Briten-Referendum Wie Trump den Brexit für sich nutzen will

Gegen die Eliten, gegen Einwanderung: Donald Trump sieht im Brexit-Votum die Blaupause für seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl. Doch die Lage in den USA ist ungleich komplizierter.

Trump in Schottland
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Trump in Schottland

Von , Washington


Donald Trump steht auf dem Rasen seines Golfresorts im schottischen Turnberry und ist bestens gelaunt. Der Präsidentschaftskandidat, der nur für wenige Stunden angereist ist, redet über den "wunderbaren Leuchtturm" auf dem renovierten Gelände, über die "spektakulären Löcher" des Parcours und die neue Sprinkleranlage. "Ich glaube, es wird nirgends so etwas geben wie hier", schwärmt er am Freitag.

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Heft 26/2016
Es lebe Europa?

Es ist ein bizarrer Marketingauftritt des 70-Jährigen, und seine Laune dürfte auch mit dem Ausgang des britischen EU-Referendums zusammenhängen. Das Pfund stürzt ab, die Börsen spielen verrückt, aber aus Trumps Sicht ist alles prima gelaufen. "Ich liebe es, wenn sich Menschen ihre Unabhängigkeit zurückholen", sagt er. Dass er kurz darauf auf Twitter mit der Sängerin Lily Allen aneinandergeriet, schadete seiner guten Laune offenbar kaum.

Trump ist auch deshalb glücklich über den Brexit, weil er glaubt, dass die Entscheidung einen westlichen Trend markieren und eine Art Blaupause für seinen eigenen Wahlkampf sein könnte. Das Misstrauen gegenüber den Eliten, die Angst vor Einwanderung, der Hang zur Rebellion - vieles von dem, was in Großbritannien eine Rolle spielte, ist auch in den USA zu erkennen. Trump hofft, dass die Folgen des Brexit nicht nur Europa verändern, sondern ihn im November auch selbst ins Weiße Haus spülen.

Donald Trump im Video: Brexit ist "fantastisch"

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Tatsächlich scheint der Brexit dem Republikaner eher gelegen zu kommen als seiner Herausforderin Hillary Clinton. Alles, was Unruhe schafft, nimmt der New Yorker erst einmal dankbar an, basiert sein Wahlkampf doch auf der Annahme, dass sich die Amerikaner umso stärker nach einer autoritären Führungsperson sehnen, je unübersichtlicher die Lage ist.

Trump ahnt: Wie sehr er vom Brexit profitieren kann, hängt eng mit der Frage zusammen, wie tief Amerikas Wirtschaft in die Turbulenzen mit hineingezogen wird. Bislang sind die großen Indikatoren eher vorteilhaft für Clinton. Die Arbeitslosigkeit ist gering, die Wirtschaft wächst, wenn auch langsam.

Aber die Stabilität ist jetzt in Gefahr.

Nach dem Brexit stürzte der Dow Jones Index dramatisch ab, die Zentralbank hat wenig Spielraum, negativen Trends geldpolitisch noch etwas entgegenzusetzen. Rutscht Amerikas Wirtschaft in die Krise, dürfte sich das auswirken auf die Frage, wem die Wähler das Weiße Haus eher zutrauen. Trumps Botschaft ("Jobs, Jobs, Jobs") könnte dann stärker verfangen.

"Europa wird jetzt zusammenstehen"

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Trump dürfte aber selbst dann damit leben können, wenn die US-Wirtschaft mittelfristig nur marginal oder überhaupt nicht berührt würde. Er könnte Hillary Clinton dann ein wichtiges Argument aus der Hand nehmen und den Brexit als gutes Beispiel dafür nehmen, dass die Angst vor den Folgen politischer Erdbeben im Westen womöglich unbegründet ist. Wenn selbst die Aufspaltung Europas Amerika und die Welt nicht an den ökonomischen Abgrund bringt - so könnte er es im Falle einer glimpflichen Entwicklung deuten -, dann wird das eine Trump-Präsidentschaft auch nicht schaffen.

Das alles heißt noch nicht, dass Trump tatsächlich vom Brexit profitieren wird. Denn gerät Amerika in ökonomische Schwierigkeiten, könnte freilich auch Clinton versuchen, das für sich auszunutzen und zu argumentieren, dass in unruhigen Zeiten Erfahrung und Berechenbarkeit zählen. Zudem lässt sich die Situation in Großbritannien nur begrenzt auf die Lage in den USA übertragen.

Zwei Unterschiede sind entscheidend:

  • Erstens handelt es sich beim Votum am 8. November nicht um ein einmaliges direktdemokratisches Experiment in einer wichtigen Frage, sondern um eine turnusmäßige Präsidentschaftswahl darüber, wer das Land künftig mit welchen Themen in welche Richtung führen soll. Weil sich in der Brexit-Abstimmung vieles vermischt hat, verliefen auch die Loyalitäten nicht entlang traditioneller Parteilinien. Das dürfte in den USA ein Stück weit anders sein, auch wenn sich in diesem Jahr zeigt, dass es mit der Parteiloyalität in den USA so eine Sache ist
  • Zweitens dürften das Wahlsystem und demografische Fragen eine andere Rolle spielen als in Großbritannien. Anders als beim Brexit kommt es bei der US-Wahl weniger darauf an, die Mehrheit der absoluten Stimmen zu erreichen, als die der Wahlmänner, die über Siege in den Bundesstaaten und das "electoral college" verteilt werden. Das macht das Wahlsystem strategischer. Es reicht nicht, seine Leute ganz grundsätzlich zu mobilisieren, man muss das auch noch in den entscheidenden Ecken des Landes machen.

Hinzu kommt, dass die Wählerschaft sich stark unterscheidet. Während bei der Brexit-Abstimmung Umfragen zufolge rund 90 Prozent der Wähler weiß waren, ist die US-Wählerschaft deutlich diverser. Und während in Großbritannien die Brexit-Entscheidung insbesondere von der älteren Generation herbeigeführt wurde, ist in den USA immer fraglicher, wie viel Macht ältere - und weiße - Wähler eigentlich noch haben.

Dennoch sollte der Ausgang in Großbritannien für Clinton eine Warnung sein. Politisch zeigt der Brexit, wie viel Kraft der Kampf gegen den Status quo entfalten kann. Und Trump scheint entschlossen, das Votum für seine Zwecke zu nutzen.

"Wir werden", sagt er in Richtung seiner Fans, "unser Amerika zurückerobern."

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