EU-Austritt Großbritannien erwägt nach Brexit neues Wirtschaftsmodell

Großbritanniens Premierministerin Theresa May will am kommenden Dienstag offenbar den harten Brexit verkünden. Damit wären die meisten Verbindungen zur EU gekappt. Ihr Finanzminister sinniert bereits über Alternativen.

City of London
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Die britische Premierministerin Theresa May strebt übereinstimmenden Zeitungsberichten zufolge einen harten Schnitt mit der EU an. Die Brexit-Pläne der Regierungschefin sähen einen Ausstieg Großbritanniens aus dem EU-Binnenmarkt, aus der Zollunion und ein Verlassen des EU-Gerichts vor, berichteten mehrere britische Zeitungen am Sonntag. May will ihre Vorstellungen am Dienstag in einer Rede darlegen.

Der "Sunday Telegraph" zitierte einen Regierungsvertreter mit den Worten: "Sie will es voll durchziehen. Die Leute werden wissen: Als sie sagte, 'Brexit heißt Brexit', meinte sie genau dieses." Die "Sunday Times" schrieb, May werde einen "sauberen und harten Brexit" ankündigen. May werde zu erkennen geben, dass sie "bereit ist, Großbritannien aus dem europäischen Binnenmarkt und der Zollunion zu führen", schreibt der "Telegraph" in seiner Sonntagsausgabe.

Mays Pläne liefen auf einen sogenannten harten Brexit hinaus - im Kern stünde also ein klarer Bruch mit dem gemeinsamen Markt. Dies würde es Großbritannien erlauben, auch die EU-Personenfreizügigkeit zu beenden und seine Einwanderungspolitik wieder vollständig allein zu kontrollieren. Für viele Brexit-Befürworter war dies ein wichtiges Anliegen bei dem Referendum im Juni.

"Softer Brexit" offenbar vom Tisch

Die Alternative, die in den vergangenen Monaten ebenfalls diskutiert wurde, wäre ein "softer Brexit", der Großbritannien einen weiteren Zugang zu Binnenmarkt im Austausch für Zugeständnisse etwa bei der Freizügigkeit eingeräumt hätte.

Sollte Großbritannien nach einem "harten Brexit" der Zugang zum europäischen Markt fehlen, wird das Land nach den Worten von Finanzminister Philip Hammond sein Wirtschaftsmodell überdenken. Man wolle mit Europa verbunden sein, aber "wenn man uns zwingt, etwas anderes zu sein, dann werden wir etwas anderes werden müssen", sagte Hammond der "Welt am Sonntag".

Auslöser könnten die ökonomischen Umstände sein. "Wenn wir keinen Zugang haben zum europäischen Markt, wenn wir ausgesperrt werden, wenn Großbritannien die Europäische Union verließe ohne eine Übereinkunft über einen Marktzugang, dann könnten wir zumindest kurzfristig wirtschaftlichen Schaden erleiden. In diesem Fall könnten wir gezwungen sein, unser Wirtschaftsmodell zu ändern."

Wird Großbritannien zum Steuerparadies?

Die Regierung in London hat bereits niedrigere Steuersätze für Unternehmen angekündigt. Hammond ergänzte, im Frühjahr werde die Absicht offiziell mitgeteilt, aus der EU auszutreten. "Wir erwarten, dass wir mit substanziellen Verhandlungen mit der EU vor dem Sommer beginnen könnten." Ungewissheit schade der Wirtschaft in ganz Europa. "Wir würden gern so viel Klarheit wie möglich so früh wie möglich schaffen. Und wir hoffen, dass wir uns schnell einig werden, wie ein zukünftiges Arrangement aussehen könnte, und dass wir 2019 nahtlos dazu übergehen können."

Das Brexit-Votum von Ende Juni habe auch die klare Botschaft gesendet, dass das Land Kontrolle über die Zuwanderung haben müsse. "Im Moment haben wir gar keine Kontrolle, so wenig wie Deutschland sie hat. Das muss aufhören." Weil auf der Insel Vollbeschäftigung herrsche, brauche die Wirtschaft Zuwanderer. "Daher werden wir uns rational und ökonomisch vernünftig verhalten."

Ende März will May in Brüssel offiziell das Austrittsgesuch Großbritanniens einreichen, es bleiben dann zwei Jahre für die Austrittsverhandlungen. Bislang hatte May offengelassen, welche genauen Ziele sie in den Verhandlungen anstrebt.

jat/dpa/AFP/Reuters



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wasistlosnix 15.01.2017
1. Chance
Dann können sie ja der EU zeigen wie man es besser macht. Auf jeden Fall müssen sie sich freien Wahlen stellen nicht wie die Bürokraten in Brüssel die von wessen Gnaden auch immer ihren Posten haben. Und BTW was hilft ein Steuerparadies wenn man dafür dann wieder Zölle zahlen muss, sowenig wie in Mexiko billige Arbeitskräfte.
mr.andersson 15.01.2017
2.
Wieso wird in den Medien immer von "Austrittsverhandlungen", "soften Brexit" und ähnliche, Fabuliert? Nichts davon existiert. Es wird der Austritt erklärt und dann folgt dessen Abwicklung. Da wird nichts verhandelt, da wird nichts entschieden (außerdem Moment, wann man den Austeitt erklärt) und es gibt keinen soften Austritt. Wer in der EU ist, bekommt alle Rechten und Pflichten, wer außerhalb ist und trotzdem die Rechte will übernimmt die Pflichten und wer die Pflichten nicht will ist draußen. Wer behauptet sein Wirtschaftsmodell ändern zu müssen, weil die EU für ihn keine Aussnahme macht gibt endlich mal zu, wie abhängig er von der EU war.
da_pheles 15.01.2017
3. Man kann sich nur wundern...
über diese Briten. Ich kann nicht erkennen, welche Vorteile es geben soll, wenn man sich aus dem größten Wirtschaftsraum in unmittelbarer Entfernung isoliert. Eine Steueroase wird es kaum werden, denn kein Unternehmen ohne Zugang zur EU hat da irgendwelche Vorteile. Es kann sich also nur um Drohgebärden handeln, um die EU-Verhandlungen zu beeinflussen - sehr schwache allerdings. Warum sollte sich die EU auf irgend etwas einlassen? Großbritannien wird hier voll gegen die Wand fahren. Daran könnte sogar der Commonwealth zerbröseln.
jojack 15.01.2017
4. Konsequent
Man möge bedenken: damals wie heute ist die Mehrheit der Briten für den Brexit. Also nichts von wegen "Bregret". Ein harter Brexit ist da nur konsequent. Es wäre Betrug am Wähler, würde man nur formell aus der EU austreten, aber alle Verpflichtungen per Vetrag beibehalten. Ein Niedrigsteuer-Modell passt im Übrigen sehr gut zum angelsächsischen Wirtschaftsversndnis und dazu, dass London ein wichtiges Zentrum der Finanzindustrie ist. Und wer weiß, vielleicht kann sich London mit Trump auf ein Freihandelsabkommen einigen, während es mit TTIP wohl nichts mehr wird. Spätestens dann werden sich auch andere wirtschaftsstarke europäische Staaten fragen, wie profitabel die EU-Mitgliedschaft eigentlich ist. Warten wir es ab!
jujo 15.01.2017
5. ...
Das läuft für mich auf eine sehr enge wirtschaftliche Partnerschaft Englands mit den USA hinaus. Wer weiß was da schon hinter den Kulissen verabredet wurde. Der BREXIT ist ganz in Trumps Sinne.
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