"Please leave my town" Wie ein sehr höflicher Mann Boris Johnson die Meinung geigt

Wenn wütende Wähler auf Politiker treffen, kann es schon mal hitzig werden. Ein Mann in Nordengland zeigt nun allerdings im Umgang mit Boris Johnson, wie Kritisieren auf britische Art geht - und wird gefeiert.

Boris Johnson: Seine Begegnung mit einem Gentleman trendet in Großbritannien unter #PleaseLeaveMyTown
Alberto Pezzali/ AP

Boris Johnson: Seine Begegnung mit einem Gentleman trendet in Großbritannien unter #PleaseLeaveMyTown


Er lächelt sehr freundlich. Er schüttelt Boris Johnson die Hand. Er spricht ihn dabei an und lächelt noch immer. Dann sagt er: "Bitte verlassen Sie meine Stadt."

Die ganze Szene dauert nur wenige Sekunden, ein Video davon wird derzeit in den sozialen Netzwerken hunderttausendfach aufgerufen. Bei Twitter in Großbritannien trendet der englische Originalsatz des Mannes: #PleaseLeaveMyTown.

Im Anschluss an den Satz klopft der Mann Johnson noch auf die Schulter. Und der britische Premierminister entgegnet: "Das werde ich, sehr bald."

Das Video stammt vom Sender BBC und ist am Donnerstag beim Besuch Johnsons in West Yorkshire in Nordengland entstanden. Der höfliche Mann darin wird nun in den sozialen Netzwerken als "Held" und "Ikone" gefeiert; und seine Aussage als die britischste - also: höflichste - Art und Weise, jemandem "Verpiss dich" zu sagen.

Das "Yorkshire Life"-Magazin nahm die Aufmerksamkeit rund um den Hashtag #PleaseLeaveMyTown zum Anlass, auf einen Artikel zu verweisen: Darin sind fünf Gründe aufgelistet, warum Menschen nach Wakefield ziehen sollten. Im Tweet dazu heißt es: "Wir können Ihnen versichern, die Bewohner hier sind im Allgemeinen sehr freundlich."

Johnson traf am Donnerstag übrigens noch auf weitere Bewohner der Gegend. In der Stadt Morley wandte sich zum Beispiel ein wütender Mann an den Premierminister, auch diese Begegnung wurde im Video festgehalten: Johnson sollte gefälligst in Brüssel sein, um einen Brexit-Vertrag mit der EU auszuhandeln, sagte der Mann. "Sie spielen Spielchen."

Johnson war in West Yorkshire, um Investitionen der Regierung in die Polizei zu bewerben. An einer Polizeischule in Wakefield sprach er vor Journalisten, und auch dieser Auftritt wird in britischen Medien nun vielfach beschrieben. Johnson wird unter anderem vorgeworfen, bei einer letzten Endes doch politischen Rede die Polizisten als "Kulisse" benutzt zu haben - hinter dem Premierminister standen während seiner Rede zahlreiche Polizeianwärter. Zudem begann Johnson mit einiger Verzögerung, die Anwesenden hatten in der Hitze auf ihn warten müssen.

Als eine Frau hinter ihm sichtbar mit ihren Kräften zu kämpfen hatte, kündigte Johnson erst an, seine Rede zu beenden. Dann sprach er allerdings doch noch länger weiter, und kritisierte unter anderem die Opposition für ihr Verhalten in der Brexit-Krise (mehr zum aktuellen Stand erfahren Sie hier).

Bei seiner Rede in Wakefield bemerkt Johnson, dass es einer Polizeianwärterin hinter ihm nicht gut geht - dafür, dass er anschließend weiterredete, wird er nun kritisiert
Danny Lawson/PA Wire/ REUTERS

Bei seiner Rede in Wakefield bemerkt Johnson, dass es einer Polizeianwärterin hinter ihm nicht gut geht - dafür, dass er anschließend weiterredete, wird er nun kritisiert

"Johnson hat die Schüler im Stehen warten lassen, und - wenig überraschend - eine von ihnen scheint einen Schwächeanfall erlitten zu haben", schrieb die innenpolitische Sprecherin der oppositionellen Labour-Partei, Diane Abbott, bei Twitter. "Er hat das gesehen, und er hat es ignoriert. Das zeigt alles, was man über diesen Mann wissen muss - und wie wichtig ihm der Polizeidienst wirklich ist."

aar



insgesamt 154 Beiträge
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Southwest69 06.09.2019
1.
Stil kann man eben nicht kaufen,können sich die Deutschen eine dicke Scheibe von abschneiden.
Kannebichler 06.09.2019
2. Biased
Nette Zusammenstellung negativer Nachrichten. Es gab sicher nichts positives zu berichten? Niemand, der sich freute, Johnson zu sehen und ihn zu sprechen? Keine positiven Kommentare? Kann ich eigentlich nicht glauben.
ash26e 06.09.2019
3. Höflich hin höflich her
Die Abstimmung der Briten hat gesagt: Raus aus der EU. Jeder britischer Politiker der diesem Volkswillen nicht erfüllt kann doch kein Demokrat sein
j.scheunemann 06.09.2019
4. weltbewegend -
dieser Beitrag!
spon1899 06.09.2019
5.
Gefährliche Lage in GB mit so einem Regierungschef. Der wird alle Tricksereien durchziehen um das demokratische Parlament auszugeben.
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