+++Brexit-Newsblog+++ Deutsche Exporteure beklagen Ungewissheit

Großbritannien hat jetzt viel mehr Zeit, um die EU zu verlassen. Doch längst nicht allen gefällt die ausgehandelte Verschiebung. Die deutsche Wirtschaft fordert mehr Tempo beim Brexit. Der Newsblog.

Container im Hamburger Hafen
dpa

Container im Hamburger Hafen


12.08 Uhr

Irlands Finanzminister: Brexit am 31. Oktober

Irlands Finanzminister Paschal Donohoe ist davon überzeugt, dass Großbritannien Ende Oktober die EU verlässt. "In jedem Fall wird Großbritannien mit Irland eine Handelsbeziehung unterhalten, die anders ist als jetzt", sagte er dem irischen Radiosender Newstalk.

Irlands Finanzminister Paschal Donohoe (l.)
AP

Irlands Finanzminister Paschal Donohoe (l.)

11.40 Uhr

Röttgen attackiert Macron

Nach der Einigung beim Sondergipfel wirft der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron Eigennutz vor. Ein längerer Aufschub wäre besser gewesen, schreibt der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag auf Twitter. Für Macron seien aber "sein Wahlkampf und seine Interessen" wichtiger gewesen als die europäische Einheit.

10.55 Uhr

Brexit-Verschiebung als "kleineres Übel"

Der Branchenverband der deutschen Exporteure (BGA) sieht die Verschiebung des EU-Ausstiegs der Briten als das "kleinere Übel". "Mit Chaos wäre niemandem gedient", wird Präsident Holger Bingmann zitiert. Aber: "Der wirtschaftliche Preis dafür ist, dass die Unternehmen dies- und jenseits des Kanals in den kommenden Monaten weiter in der Luft hängen, was die Ausgestaltung der künftigen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen betrifft." Diese lähmende Ungewissheit trübe die Stimmung und hinterlasse konjunkturelle Spuren auf beiden Seiten des Kanals.

10.43 Uhr

Deutsche Banken fordern mehr Tempo

Der deutsche Privatbankenverband begrüßt die Verschiebung. "Die europäischen Staats- und Regierungschefs haben in dieser schwierigen Situation verantwortungsvoll gehandelt. Wäre das Vereinigte Königreich auf die harte Tour aus der EU ausgeschieden, hätte das die zukünftige Zusammenarbeit erheblich erschwert", sagt BdB-Hauptgeschäftsführer Andreas Krautscheid. Eine Ratifizierung des Austrittsabkommens noch vor der Europawahl Ende Mai wäre nun die bevorzugte Lösung.

10.10 Uhr

Aktien von Fluggesellschaften legen zu

Die erneute Verlängerung der Brexit-Frist sorgt bei Anlegern europäischer Fluggesellschaften für Erleichterung. Die Aktien von Lufthansa lagen am Donnerstag mit einem Plus von bis zu 2,6 Prozent auf 21,42 Euro an der Dax-Spitze. Papiere von EasyJet, Ryanair, der British-Airways-Mutter IAG und Air France kletterten um bis zu fünf Prozent. Ein harter Brexit hätte Experten zufolge weitreichende Folgen für den Airline-Sektor. Unsicherheit herrscht unter anderem darüber, wie es mit Sicherheitsstandards, den Eigentümerregeln und den Verkehrsrechten weiterginge.

9:53 Uhr

Forderung nach neuem Referendum

Nach der erneuten Verschiebung häufen sich die Forderungen nach einem zweiten Brexit-Referendum. "Eine flexible Verlängerung bis zum 31. Oktober ist lang genug, um eine Volksabstimmung abzuhalten", sagt etwa Tom Brake, Sprecher der britischen Liberaldemokraten, Tom Brake. "Es ist schon lange überfällig, dass (Premierministerin) Theresa May und (Oppositionsführer) Jeremy Corbyn ihre politischen Spielchen aufgeben", betont Brake. Ähnlich hatte sich zuvor die neue "Unabhängige Gruppe" im Unterhaus geäußert. Mit einer Volksabstimmung könne "das ganze Debakel zu Ende gebracht werden", twitterte etwa der Abgeordnete Chris Leslie, der der Gruppierung angehört.

