Wahlen in Großbritannien Corbyn schließt für Labour Koalitionen aus - und zwar alle

In wenigen Wochen wählen die Briten ein neues Parlament - und Oppositionschef Jeremy Corbyn hofft trotz schlechter Umfragewerte auf einen Sieg. Eine Regierung mit anderen Partnern will er aber nicht.

Labour-Chef Jeremy Corbyn: Was will er - und mit wem?
Anthony Devlin/Getty Images

Labour-Chef Jeremy Corbyn: Was will er - und mit wem?


Wenige Wochen vor den Parlamentswahlen in Großbritannien hat Oppositionsführer Jeremy Corbyn eine mögliche Beteiligung seiner Partei an einer Koalitionsregierung ausgeschlossen. "Wir werden keine Deals mit irgendjemandem machen", sagte der Oppositionsführer der BBC: "Wir werden keine Koalitionsregierung eingehen."

Andere Parteien wie die Schottische Nationalpartei (SNP) müssten sich dann entscheiden, ob sie Corbyns sozialdemokratische Labour-Partei oder den konservativen Premierminister Boris Johnson unterstützen wollten. Dabei könnte ein Plan der SNP-Vorsitzenden Nicola Sturgeon eine Rolle spielen: Sie will noch vor Weihnachten die Befugnis für ein erneutes Unabhängigkeitsreferendum in Schottland einholen.

Vier am Samstag veröffentlichten Meinungsumfragen zufolge liegt Labour 10 bis 17 Prozentpunkte hinter den Konservativen. Forscher sprechen jedoch von der unberechenbarsten Wahl seit Jahrzehnten in Großbritannien - und das, nachdem fast die Hälfte der Wähler bereits bei den drei Wahlen zwischen 2010 und 2017 zwischen den Parteien wechselte.

Wegen des britischen Wahlrechts ist es wahrscheinlich, dass entweder Johnsons Konservative oder Labour nach der Abstimmung den Premierminister stellen. Die Sozialdemokraten wollen unter anderem Steuern für Wohlhabende und Unternehmen erhöhen sowie größere Firmen verpflichten, zehn Prozent ihrer Anteile in einem Fonds zu parken, aus dem den Beschäftigten Dividenden gezahlt werden.

Die Briten sollen am 12. Dezember wählen und damit auch über den Brexit-Kurs von Premier Johnson abstimmen. Dieser hatte zuletzt versprochen, den EU-Austritt seines Landes bis Ende Januar abzuwickeln. Eigentlich hatte er dies schon bis Ende Oktober zugesagt, dafür im Parlament aber keine Mehrheit bekommen. Johnson stellte am Sonntag eine schärfere Einwanderungspolitik ab 2021 in Aussicht, sollte er die Wahl gewinnen (mehr über den Wahlkampf und Johnsons Strategie erfahren Sie hier).

Im Streit über den Brexit haben mittlerweile Dutzende Abgeordnete angekündigt, bei der kommenden Abstimmung nicht mehr antreten zu wollen. Darunter sind 36 Tories und 18 Labour-Politiker. Insgesamt wollen etwa 60 Abgeordnete nicht mehr weitermachen, etwa jeder elfte Parlamentarier im Unterhaus.

mxw/Reuters

insgesamt 23 Beiträge
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Normalbürger18 17.11.2019
1. Warnsignal an die SPD
Die Sozialdemokraten, ob national oder international, haben ein Talent darin, ihre Spitzenpositionen mit den falschen Leuten zu besetzen, wie jetzt auch mit Corbyn in Großbritanien. Es sollte der SPD ein Warnsignal sein, denn es sieht so aus, dass sie einen farblosen Olaf Scholz, mit dem Charisma einer Büroklammer, zu ihrem Vorsitzenden kürt.
architekt09 17.11.2019
2. Schade
Corbyn ist leider ein Glücksfall für die Tories. Absolut töricht, was dieser Mann macht. Wir leben nun mal in einer Zeit sich immer weiter aufspaltenden Interessen. Er müsste nur klar aussprechen, was sich viele wünschen, nämlich Teil Europas zu bleiben. Stattdessen bleibt er stur und will nicht einmal koalieren. Stupid!
Europa! 17.11.2019
3. Hopeless
Das britische Mehrheitswahlrecht hat mit den Torys und mit der Labour Partei zwei politische Dinosaurier hervorgebracht, die jede vernünftige Willensbildung der Wähler verhindern. Auch Mr. Corbyn mit seiner weltfremden Starrköpfigkeit hat seinem Land nichts zu bieten, und man kann nur hoffen, dass er bald denselben Weg geht alle Sozialdemokraten.
volker.friederich 17.11.2019
4. Labour: der oberste Versager wird seine verdiente Klatsche bekommen
Das was sich heute in Großbritannien abspielt hätte nicht sein müssen. Im Juli gab es zarte Versuche eine überparteiliche Einheitsregierung gegen Johnson zu bilden. Aber die Labourpartei war nicht in der Lage diese einmalige Chance zu ergreifen. Schauerlich und bitter so vor einer historischen Aufgabe zu versagen. Jetzt ist die innerparteiliche Opposition gegen Johnson offenbar zerschlagen und hat resigniert. Es gibt keine Führung für einen realistischen Brexit incl. second Vote. Labour drückt sich um eine wirkliche Tagespolitik und ergeht in radikalen Phrasen fürs Fenster.
stevie25 17.11.2019
5. Desaster
Corbyn ist in der Tat der Grund dafür, dass Johnson die Wahl haushoch gewinnen wird. Mit einem Kandidaten Keir Starmer hätte Labour eine echte Chance gehabt !
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