Zweites Brexit-Referendum Labour will für EU-Verbleib werben

Das Brexit-Votum müsse man akzeptieren - das war lange die Devise der britischen Labour-Partei. Doch mittlerweile fordert Oppositionsführer Jeremy Corbyn ein neues Referendum und will für den EU-Verbleib kämpfen.

Kurswechsel: Labour-Chef Jeremy Corbyn
Peter Nicholls/REUTERS

Kurswechsel: Labour-Chef Jeremy Corbyn


Ein erneuter Volksentscheid der Briten über den Austritt aus der EU? Dagegen hatte sich Labour-Chef Jeremy Corbyn lange gewehrt. Stattdessen habe man das Ergebnis des ersten Referendums achten wollen, lautete einst die offizielle Parteilinie. Doch dann ließ sich Corbyn von den Proeuropäern in den eigenen Reihen überreden - und unterstützt mittlerweile eine zweite Abstimmung. Jetzt geht der Oppositionsführer sogar noch einen Schritt weiter.

Auf Twitter verkündete Corbyn, Labour werde sich im Falle einer erneuten Abstimmung dafür einsetzen, dass Großbritannien doch in der EU bleibt. Die Ansage bedeutet einen Kurswechsel. Gerade Corbyn selbst gehört zu den Europakritikern im linken Lager. Allerdings ist noch offen, was dies nun in der Praxis bedeutet. Denn die verbleibenden Kandidaten im Rennen um die Nachfolge von Premierministerin Theresa May, Boris Johnson und Jeremy Hunt, wollen am EU-Austritt festhalten. Ein erneutes Referendum ist bislang zumindest nicht geplant.

Corbyn fordert in seinem Tweet nun jedoch genau das. "Wer immer der nächste Premierminister wird, sollte so viel Vertrauen in seinen Deal oder No-Deal haben, dass er das Volk darüber abstimmen lässt", schreibt er.

In der Vergangenheit wurde der Labour-Partei sowohl von Befürwortern als auch von Gegnern immer wieder vorgeworfen, bei dem Thema Brexit keine klare Haltung zu haben. Zwar lehnen viele Aktivisten in der Partei und ein Großteil der Parlamentsfraktion den Brexit ab. Zugleich fürchten vor allem Abgeordnete aus den klassischen Arbeiterhochburgen mit vielen EU-Kritikern um ihre Wahlerfolge. Jüngste Wahlergebnisse deuten jedoch daraufhin, dass zuletzt frühere Labour-Unterstützer vor allem zu Parteien abgewandert sind, die sich für den EU-Verbleib einsetzen.

Bis Ende Juli müssen die 160.000 Tory-Mitglieder per Briefwahl zwischen Johnson und Hunt entscheiden. Als Favorit gilt der frühere Außenminister Johnson. Die Frist für den EU-Austritt läuft am 31. Oktober ab.

asc/Reuters

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