Großbritannien Johnson will Brexit um ein halbes Jahr verschieben

Vor seiner Rede beim Parteitag der britischen Konservativen versucht Ex-Außenminister Johnson, die Regierung unter Druck zu setzen. Sollte er zum nächsten Regierungschef ernannt werden, will er mit dem Brexit warten.

Boris Johnson
AFP

Boris Johnson


Am 29. März 2019 soll Großbritannien aus der Europäischen Union austreten. Doch die Verhandlungen gestalten sich zäh, ein Abkommen zwischen EU und Großbritannien ist nicht in Sicht. Ex-Außenminister Boris Johnson übt deshalb weiter Kritik an dem Brexit-Kurs von Premierministerin Theresa May. Johnson würde den Austritt um mindestens sechs Monate verschieben, sollte er Regierungschef werden, berichtete die Zeitung "Sun".

Er habe demnach einigen Ministern aus dem Kabinett, das er aus Protest gegen Mays Brexit-Vorschläge vor drei Monaten verlassen hatte, seine Vorstellungen in Privatgesprächen dargelegt.

Führende Vertreter der britischen Regierung hatten zuletzt zur Unterstützung von Mays Austrittsplänen aufgefordert. Doch die Partei ist zerstritten.

Labour-Partei hält Option für Referendum offen

Der Termin für einen Austritt aus der EU steht bereits seit eineinhalb Jahren fest, doch die Verhandlungen stocken. Die oppositionelle Labour-Partei hatte mehrfach ein zweites Referendum vorgeschlagen. May ist aber dagegen.

Mays Brexit-Pläne stoßen auch bei den 27 EU-Partnern auf Ablehnung. Die Verhandlungen seien noch weit entfernt von der Realität, sagte Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bei einem Forum in Freiburg. "Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Briten denken, wir würden Großbritannien verlassen. Es ist genau umgekehrt."

Erst jetzt würden viele Briten und auch einige Minister feststellen, wie viele Fragen der Austritt aus der EU aufwerfe. Sollten die Gespräche scheitern, könnten beispielsweise britische Flugzeuge nicht mehr auf dem europäischen Festland landen, sagt Juncker. "Das hätte man denen sagen müssen."

mje/Reuters



insgesamt 192 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
order66 02.10.2018
1.
Warum sollte die EU den Austritt verschieben? Weil Boris das möchte? Sehr witzig..........
Crom 02.10.2018
2.
Ich dachte Brexit means Bexit und nicht Brexit someday.
derBob 02.10.2018
3. galoppierender Realitätsverlust
Liegt es an galoppierenden Realitätsverlust auf der Insel und ist es Ausdruck nackter Panik? Was berechtigt den Chaosstifter Boris Johnson zu glauben, man könne einseitig mal so eben die Fristen verschieben? Er hat mit seinen Lügen den Briten etwas eingebrockt, an dem sie lange zu knabbern haben werden.
Baustellenliebhaber 02.10.2018
4. Er wird das nie verstehen.....
Die Regeln besagen, soweit ich mich erinnern kann, zwei Jahre, Herr Johnson denkt immer er befindet sich bei einem Wunschkonzert....
theodtiger 02.10.2018
5.
Johnson scheint inzwischen voll den Bezug zur Realität verloren zu haben. Die Verträge der EU finden spätestens am 30.3.2019 auf das VK keine Anwendung mehr (sie sind dann raus), es sei der Europäische Rat beschliesst EINSTIMMIG eine Verlängerung der Periode für die Austrittsverhandlungen. Wie kann Johnson annehmen, er würde eine solche Einstimmigkeit so einfach hinkriegen - und das ohne einzelnen EU Ländern, die ihr Veto einlegen könnten - nicht weitgehend entgegen kommen zu müssen. Oder denkt er wieder nur an Tricks und Lügen, die vielleicht im VK funktionieren aber nicht international. Das Bizarre an der Debatte im VK ist, dass die politische Klasse und wohl große Teile der Presse immer noch glauben, es läge an ihnen allein, ob sie gehen und wie dies geschieht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.