 Jahren Mitgliedschaft ergeben hätten, nun wieder entflochten werden. Erst wenn das geklärt sei, könne man über das zukünftige Verhältnis sprechen.

Auch Bundesaußenminister Sigmar Gabriel äußerte sich versöhnlich gegenüber den Briten. "Wir brauchen einander", sagte der Minister in Berlin. "Lasst uns Freunde bleiben!" Die Brexit-Verhandlungen würden so betrieben, "dass am Ende jedenfalls kein totales Zerwürfnis zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union" bestehe. Allerdings würden die Verhandlungen für beide Seiten nicht einfach.

Bei einem Sondergipfel am 29. April wollen die verbleibenden 27 EU-Staaten ihre Verhandlungslinie endgültig abstimmen. Die Verhandlungen mit den Briten sollen zwei Jahre dauern.

sep/dpa/Reuters

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung