Bericht über mögliche EU-Forderung Brexit könnte Briten mehr als 100 Milliarden Euro kosten

Es dürfte ein großer Streitpunkt in den Brexit-Verhandlungen werden: Wie viel müssen die Briten noch an die EU überweisen? Bislang war von 60 Milliarden Euro die Rede. Es könnte aber auch fast doppelt so viel werden.
Westminster Bridge in London (R)

Westminster Bridge in London (R)

Foto: NIKLAS HALLE'N/ AFP

Bislang war die Rede von 60 Milliarden Euro. Diese Summe könnte Großbritannien beim Verlassen der Europäischen Union in Rechnung gestellt werden, hieß es stets. Premierministerin Theresa May lehnt das kategorisch ab, ihre Regierung werde "keine gewaltigen Summen an die EU zahlen".

Die "Financial Times" berichtet nun, die Forderung an Großbritannien könne noch deutlich höher ausfallen. Demnach sei in Brüssel die Rede von über 100 Milliarden Euro. Die höhere Summe gehe vor allem auf Deutschland und Frankreich zurück, heißt es in dem Bericht weiter. Die EU-Verhandlungsführer hätten ihre ersten, ursprünglichen Kalkulationen als Reaktion auf Anfragen von mehreren EU-Mitgliedsländern überarbeitet und dabei die maximalen Forderungen erstellt.

Bei den Zahlungen geht es um die Schlussrechnung für Großbritannien zu Verpflichtungen nach über 40 Jahren EU-Mitgliedschaft. Dazu zählen Haushaltsverpflichtungen, Zusagen gegenüber EU-Institutionen sowie Pensionskosten für Beamte und etliches mehr.

Die Austrittsrechnung dürfte ein großer Streitpunkt in den Verhandlungen über den EU-Austritt Großbritanniens werden, die nach der britischen Parlamentswahl am 8. Juni beginnen sollen. London hatte Ende März die Trennung von der EU beantragt.

Der britische Brexit-Minister David Davids sagte, seiner Regierung sei noch keine Zahl mitgeteilt worden. Zum Bericht der "FT" ergänzte er: "Wir werden keine 100 Milliarden Euro zahlen."

SPD: "Britische Verhandlungsziele völlig unerreichbar"

Der Chef der SPD im Europäischen Parlament, Jens Geier, bezeichnete die Bedingungen für die EU-Austrittsgespräche als schlecht. "Es wird immer deutlicher, dass die britischen Verhandlungsziele völlig unerreichbar sind", sagte Geier. Damit wachse das Risiko des Scheiterns.

Der SPD-Politiker kritisierte die britische Regierung vor allem dafür, dass sie bereits weit fortgeschrittenen Planungen für den EU-Haushalt der kommenden Jahre erst nach den Unterhauswahlen am 8. Juni zustimmen will. Diese Ankündigung sorgt aufseiten der EU für Unmut, weil sie als politisches Druckmittel in den Verhandlungen gesehen wird. "Mit britischem Fair Play ist es offenbar vorbei", sagte Geier.

cte/dpa
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