Bei Chaos-Brexit Briten drohen Lebensmittel- und Benzin-Engpässe

Kollaps der Häfen, harte Grenze zu Irland, steigende Sozialkosten: Die britische Regierung erwartet laut einem Medienbericht chaotische Zustände, wenn es zu einem No-Deal-Brexit kommt. Dabei steuert Premier Johnson genau darauf zu.

Anti-Brexit-Protest in Nordirland: Bei einem No-Deal-Brexit droht eine harte Grenze zur Republik Irland
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Anti-Brexit-Protest in Nordirland: Bei einem No-Deal-Brexit droht eine harte Grenze zur Republik Irland


Sollte Großbritannien ohne Abkommen aus der Europäischen Union austreten, rechnet die britische Regierung einem Bericht zufolge mit einem Mangel an Lebensmitteln, Medikamenten und Benzin. Das berichtet die "Sunday Times", die Zeitung beruft sich auf geleakte Regierungsdokumente.

Darüber hinaus werde von einem mehrmonatigen Zusammenbruch in den Häfen, einer harten Grenze zu Irland und steigenden Sozialkosten ausgegangen. Konkret müssten Lastkraftwagen wegen der Zollkontrollen mit Verzögerungen von bis zu zweieinhalb Tagen rechnen. An den Häfen dürften die Störungen bis zu drei Monate dauern, bis sich der Zustand etwas verbessere. Außerdem könnte es zu landesweiten Protesten kommen.

Das Dossier, das sich mit den wahrscheinlichsten Auswirkungen eines No-Deal-Brexits beschäftige, wurde den Angaben zufolge vom Cabinet Office zusammengestellt. Das Büro soll den Premierminister und die Minister in ihrer Arbeit unterstützen.

Johnson trifft Merkel und Macron

Tatsächlich wird es immer wahrscheinlicher, dass Großbritannien ohne Abkommen aus der EU ausscheidet. Premier Boris Johnson will das Land zum Ablauf der Brexit-Frist Ende Oktober aus der Staatengemeinschaft führen, "komme, was wolle".

Sollte sich Brüssel nicht auf Nachverhandlungen zum mit seiner Vorgängerin Theresa May ausgehandelten Brexit-Vertrag einlassen, will Johnson notfalls ohne Deal ausscheiden. Änderungen lehnt die EU aber strikt ab.

Damit wächst die Gefahr eines No-Deal-Brexits. Für diesen Fall werden schwerwiegende Nachteile für die Wirtschaft auf beiden Seiten des Ärmelkanals befürchtet. In Großbritannien könnte es neben den Häfen auch Banken und Krankenhäuser besonders hart treffen. Nach Ansicht der britischen Notenbank dürfte ein ungeregelter EU-Ausstieg die Wirtschaft in die Rezession stürzen.

Johnson wird am Mittwoch in Berlin mit Kanzlerin Angela Merkel und am Donnerstag mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron zusammentreffen. Es wird erwartet, dass er einen neuen Brexit-Deal fordert - die europäischen Partner darauf aber nicht eingehen.

wal/dpa/Reuters



insgesamt 317 Beiträge
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traumglauben 18.08.2019
1.
Es kann keine Nachverhandlungen geben. Die Briten müssen endlich aufwachen und sich den von ihnen eingeleiteten Tatsachen stellen. Vorbei die Zeiten des Rosinenpickens und der Forderungen.
the lucky one 18.08.2019
2. Brexit 2.0
Hatten wir diese Meldung nicht bereits im Frühjahr unter dem Brexit 1.0 von May? SPON sollte die Meldung gut aufbewahren - die kann man bestimmt noch öfters verwenden! Persönlich glaube ich auch nicht an den Brexit 2.0. Vielleicht eher 2000.0!? Oder wahlweise, bis die EU von den ganzen Verhandlungskosten und Kollateralschäden pleite ist.
mark e. ting 18.08.2019
3. alter Hut
das hört sich so an als ob das UK da jetzt erst drauf kommt, dabei ist das doch nichts neues. vor solchen Engpässen und Problemen ist doch schon vor den vorigen Austrittsterminen gewarnt worden. das ist aber das Problem des UK. lasst sie endlich gehen, dann sehen sie was sie davon haben. in 10 Jahren können sie dann wieder einen neuen Aufnahmeantrag stellen - dann aber ohne die ganzen Sonderprivilegien, die sie heute haben. das ist dann auch futsch. auf geht's, jetzt bitte erst mal raus mit euch und keine Rückzieher oder Aufschübe mehr.
soerensen 18.08.2019
4. Ich erwarte schnellstmöglich unser rumpelstilzchen
wie er erklärt,unter Ignorieren jeglicher Realität, wie diese Meldung eine von der EU gemachte Panikmache ist und in Wirklichkeit alles supidupi wird. Leg los...
jjcamera 18.08.2019
5. Referendum
Die Folgen des Brexit (chaotische Zustände, Engpässe bei Medikamenten und Lebensmitteln) wurden 2016 ausführlich publiziert. Auch oder vor allem in England. Die Briten haben sich nicht in ein Abenteuer mit unbekanntem Ausgang gestürzt, sondern die Nachteile eines Brexit bewusst und wissend in Kauf genommen, um ihren eigenen Weg zu gehen. Leider ist die Hoffnung der EU, dass eine Mehrheit in Großbritannien zur Besinnung kommt, nicht aufgegangen. Wirkliche Kenner dieses Landes haben das aber schon immer prognostiziert. Höchste Zeit, dass wir, vor allem Deutschland und Frankreich, uns vor den Folgen des Brexit retten, nicht die Briten.
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