Merkels Reaktion auf Brexit-Antrag Wir können ja Freunde bleiben

Nach dem Austrittsantrag der Briten gibt sich Kanzlerin Merkel betrübt, aber kompromissbereit: Großbritannien und die EU sollten nach der Scheidung "enge Partner" bleiben. Deutschland sei gut auf die Verhandlungen vorbereitet.


Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bedauert den Antrag Großbritanniens zum Austritt aus der Europäischen Union. "Wir verlieren einen starken und wichtigen Mitgliedstaat", sagte Merkel. Deutschland und die anderen EU-Partner hätten sich diesen Tag nicht gewünscht.

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Heft 13/2017
Dramatische Zeiten in einer wundervollen Stadt

Großbritannien hatte am Mittwoch den offiziellen Antrag für den Austritt aus der EU gestellt. Der britische EU-Botschafter Tim Barrow übergab in Brüssel ein entsprechendes Schreiben an EU-Ratspräsident Donald Tusk. "Dies ist ein historischer Moment, jetzt kann es kein Zurück mehr geben", sagte die britische Premierministerin Theresa May.

Die Europäische Union bleibe trotz Brexit eine Erfolgsgeschichte, sagte die Kanzlerin. Der heutige Tag sei auch ein Tag des Aufbruchs. "Jetzt gilt es diesen Zusammenhalt der EU-27 beizubehalten, gerade in den Gesprächen mit Großbritannien", sagte Merkel.

"Lasst uns Freunde bleiben"

May habe ihr in einem Telefonat am Dienstag einen engen Austausch zugesichert, sagte Merkel. "Ich wünsche mir, dass Großbritannien und die EU enge Partner bleiben."

Die Bundesregierung habe sich auf den Prozess gut vorbereitet und werde sich zu allen Fragen positionieren, sagte Merkel. Es gehe auch darum, die Folgen etwa für die in Großbritannien lebenden Deutschen so gering wie möglich ausfallen zu lassen. Zwischen London und Brüssel müssten die engen Verflechtungen, die sich in 44 Jahren Mitgliedschaft ergeben hätten, nun wieder entflochten werden. Erst wenn das geklärt sei, könne man über das zukünftige Verhältnis sprechen.

Auch Bundesaußenminister Sigmar Gabriel äußerte sich versöhnlich gegenüber den Briten. "Wir brauchen einander", sagte der Minister in Berlin. "Lasst uns Freunde bleiben!" Die Brexit-Verhandlungen würden so betrieben, "dass am Ende jedenfalls kein totales Zerwürfnis zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union" bestehe. Allerdings würden die Verhandlungen für beide Seiten nicht einfach.

Bei einem Sondergipfel am 29. April wollen die verbleibenden 27 EU-Staaten ihre Verhandlungslinie endgültig abstimmen. Die Verhandlungen mit den Briten sollen zwei Jahre dauern.

sep/dpa/Reuters

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Seite 1
gerd.lt 29.03.2017
1. Briten-Rabatt
Merkels Aussage hört sich nach einem neuen Briten-Rabatt an. Wenn Vor- und Nachteile einer Mitgliedschaft gegenüber einer Nichtmitgliedschaft nicht deutlich werden, bricht ein weiterer Stein aus der Mauer EU. Nachdem Merkel in der Vergangenheit sich nicht dadurch ausgezeichnet hat, alles für die EU zu tun, muss dass Schlimmste befürchtet werden. Ich war nie ein Freund von Helmut Kohl, aber mit ihm wäre der augenblickliche Zustand der EU zweifelsfrei besser.
skater73 29.03.2017
2. Merkel und Gabriel
Es ist nicht zu ertragen, was die beiden raushauen. Da werfen die Briten der EU den Büttel vor die Füße und werden dafür von den beiden schleimend umgarnt und es geht um Kompromisse. Dieses schlimme Verhalten wird Deutschland so unglaublich teuer zu stehen kommen, dass mir schlecht wird. Wer zum Henker außer das GroKo-geführte Deutschland soll als Nettozahler noch bleiben, wenn das Signal an die Briten ist: Holt Euch nicht die Rosinen, wir bringen Sie Euch sofort. Wahnsinn!
achimk63 29.03.2017
3. Gute Reaktion
Wenn man im anderen Thread sieht, wie auf die EU und Deutschland eingedroschen wird, ist diese Reaktion nur gut. Die EU wird gut verhandeln, und es wird hoffentlich ein Ergebnis kommen, das für alle gleichwertig ist. Wenn GB den Zugang zum Binnenmarkt behalten möchte, müssen sie Zugeständnisse machen, oder sie werden ihn verlieren. Wenn aber Boris meint, kein Deal ist auch gut, zeigt er nur, dass er sich würdig in die Riege der blonden Deppen eingereiht hat.
Adrianstein 29.03.2017
4. Das UK geht, Schengen und Euro bleiben uns
Die globalen Londoner Citizens wollten gar nicht gehen ( 59 %) , und müssen jetzt bei Verhandlungen gegen die Nordengländer , " Little Englishmen" versuchen, ihre EU Märkte wiederzugewinnen. Hier wartet ein Konflikt jenseits des Kanals . Freizügigkeit abzuwehren, und wie die Canadier bei Ceta handeln zu können, bleibt dort auch ein richtiges Problem. Aber der britische Markt bleibt verhandlungsabhängig richtig attraktiv, wenn aber UK auch global attraktiv bleibt. Und die dem "Euro und Schengen" ausgesetzten Deutschen, Österreicher und Niederlaender können sich mit den Rest-EU lern befassen. Keiner wird ohne einen ernsten Verluste herauskommen, do they ?
wum1 29.03.2017
5. Deutschland hat viel zu verlieren
Was offenbar noch wenig bewusst ist:Bislang gibt es ja noch die regel, dass Mehrheitsentscheidungen blockiert werden können, wenn entweder Länder mit einem bestimmten Anteil an der gesamtbevölkerung oder eine qualifizierte Mherheit der EU-Mitglieder dagegen sind. Ohne GB kann die BRD von den Südländern nunmehr locker überstimmt werden, etwa wenn es um gemeinsame Schulden geht, um Vereinbarungen über Sozialleistungen usw. Da kommt einiges an Zahlungsverpflichtungen auf Deutschland zu! WUM
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