Andrea Leadsom Britische Unterhausvorsitzende tritt zurück

Rückzug aus Resignation: Die Tory-Abgeordnete und Vorsitzende des britischen Unterhauses Andrea Leadsom hört auf. Sie glaube nicht mehr, dass der Kurs der Regierung zu einem Brexit führen werde.

Andrea Leadsom
Dan Kitwood/Getty Images

Andrea Leadsom


Die britische Unterhausvorsitzende Andrea Leadsom hat ihren Rücktritt aus dem Kabinett von Premierministerin Theresa May verkündet. Sie glaube nicht mehr daran, dass der Kurs der Regierung zur Umsetzung des Brexit-Referendums über den Austritt Großbritanniens aus der EU führen werde, twitterte die Tory-Abgeordnete.

Der Rücktritt einen Tag vor der Europawahl, die in Großbritannien bereits am Donnerstag abgehalten wird, folgt auf neue Rücktrittsforderungen an Regierungschefin May. Der Druck auf May, ebenfalls ihr Amt abzugeben, dürfte damit erheblich wachsen. Das britische Unterhaus ist tief gespalten, bereits dreimal scheiterte der von May mit Brüssel ausgehandelte Ausstiegsvertrag bereits.

Leadsom wisse, dass am Donnerstag wichtige Wahlen seien, schrieb sie. Sie habe den Zeitpunkt der Bekanntgabe mit Bedacht gewählt, aber sie könne am Donnerstag nicht ihren Verpflichtungen nachkommen und neue Inhalte verkünden, die sie ablehne.

Am Ende ihres Statements, das sich direkt an May richtet, fordert Leadsom die Regierungschefin auf, die richtigen Entscheidungen im Interesse des Landes, der Regierung und der konservativen Partei zu treffen.

Ein Sprecher Mays würdigte Leadsom, die der Regierung ausgezeichnet und mit großem Engagement gedient habe. Obwohl man enttäuscht sei, bleibe May fokussiert, den Brexit zu liefern, für den die Menschen gestimmt haben.

Anfang Juni will May den Abgeordneten ihren Vertragsentwurf im Rahmen eines Gesetzgebungsverfahrens ein viertes Mal vorlegen. Dafür kündigte sie Zugeständnisse an die Opposition und die Brexit-Hardliner an. Unter anderem stellte sie eine Abstimmung darüber in Aussicht, ob es eine Volksabstimmung über ihr Austrittsabkommen geben soll. Den Gesetzentwurf will sie bereits an diesem Freitag veröffentlichen. Doch die Reaktionen auf ihre Vorschläge fielen vernichtend aus.

Die Brexit-Befürworterin Leadsom war nach dem Votum der Briten für den EU-Austritt 2016 und dem Rücktritt von David Cameron als Regierungschef zunächst gegen May angetreten, hatte sich dann aber aus dem Rennen zurückgezogen. Sie gilt als eine der einflussreichsten Kritikerinnen von May.

hba/AFP/dpa/REUTERS



insgesamt 16 Beiträge
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Stereo_MCs 22.05.2019
1. Entscheidung eines politisch zutiefst zerrüttenden Landes
Entweder ein neues Referendum mir klarem Bekenntnis zur EU, oder bitte sofort raus, ob nun finanziell weich oder hart, und sich in vielen Jahren erstmal klar zu werden, was sie wollen und ihr völlig kaputtes politisches System wieder auf die Füße zu stellen. Hat denen eigentlich schon mal jemand erklärt, wie toll so ein Verhältniswahlrecht sein kann?!
kumi-ori 22.05.2019
2.
Ich finde es seltsam, dass im Vereinigten Königreich der Parlamentsvorsitz ein Regierungsamt ist. Diese Funktion sollte aus dem Parlament heraus wahrgenommen werden und nicht von der Regierung abhängig sein.
Augustusrex 22.05.2019
3. Das britische Pfund
war vor der Umstellung auf das Dezimalsystem gestückelt in 4 Crowns oder 8 Half Crowns oder 20 Shilling oder 240 Pennys mit diversen weiteren Scheidemünzen. Dieses Land lehnte das Dezimalsystem lange ab, weil es zu kompliziert wäre. Wie kann man da Vernunft in so wichtigen Fragen wie der Entscheidung für oder gegen den Brexit erwarten?
kuac 22.05.2019
4.
Egal, ob May oder ein anderer PM, niemand kann zaubern und einen Brexit zum Vorteil von GB gestalten. Es ist ein Verlustgeschäft für GB und das bleibt so. Take it or leave it.
siebensieben 22.05.2019
5. Leader of the House
Leadsom ist Leader of the House, das ist etwas anderes als "Parlamentsvorsitzender"! Da geht auch beim Spiegel wohl einiges durcheinader und wird falsch aus den englischen Zeitungen übersetzt. Irgendwie typisch Spiegel Online, die Qualität im Sturzflug Bei uns wäre "Leader of the House" in etwa der Posten des parlamentarischen Geschäftsführers.
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