Britischer Ex-Premier zum Brexit John Major warnt May vor "billiger Rhetorik"

Erst warnte Tony Blair, nun schlägt John Major Alarm: Der britische Ex-Premier sieht die Regierung von Theresa May in der Brexit-Debatte auf dem falschen Weg.
John Major

John Major

Foto: Justin Tallis/AFP

Im März will die britische Premierministerin Theresa May den EU-Ausstieg des Landes formell in Brüssel beantragen. Dann beginnen die Verhandlungen zwischen London und den EU-Partnern über den Status Großbritanniens nach dem Brexit. Je näher das Datum rückt, desto besorgter melden sich die EU-Befürworter auf der Insel zu Wort.

Der ehemalige Premierminister John Major mahnte die konservative Regierung am Montag in einer Rede in London zu "mehr Charme" im Umgang mit den anderen Europäern. Man brauche "deutlich weniger billige Rhetorik", wenn man in den Brexit-Verhandlungen einen guten Deal erzielen wolle.

Der 73-jährige Konservative, der das Land von 1990 bis 1997 führte, warnte eindringlich vor den Risiken des Brexits, den er persönlich für einen "historischen Fehler" hält. Die Abhängigkeit von den USA werde steigen, die Stimme Großbritanniens an Gewicht verlieren.

Es sei zudem sehr wahrscheinlich, dass Großbritannien in den zweijährigen Brexit-Verhandlungen enttäuscht werde. "Es besteht eine echte Gefahr, dass das Vereinigte Königreich nach dem Ausstieg nicht den Freihandels-Vertrag mit der EU abschließen wird, den es sich erhofft", sagte Major in der Rede beim Think Tank Chatham House.

Der May-Regierung warf er vor, ein "unrealistisches Bild" von der Zukunft nach dem Brexit zu zeichnen. Es sei viel zu optimistisch, Hindernisse würden kleingeredet und Chancen übertrieben. Die Bevölkerung brauche dringend einen "Realitätscheck". Ihr müsse klargemacht werden, welche komplexen Vorgänge in was für einem Zeitraum umgesetzt werden sollen.

Major ist der zweite Ex-Premier, der das Vorgehen seiner Nachfolgerin May öffentlich kritisiert. Vor knapp zwei Wochen hatte bereits der frühere Labour-Premier Tony Blair die Regierung scharf attackiert und eine Kampagne gegen den EU-Ausstieg gestartet.

May ließ ihren Vorgängern ausrichten, dass die Regierung einen klaren Plan habe, um den bestmöglichen Vertrag für Großbritannien auszuhandeln.

bam
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.