9:15 Uhr

Britische Wirtschaftsvertreter drängen zum "Neuanfang"

Die neue Brexit-Verschiebung muss nach Ansicht britischer Wirtschaftsvertreter dringend genutzt werden, um das Chaos in Großbritannien zu beenden. "Die drohende wirtschaftliche Krise konnte verhindert werden, aber sie muss einen Neuanfang darstellen", twitterte die Generaldirektorin vom Unternehmerverband CBI, Carolyn Fairbairn. Der Chef des Handelskammerverbands BCC, Adam Marshall, warnt vor einem "Desaster", falls wieder auf Zeit gespielt werde und sich das Drama im Oktober wiederhole. Die Unternehmen "brauchen Antworten, um für die Zukunft planen zu können", teilt er mit.

8:55 Uhr

Schottlands Regierungschefin "erleichtert"

Nicola Sturgeon ist eine Brexit-Gegnerin und äußert sich deshalb "erleichtert", dass es an diesem Freitag nicht zu einem "No-Deal" kommt. Die zusätzliche Zeit sollte genutzt werden, um "den Menschen zu ermöglichen, zu entscheiden, ob sie noch gehen wollen", fordert die schottische Regierungschefin.

8:32 Uhr

SPD-Europapolitiker fordert zweites Referendum

Der SPD-Europapolitiker Udo Bullmann fordert die Briten zum Verbleib in der EU auf. "Es wäre viel besser, die Europäische Union weiterhin stark zu halten. Großbritannien, das ist mein Rat an das Volk, verlasst uns nicht, bleibt dabei", sage der Vorsitzende der sozialdemokratischen Fraktion im EU-Parlament im ZDF-"Morgenmagazin". Bullmann spricht sich für ein zweites Referendum der Briten aus.

8:11 Uhr

Der Élysée warnt

Eine Sprecherin des französischen Staatschefs Emmanuel Macron gibt sich skeptisch. Es sei trotz der Einigung immer noch möglich, dass es einen harten Brexit gebe, warnt sie.

7:49 Uhr

Donald Trump wirft der EU vor, zu streng mit den Briten zu sein
SAUL LOEB / AFP

Donald Trump wirft der EU vor, zu streng mit den Briten zu sein

Trump kritisiert die EU

Die EU gibt Großbritannien bis zum 31. Oktober Zeit, aus der Gemeinschaft auszutreten. Donald Trump hat trotzdem etwas an dem neuen Deal auszusetzen. "Zu schade, dass die Europäische Union so streng mit dem Vereinigten Königreich und Brexit umspringt", twitterte der US-Präsident.

7:30 Uhr

Oettinger: "Alles ist denkbar"

EU-Kommissar Günter Oettinger äußert sich erleichtert. Mit der nun erzielten Aufschiebung bis Ende Oktober zeigte er sich "sehr zufrieden". "Mit der Entscheidung konnte die schlechteste Entwicklung vermieden werden." Oettinger hält sogar eine nochmalige Verschiebung des Brexit-Datums unter bestimmten Umständen für möglich, etwa sogar bis Ende 2020. "Alles ist denkbar", sagt Oettinger im Deutschlandfunk.

7:22 Uhr

Roth drängt London zur Eile

Europa-Staatsminister Michael Roth setzt London unter Druck: "Alle Optionen liegen auf dem Tisch. Liebe britische Freunde, liefert jetzt", fordert der SPD-Politiker in einem Tweet. Auch wenn es mit der "Flextension" ein flexibles Datum gebe - der Austritt müsse so schnell wie möglich erfolgen.

Michael Roth
Getty Images

Michael Roth

7:20 Uhr

"Will we EVER leave?"

Mays Albtraum: Das Boulevardblatt "Sun" spottet mit "May's Nightmare" über den Beschluss des Sondergipfels. "Will we EVER leave?" (Werden wir JEMALS rauskommen?) wird in der Schlagzeile gefragt.

The Sun

6:45 Uhr

May spricht im Unterhaus

Premierministerin Theresa May kündigt für heute (Donnerstag) eine Erklärung im Parlament an. Großbritannien müsse die EU so schnell wie möglich mit einem Abkommen verlassen, sagt sie. Wenn die Vereinbarung vor dem 22. Mai ratifiziert werde, müsse das Königreich nicht mehr an den Europa-Wahlen teilnehmen. Sie wolle nicht so tun, als ob die kommenden Wochen einfach werden würden.

als/dpa/AFP/Reuters



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