Auftakt in Brüssel EU und London einigen sich auf Brexit-Fahrplan

Warme Worte und Geschenke - doch in der Sache keine Annäherung: Am ersten Tag der Brexit-Verhandlungen blieben die wichtigen Inhalte außen vor. Die wollen die Parteien ab Juli angehen.
Michel Barnier (rechts) und David Davis

Michel Barnier (rechts) und David Davis

Foto: JOHN THYS/ AFP

Die Europäische Union und die britische Regierung haben sich auf Schwerpunkte und einen Fahrplan für die Brexit-Gespräche geeinigt. Zunächst sollten die Rechte der durch den EU-Austritt betroffenen Bürger, die Finanzforderungen an Großbritannien sowie andere "Trennungsfragen" verhandelt werden, sagte der EU-Verhandlungsführer Michel Barnier nach der ersten Gesprächsrunde in Brüssel.

Die nächste Gesprächsrunde soll am 17. Juli beginnen. Weitere Runden sind für die Wochen ab dem 28. August, dem 18. September und dem 9. Oktober vorgesehen.

Im Vorfeld der Austrittsverhandlungen mit Großbritannien hatte EU-Unterhändler Michel Barnier eine Parallele zwischen den bevorstehenden Gesprächen und seiner Leidenschaft, dem Wandern, gezogen: "Da lernt man, einen Fuß vor den anderen zu setzen, auf Gelände und Steinschlag zu achten, nicht außer Atem zu geraten und stets den Gipfel im Auge zu behalten." Zum Auftakt der Brexit-Gespräche erinnerten sich beide Seiten offenbar daran. Barnier schenkte seinem britischen Verhandlungspartner David Davis einen Wanderstock. Davis brachte seinerseits Barnier ein Wanderbuch als Gastgeschenk.

Über freundschaftliche Gesten und Symbolik kamen die Verhandlungsführer aber nicht hinaus: Der erste Tag der Brexit-Gespräche zwischen Großbritannien und der EU verlief ohne inhaltliche Fortschritte. Die erste Runde sollte vor allem Vertrauen zwischen Barnier und Brexit-Minister Davis aufbauen, hieß es.

Noch kein Angebot an EU-Bürger in Großbritannien

"Obwohl zweifellos in den Verhandlungen Herausforderungen vor uns liegen, werden wir alles uns Mögliche tun, eine Vereinbarung zu treffen, die im besten Interesse aller Bürger ist", sagte Davis. Man sei "fest entschlossen, eine starke und besondere Partnerschaft zwischen uns und unseren europäischen Verbündeten und Freunden aufzubauen".

EU-Unterhändler Barnier wiederholte seine Prioritäten: "Zuerst müssen wir die Unsicherheiten angehen, die der Brexit verursacht." Er hoffe, dass man sich in der ersten Runde auf die wichtigsten Themen und den Zeitplan einigen könne, sagte er vorab.

Ein im Vorfeld angekündigtes Angebot der britischen Regierung an EU-Bürger in Großbritannien liegt noch nicht vor. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Diplomaten.

Ziel der Brexit-Befürworter war, dass Großbritannien seine Politik selbst unabhängiger bestimmen und die Zuwanderung von EU-Bürgern begrenzen kann. Premierministerin Theresa May will ihr Land deshalb auch aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion herausführen. Die EU-Seite hält dies für wirtschaftlich riskant.

Mays Regierung geht geschwächt in die Verhandlungen. Sie verlor bei einer vorgezogenen Wahl am 8. Juni ihre konservative Mehrheit im Parlament und ringt noch um die Unterstützung der nordirischen Partei DUP, um überhaupt weiter regieren zu können.

asa/dpa/AFP/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.