Protest gegen Brexit-Politik von Corbyn Sieben Labour-Abgeordnete verlassen Partei

Paukenschlag bei Labour: Sieben Abgeordnete der britischen Sozialdemokraten sind aus Protest gegen Parteichef Jeremy Corbyn ausgetreten. Hintergrund sind dessen Haltung zum Brexit - und Antisemitismus-Vorwürfe.
Labour-Abgeordnete Luciana Berger

Labour-Abgeordnete Luciana Berger

Foto: Leon Neal/ Getty Images

Sieben Abgeordnete der oppositionellen Labour Partei haben ihren Austritt erklärt. Sie begründeten dies am Montag bei einer Pressekonferenz mit der Brexit-Politik von Parteichef Jeremy Corbyn sowie dem Umgang mit antisemitischen Tendenzen.

Besonders hart dürfte Labour der Rücktritt des charismatischen Abgeordneten Chuka Umunna treffen. Er gilt als Jungstar seiner Partei und führt eine Gruppe an, die ein zweites Brexit-Referendum fordert. Die sieben Mitglieder werden künftig als "unabhängige Gruppe" im Parlament vertreten sein, wie die Abgeordnete Luciana Berger in London auf einer Pressekonferenz bekannt gab (lesen Sie hier die Erklärung der Abgeordneten im Original ).

Chris Leslie

Chris Leslie

Foto: DANIEL LEAL-OLIVAS/ AFP

"Die Partei, in die wir eingetreten sind, für die wir geworben haben und an die wir geglaubt haben, ist nicht mehr die Labour Partei von heute", sagte der Abgeordnete Chris Leslie. "Wir haben alles getan, um die Partei zu retten, aber sie wurde von der radikalen Linken gekapert." Der Betrug der Partei an Europa sei für alle sichtbar, so Leslie weiter. So ermögliche die Partei unter Corbyn den Brexit und verpasse es, den Bürgern die Chance eines zweiten Referendums zu geben.

Schon länger wird befürchtet, dass die Partei auseinanderbrechen könnte. Die Meinungen über Parteichef Corbyn, der auf Neuwahlen setzt, gehen weit auseinander. Viele werfen dem Alt-Linken vor, im Streit um den EU-Austritt zu lange keine klare Position bezogen zu haben. Ihm wird fehlender Enthusiasmus für die EU vorgeworfen. Corbyn äußerte sich enttäuscht über die Entscheidung der Abgeordneten.

Kürzlich stellte Corbyn Premierministerin Theresa May die Unterstützung seiner Partei in Aussicht, falls sie beim Brexit eine Zollunion und eine Anbindung an den EU-Binnenmarkt akzeptiere. May lehnte dies strikt ab. Großbritannien will die Europäische Union in knapp sechs Wochen - am 29. März - verlassen.

Zudem werden seit Jahren Antisemitismus-Vorwürfe gegen Corbyn und seine Partei erhoben. Im vergangenen Sommer räumte er öffentlich in einem Video ein, dass Disziplinarverfahren gegen antisemitische Parteimitglieder zu langsam und zaghaft betrieben worden seien. Kritiker werfen dem 69-Jährigen eine einseitige Unterstützung der Palästinenser im Nahostkonflikt vor.

cte/Reuters/dpa