Pressestimmen zum Brexit "Werden wir JEMALS rauskommen?"

Die EU hat den Brexit erneut verschoben, die Briten haben nun bis Halloween Zeit. Wird das überhaupt noch etwas mit dem Austritt? Die internationale Presseschau.

Pro-Brexit-Protest in London
Yui Mok/dpa

Pro-Brexit-Protest in London


"Sun", London

Die Boulevardzeitung schreibt über den Beschluss des Sondergipfels: "May's Nightmare" und fragt in der Schlagzeile: "Will we EVER leave?" (Werden wir JEMALS rauskommen?).

"Guardian", London

"Die EU-Regierungschefs sind von Großbritannien enttäuscht. Aber sie akzeptieren auch die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung solider Beziehungen. Der Impuls, sich von einem lästigen Nachbarn zu befreien, wird durch die Überlegung gedämpft, dass ein vor den Kopf gestoßenes und rachsüchtiges Großbritannien langfristig mehr Gefahren birgt. Bedauerlicherweise wird diese Abwägung in unserem Land kaum verstanden. Brexit-Verfechter brennen darauf, der institutionellen Verknüpfung mit der EU zu entkommen. Doch das Land wird niemals eine saubere Trennung vom europäischen Projekt erreichen. Partnerschaften mit unseren europäischen Nachbarn ergeben sich zwangsläufig aus der Geografie, der Diplomatie und der Wirtschaft."

"Times", London

"Die Entscheidung, wie lange und unter welchen Bedingungen Großbritannien in der Union bleiben soll, ist den Staats- und Regierungschefs der EU zugefallen. Denn die Politiker in diesem Land sind bei ihren Versuchen, einen Weg nach vorn zu finden, ins Schwimmen geraten. Obwohl die Regierung und die Labour-Partei über ein mögliches Kompromissabkommen gesprochen haben, das parteiübergreifende Unterstützung finden könnte, werden diese Verhandlungen wahrscheinlich zu nichts führen. (...) Es ist wichtig, dass der neue Aufschub nicht verschwendet wird. Wenn der parlamentarische Prozess wieder scheitert, sollte Theresa May akzeptieren, dass das nationale Interesse ihren Rücktritt erfordert, um damit Platz für einen neuen Premierminister und eine neue Strategie zu machen."

"NZZ", Zürich

"Aufgeschreckt hat viele EU-Staaten aber auch die Forderung des Brexit-Vorkämpfers Jacob Rees-Mogg, London solle im Falle einer längeren Fristerstreckung die Politik der EU im Ministerrat sabotieren. Dem soll Großbritannien nach dem Willen der EU-27 mit einem Bekenntnis zur loyalen Kooperation begegnen. Konkret könnte sich London verpflichten, bei Fragen zur Zukunft der EU, zum neuen Finanzrahmen oder zur Neubesetzung der EU-Spitzenposten vom Gebrauch von Vetorechten abzusehen und generell Zurückhaltung zu üben. Doch da Großbritannien bis zum Austritt volle Rechte als Mitglied genießt, sind die Möglichkeiten zur rechtlichen Durchsetzung eines solchen Bekenntnisses begrenzt."

mfh/dpa



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stilus 11.04.2019
1. Time to go
Man stelle sich die EU als eine WG mit 28 Mitbewohnern vor. Aber einer der Mitbewohner verhält sich ziemlich komisch: Er nöhlt nur herum, nervt die Mitbewohner, weiss alles besser, putzt aber nie das gemeinsame Bad und bringt nie den Müll raus. Außerdem weigert er sich, sich an den Nebenkosten zu beteiligen. darauf angesprochen, pöbelt er herum und droht mit Auszug! Liebe Briten, habt ihr euch erkannt? Es wird Zeit, dass ihr eure Butter und euren Joghurt aus dem Gemeinschaftskühlschrank nehmt und euch ganz leise und unauffällig davonmacht. Ihr seid nicht allein Europa, ihr seid nur eine kleine neblige Insel irgendwo in der Nordsee.
telarien 11.04.2019
2. Recht behalten
Es wird verschoben, verschoben, umbenannt usw. Am Ende wird der Wähler vergessen haben, für was er mal gestimmt hat. Und die Wirtschaft das haben, was sie will. Wenn der Wähler erkennt, das wir in den Parteien nur noch Handpuppen der Lobbyisten sitzen haben, dann kann aus dem unerträglichen Brexittheater noch etwas Gutes entstehen.
pizzerino 11.04.2019
3. positiv überrascht
Die britische Presse schlägt da m.E. sehr besonnene Töne an. Ich hab schon befürchtet, die Stimmung kippt in Richtung EU Bashing, aber anscheinend sieht die presse die Situation wohltuend selbstkritisch.
egoneiermann 11.04.2019
4.
Zitat von pizzerinoDie britische Presse schlägt da m.E. sehr besonnene Töne an. Ich hab schon befürchtet, die Stimmung kippt in Richtung EU Bashing, aber anscheinend sieht die presse die Situation wohltuend selbstkritisch.
Ich denke, die werden nun versuchen May abzuschießen. Mail: "Theresa May has been handed a humiliating Halloween Brexit nightmare" Denn es ist ja klar, dass bei dem Konservativen eher ein Hardliner nachfolgen wird, der dich auch den harten Ausstieg traut, Wenn man May im Interview gehört hat, merkt man, dass sie nichts anderes sagt, als dass ein baldiger, schneller zügiger etc Brexit kommt. Das nicht das was das Volk will, sondern alleine die Parteibasis. Ich sehe nur in einem zweiten Referendum oder Neuwahlen die Chance, dass sich bis zum Herbst was tut.
jens109 11.04.2019
5. ganz einfach
wenn UK aufhört nach Verlängerungen zu fragen ODER dem beiderseits ausgehandelten Austrittvertrag zustimmt. Dann geht der Austritt ganz schnell und UK hat es selbst in der Hand! Die EU braucht / kann in einem der Fälle dazu garnichts tun. Der Vertrag ist m.W ein Vertrag der die eigentliche Übergangsphase abferdern soll - nicht mehr und nicht weniger. Backstop ist nur ein Notnagel der im Idealfall überhaupt nicht zur Anwendung kommt. UK, was wollt ihr?
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