Brexit Briten erwägen Arbeitsvisa für EU-Bürger

Die Briten wollen die Einwanderung aus der Europäischen Union reduzieren. Das war einer der Gründe für das Brexit-Votum. Innenministerin Amber Rudd prüft nun die Einführung eines Arbeitsvisums für EU-Bürger.

Amber Rudd, britische Innenministerin
DPA

Amber Rudd, britische Innenministerin


EU-Bürger, die in Großbritannien einen Job annehmen wollen, brauchen demnächst möglicherweise eine Arbeitserlaubnis. Die britische Innenministerin Amber Rudd kündigte am Sonntag an, die Einführung eines entsprechenden Systems zu prüfen, um die Einwanderung aus Ländern der Europäischen Union zu begrenzen. Damit solle dem Wunsch der Wähler beim Brexit-Votum nach engeren Grenzkontrollen entsprochen werden, sagte Rudd der BBC.

Bislang gelten die Gesetze der Europäischen Union, die eine völlige Freizügigkeit bei Niederlassung und Arbeit unter den EU-Staaten vorsehen. Dagegen brauchen Arbeitswillige aus Ländern außerhalb der EU ein Visum. Ziel der britischen Regierung ist es, die jährliche Zuwanderungsrate von 327.000 Menschen auf unter 100.000 zu drücken. Ein mögliches Arbeitsvisum für EU-Bürger könnte die britische Regierung aber erst nach den Austritt aus der Gemeinschaft einführen.

Die Begrenzung der Einwanderung hatte beim Brexit-Votum eine wichtige Rolle gespielt. Ende Juni hatten bei einem Referendum 51,9 Prozent der Briten für den Austritt aus der EU gestimmt. Mittlerweile drückt die EU aufs Tempo: Großbritannien soll möglichst schnell den Austritt nach Artikel 50 der EU-Verträge beantragen, forderte Donald Tusk, Präsident des Europäischen Rates, in der vergangenen Woche.

Die britische Regierungschefin Theresa May hat jedoch bereits signalisiert, dass sie es nicht eilig hat, Artikel 50 auszulösen. Denn wenn sie dies tut, bleiben nur zwei Jahre, alle Bedingungen der künftigen wirtschaftlichen und politischen Kooperation mit der EU auszuhandeln. Diesen Zeitdruck möchte sie vermeiden.

Das Thema Freizügigkeit gehört zu den umstrittensten Punkten im Streit zwischen Großbritannien und den verbleibenden 28 EU-Staaten. Die Regierung in London will striktere Grenzkontrollen und weniger Einwanderer, aber zugleich den freien Zugang zum EU-Binnenmarkt behalten. Die EU-Partner sind sich aber bislang einig, dass Handelsvorteile nur gewährt werden können, wenn auch EU-Bürger weiter freien Zugang nach Großbritannien haben.

cte/Reuters



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