Bei Chaos-Brexit Briten drohen Lebensmittel- und Benzin-Engpässe

Kollaps der Häfen, harte Grenze zu Irland, steigende Sozialkosten: Die britische Regierung erwartet laut einem Medienbericht chaotische Zustände, wenn es zu einem No-Deal-Brexit kommt. Dabei steuert Premier Johnson genau darauf zu.
Anti-Brexit-Protest in Nordirland: Bei einem No-Deal-Brexit droht eine harte Grenze zur Republik Irland

Anti-Brexit-Protest in Nordirland: Bei einem No-Deal-Brexit droht eine harte Grenze zur Republik Irland

Foto: Charles McQuillan/ Getty Images

Sollte Großbritannien ohne Abkommen aus der Europäischen Union austreten, rechnet die britische Regierung einem Bericht zufolge mit einem Mangel an Lebensmitteln, Medikamenten und Benzin. Das berichtet die "Sunday Times", die Zeitung beruft sich auf geleakte Regierungsdokumente.

Darüber hinaus werde von einem mehrmonatigen Zusammenbruch in den Häfen, einer harten Grenze zu Irland und steigenden Sozialkosten ausgegangen. Konkret müssten Lastkraftwagen wegen der Zollkontrollen mit Verzögerungen von bis zu zweieinhalb Tagen rechnen. An den Häfen dürften die Störungen bis zu drei Monate dauern, bis sich der Zustand etwas verbessere. Außerdem könnte es zu landesweiten Protesten kommen.

Das Dossier, das sich mit den wahrscheinlichsten Auswirkungen eines No-Deal-Brexits beschäftige, wurde den Angaben zufolge vom Cabinet Office zusammengestellt. Das Büro soll den Premierminister und die Minister in ihrer Arbeit unterstützen.

Johnson trifft Merkel und Macron

Tatsächlich wird es immer wahrscheinlicher, dass Großbritannien ohne Abkommen aus der EU ausscheidet. Premier Boris Johnson will das Land zum Ablauf der Brexit-Frist Ende Oktober aus der Staatengemeinschaft führen, "komme, was wolle".

Sollte sich Brüssel nicht auf Nachverhandlungen zum mit seiner Vorgängerin Theresa May ausgehandelten Brexit-Vertrag einlassen, will Johnson notfalls ohne Deal ausscheiden. Änderungen lehnt die EU aber strikt ab.

Damit wächst die Gefahr eines No-Deal-Brexits. Für diesen Fall werden schwerwiegende Nachteile für die Wirtschaft auf beiden Seiten des Ärmelkanals befürchtet. In Großbritannien könnte es neben den Häfen auch Banken und Krankenhäuser besonders hart treffen. Nach Ansicht der britischen Notenbank dürfte ein ungeregelter EU-Ausstieg die Wirtschaft in die Rezession stürzen.

Johnson wird am Mittwoch in Berlin mit Kanzlerin Angela Merkel und am Donnerstag mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron zusammentreffen. Es wird erwartet, dass er einen neuen Brexit-Deal fordert - die europäischen Partner darauf aber nicht eingehen.

wal/dpa/Reuters
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