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24. März 2019, 00:19 Uhr

Medienberichte

Britische Minister wollen angeblich Regierungschefin May stürzen

Nach der mehrfach gescheiterten Brexit-Abstimmung wächst der Druck auf Premierministerin Theresa May. Der "Sunday Times" zufolge wollen elf Kabinettsmitglieder sie zum Rücktritt zwingen.

Die britische Premierministerin Theresa May ist in ihrem Kabinett stark unter Druck geraten. Wie die "Sunday Times" berichtet, hätten sich insgesamt elf Minister bereits darauf verständigt, dass May zügig zurücktreten müsse. "Sie wird in zehn Tagen weg sein", zitierte "Sunday Times"-Journalist Tim Shipmann einen nicht namentlich genannten Minister.

Shipman teilte via Twitter mit, er habe mit den Ministern gesprochen. Demnach wollen die Putschisten May am Montag mit ihrer Rücktrittsforderung konfrontieren. Die Minister begründeten dies damit, dass das Urteilungsvermögen der Regierungschefin "durcheinandergeraten" sei.

Demnach drohen die Minister auch zurückzutreten, sollte May das Amt nicht abgeben. Auch mögliche Interims-Ministerpräsidenten seien bereits im Gespräch, heißt es in der "Sunday Times", etwa der Umweltminister Michael Gove oder Außenminister Jeremy Hunt. Auch andere Zeitungen, darunter der "Sunday Telegraph", spekulieren bereits über Nachfolger.

Das Büro der Premierministerin wollte die Gerüchte am Abend nicht kommentieren.

Durch eine Massendemonstration war am Samstag auch der öffentliche Druck auf May gewachsen. Nach Angaben des "Guardian", sollen sich in London mehr als eine Million Menschen an Protesten gegen den Brexit beteiligt haben. Zentral war die Forderung, erneut über den Austritt abzustimmen oder in der Europäischen Union zu verbleiben.

Auch eine Parlamentspetition für die Rücknahme des Austritts hat mittlerweile mehr als 4,5 Millionen Unterzeichner gesammelt. Zeitweise war die Webseite wegen des Ansturms lahmgelegt.

Eine Woche vor dem ursprünglich geplanten EU-Ausstieg am 29. März hatte die EU der britischen Regierung eine kurze Verschnaufpause gewährt. Falls das britische Parlament kommende Woche dem ausgehandelten, aber bereits zweimal im Unterhaus abgelehnten Austrittsvertrag doch noch zustimmt, wird der Brexit für die nötige rechtliche Umsetzung bis zum 22. Mai verschoben.

May lehnt ein erneutes Referendum kategorisch ab. Sie will den Brexit so durchführen, wie bei der Abstimmung vor knapp drei Jahren von einer Mehrheit gefordert. Damals hatten sich 52 Prozent (17,4 Millionen) der Briten für einen Brexit ausgesprochen, 48 Prozent (16,1 Millionen) stimmten für einen Verbleib ihres Landes in der EU.

fek/Reuters

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