Wahlkampfauftritt Johnson verspricht Brexit im Januar

"Dann lassen wir die Unsicherheit hinter uns": Großbritanniens Premier hat bei einem Wahlkampfauftritt einen Brexit im Januar zugesichert - sofern er denn wiedergewählt wird. Umfragen deuten auf Verluste hin.

Wenn er wiedergewählt wird, möchte er für einen Brexit im Januar sorgen: Großbritanniens Premier Boris Johnson bei einem Auftritt in Birmingham
Christopher Furlong/ Getty Images

Wenn er wiedergewählt wird, möchte er für einen Brexit im Januar sorgen: Großbritanniens Premier Boris Johnson bei einem Auftritt in Birmingham


Boris Johnson ist weiterhin davon überzeugt, im britischen Unterhaus eine Mehrheit für seinen mit der EU ausgehandelten Brexit-Deal zu bekommen. Großbritanniens Premierminister sicherte bei einem Wahlkampfauftritt in Birmingham den Austritt seines Landes im Januar zu. Werde er bei der auf den 12. Dezember vorgezogenen Parlamentswahl im Amt bestätigt, dann werde er umgehend damit beginnen, die Brexit-Vereinbarung durch das Unterhaus zu bringen, sagte der Konservative. "Dann vollziehen wir den Brexit im Januar und lassen die Unsicherheit hinter uns."

Johnsons Brexit-Vereinbarung hatte bei den Abgeordneten keine Mehrheit gefunden. Das Unterhaus zwang ihn zudem zu einer Verlängerung der Brexit-Frist vom 31. Oktober bis zum 31. Januar. Auf Wunsch des Premierministers soll in fünf Wochen ein neues britisches Unterhaus gewählt werden. Johnson will so die Blockade im Brexit-Prozess aufheben.

Der jüngsten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zufolge haben Johnsons Konservative bei den Wählern an Unterstützung eingebüßt, sie liegen aber immer noch deutlich vor der oppositionellen Labour-Partei von Jeremy Corbyn. Die Konservativen kommen auf 36 Prozent, zwei Punkte weniger als in der Woche zuvor. Labour bleibt bei 25 Prozent. Die Liberaldemokraten gewinnen einen Punkt auf 17 Prozent, die Brexit-Partei bleibt bei elf Prozent.

Allerdings sagt die Prozentzahl nur etwas über die Stärke der Parteien aus, nicht aber zwangsläufig über die Mehrheit im Unterhaus. Denn in den 650 Wahlkreisen, die der Anzahl der Mandate im Unterhaus entsprechen, werden die Sitze nach dem Mehrheitswahlrecht vergeben. Das heißt, die Sitze werden nicht entsprechend der Prozentzahl für die Parteien verteilt (Verhältniswahlrecht), sondern nach dem Prinzip: Wer im Wahlkreis die Mehrheit holt, bekommt den Sitz.

mho/Reuters



insgesamt 13 Beiträge
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spmc-12355639674612 07.11.2019
1. Spannend!
Spannend wird insbesondere, wie viele Sitze die Liberaldemokraten ergattern können und wie die Wahl in Schottland und Nordirland ausgeht.
HerrPeterlein 07.11.2019
2. Zeit für ein neues politisches System
Der mögliche Brexit, unabhängig vom Inhalt, zeigt doch wie überholt das politische System mit der ungeschriebenen Verfassung ist. Es kann eine Regierung ohne eigene Mehrheit im Parlament geben, welche somit über einen längeren Zeitraum handlungsunfähig ist. Gleichzeitig sorgt, wie in den USA, das Wahlrecht nicht dafür das jede Stimme gleich viel wert ist und neigt zu Ergebnissen bei den keiner eine Mehrheit bekommt.
madameping 07.11.2019
3. Wollte er am 31.10. nicht tot über dem Zaun liegen oder so ähnlich?
Wollte dieser Mann am 31.Oktober nicht lieber tot über dem Zaun liegen oder so ähnlich, wenn er bis dahin nicht sein Land aus der EU geführt hat???? Der gleiche Mann sprach in der Rede, in der er jene Worte in die Welt getönt hat, davon, dass er, sinngemäß, keine Lust mehr habe, über den Brexit zu sprechen. Mal abgesehen davon, dass er derjenige war, der den Brexit überhaupt herbeigelogen hat, aber egal... Aber jetzt will er's wieder wissen - und zum Januar "alle Unsicherheiten hinter sich lassen". Jawoll! Mit Getöse und Gekrache in den dicksten Fehler des Jahrhunderts. (Frei nach Herrn Bercow). Jetzt aber im Januar!! Nein? Dann JETZT aber im Mai!!! Auch nicht? Na gut, aber dann eben im September... Wir dürfen uns alle entspannt zurücklegen...
Vadomar 07.11.2019
4. Unsicherer Wahlausgang
Bedingt durch das Mehrheitswahlrecht im Vereinigten Königreich sind Wahlprognosen ziemlich schwierig, da Mehrheiten oft nur an relativ wenigen Stimmen in bestimmten Wahlkreisen hängen. Was relativ sicher scheint ist, dass die schottische SNP mit fast allen Wahlkreisen in Schottland rechnen kann. Die meisten Schotten sind mit dem Theater in Downing Street 10 und Westminster so unzufrieden, dass Tories und Labour dort wenig Chancen haben werden. Wie der Rest von UK abstimmen wird, ist schwer zu sagen. LibDems, Greens und die walisische Plaid Cymru haben ja einen Wahlpakt angekündigt und wollen in kritischen Wahlkreisen nicht gegeneinander antreten.
maurice_micklewhite 07.11.2019
5. Es gibt ein sehr aufschlussreiches Foto dieser Szene ...
... welches von hinten aufgenommen wurde und zeigt, wie viele Menschen dort wirklich waren. Tatsächlich gerade so viele, um den Bereich direkt um Johnson für PR-Fotos zu füllen, der überwiegende Rest der Halle war völlig leer. https://www.facebook.com/veryBrexitproblems/photos/a.734576486684873/1560181237457723/?type=3&theater
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