Nach Putschgerücht Britischer Finanzminister Hammond hält zu May

In London revoltiert offenbar das Kabinett gegen Theresa May, die um ihren Brexit-Deal kämpft. Finanzminister Hammond hält halbherzig zur Regierungschefin, ein möglicher Putschist lobt sie überschwänglich.
Premierministerin Theresa May, Finanzminister Philip Hammond

Premierministerin Theresa May, Finanzminister Philip Hammond

Foto: Andrew Yates/ REUTERS

Der britische Finanzminister Philip Hammond hat sich für den Verbleib von Theresa May als Regierungschefin ausgesprochen - ohne sich dabei grundsätzlich hinter sie zu stellen. "Hier geht es nicht um die Premierministerin, hier geht es um unser Land", sagte er dem Sender Sky. Ein Austausch der Premierministerin würde nicht helfen, sondern sei derzeit reine Selbstbeschäftigung.

Wenige Tage vor dem eigentlich geplanten Brexit-Termin - dem 29. März - spekulieren britische Medien darüber, dass das Kabinett Mays Rücktritt erzwingen will. Auch erste Namen für eine Ablöse werden genannt. May steht vor einer dritten Abstimmungsniederlage im Parlament, das erneut über das von ihr ausgehandelte Austrittsabkommen entscheiden soll. May selbst hatte am einem Freitag in einem Brief allerdings angezweifelt, dass es überhaupt zu einem erneuten Votum komme.

Möglicher Nachfolger: "May macht einen fantastischen Job"

Zwei Mal, Mitte Januar und Mitte März, war May mit ihrem Austrittsabkommen bereits gescheitert. Die EU stimmte einer Verschiebung des EU-Austritts zwar zu, doch in London scheint die Geduld mit der Premierministerin weitgehend am Ende zu sein (Lesen Sie hier, was der neue Brexit-Fahrplan bedeutet).

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Massendemo in London: Sie wollen bleiben!

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Hammond rechnet nicht mit einem Putsch gegen May. "Nein, ich glaube gar nicht, dass dem so ist", antwortete er dem Sender Sky am Sonntag auf die Frage nach Berichten über einen möglicherweise bevorstehenden Aufstand hochrangiger Minister und danach, ob May vor dem Aus stehe. "Ich bin realistisch insofern, dass wir möglicherweise keine Mehrheit für den [Brexit-]Deal der Premierministerin hinbekommen werden. Wenn dies geschieht, wird das Parlament sich entscheiden müssen, wofür es ist - nicht nur, was es ablehnt."

Brexit Fahrplan 22.3. Grafik

Brexit Fahrplan 22.3. Grafik

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Elf Minister ihres Kabinetts wollten der Premierministerin den Rücken kehren, hatte die "Sunday Times" berichtet. May solle durch einen Übergangspremier ersetzt werden, der den EU-Austritt vollziehen solle. Im Gespräch seien unter anderem ihr faktischer Vize, David Lidington, Umweltminister Michael Gove und Außenminister Jeremy Hunt.

Lidington sagte, er hege nicht den Wunsch, das Amt von May zu übernehmen. "Sie macht einen fantastischen Job." Auch Gove sprach sich am Sonntag gegen einen Wechsel im Amt des Premierministers aus. Mays Büro wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

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Sollte das Parlament im dritten Anlauf dem Abkommen zustimmen, tritt Großbritannien am 22. Mai in geordneter Weise aus der EU aus. Gibt es aber ein drittes Nein, muss London bis zum 12. April erklären, wie es weitergehen soll - und die anderen EU-Länder müssten dem Plan zustimmen. Denkbar wäre eine Verschiebung um mehrere Monate, verknüpft zum Beispiel mit einer Neuwahl in Großbritannien. In London demonstrierten am Samstag mehr als eine Million Menschen gegen den Brexit.

nis/mst/Reuters/dpa
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