Aufmüpfige Konservative Die Tory-Rebellen

Etliche Tories haben Boris Johnson die Gefolgschaft verweigert - und so die Niederlage des britischen Premiers im Parlament ermöglicht. Wer sind die Abtrünnigen?

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Als die historische Sitzung des Unterhauses am Dienstag begann, verfügte Johnsons Regierungskoalition noch über eine Stimme Mehrheit im Unterhaus. Am Ende der Notfalldebatte war seine Fraktion um 22 Mitglieder geschrumpft.

Schon im Vorfeld hatte der Premierminister gedroht, alle aus der Partei auszuschließen, die nicht mit ihm stimmen würden. Damit machte Johnson klar: Die Konservativen haben zu wollen, was er will - und das ist der Austritt aus der EU am 31. Oktober. Ob mit Abkommen oder ohne.

Leidenschaftliche Gegner eines No-Deal-Brexits konnte er jedoch nicht einschüchtern: Die Abgeordnete Antoinette Sandbach etwa hatte noch kurz vor dem Showdown angekündigt, für Maßnahmen stimmen zu wollen, die einen No-Deal-Brexit verhindern könnten.

Der Konservative Phillip Lee wechselte demonstrativauf die Bank der Liberaldemokraten. Es geschah in dem Moment, als Johnson gerade die Vorzüge engerer Handelsbeziehungen mit den USA lobte - seine Alternative zum Binnenmarkt mit der EU. Lee sagte anschließend: "Die Partei, in die ich 1992 eingetreten bin, ist nicht die Partei, die ich heute verlasse." Johnson treibe mit seiner Regierung "auf skrupellose Weise einen schädlichen Brexit" voran.

So setzte eine Mehrheit der Unterhausabgeordneten durch, am Mittwoch über ein Anti-No-Deal-Gesetz abstimmen zu können: Dieses würde Johnson zwingen, bei der EU um Aufschub für den Austritt zu bitten, sollte bis zum 31. Oktober kein Abkommen zwischen Brüssel und London zustande gekommen sein.

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Aufmüpfige Konservative: Das sind die Tory-Rebellen

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darthmax 05.09.2019
1. Tory Rebellen
Da sie über die Direktwahl gewählt sind sind sie eher ihren Wählern und eigener Ansicht mehr verantwortlich, als dem Premier. Ihre Wiederwahl ist nicht verhindert. Uns freut dies, man stelle sich aber vor , dass eine solche Gruppe im Bundestag gegen den Kanzler/ die Fraktion opponiert, die würden nicht mehr aufgestellt werden und dürften dem Beruf Tschüss sagen.
cremuel 05.09.2019
2.
Zitat von darthmaxDa sie über die Direktwahl gewählt sind sind sie eher ihren Wählern und eigener Ansicht mehr verantwortlich, als dem Premier. Ihre Wiederwahl ist nicht verhindert. Uns freut dies, man stelle sich aber vor , dass eine solche Gruppe im Bundestag gegen den Kanzler/ die Fraktion opponiert, die würden nicht mehr aufgestellt werden und dürften dem Beruf Tschüss sagen.
Das ist nicht ganz richtig. Sie wurden aus der Fraktion ausgeschlossen und im Moment wird diskutiert, ob z.B. Hammonds Wahlkreisverband ihn wieder aufstellen darf. No. 10 meint, dass nicht. Am Ende werden fast alle oder alle von ihnen nicht mehr für die Tories kandidieren dürfen und das ist genau das gleiche, wie wenn Abgeordnete bei uns "nicht mehr aufgestellt" werden. Der einzige wichtige Unterschied dürfte sein, dass in dem ein oder anderen Wahlkreis in GB auch unabhängige Kandidaten eine Chance haben könnten. Wobei: Schauen Sie mal, wie viele der jetzigen MP als Unabhängige ins HoC gewählt wurden....Als Unabhängiger könnte man übrigens auch in D kandidieren.
Gastone 05.09.2019
3. Wiederwahl
Naja, die "Rebellen" (darunter frühere Minister und sogar Churchills Enkel) werden in ihren Wahlkreisen nicht mehr von der Konservativen Partei nominiert werden. Sie können theoretisch als Unabhängige gegen die offiziellen Tory-Kandidaten antreten, aber bis auf wenige Charismatiker scheinen die Chancen auf eine Wiederwahl doch eher überschaubar.
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