Streit bei Parteitag Labour-Partei vertagt Entscheidung über Brexit-Strategie

Weite Teile der Labour-Basis wünschen sich einen Verbleib Großbritanniens in der EU. Doch die Partei kann sich auch auf dem Parteitag nicht zu einem klaren Kurs durchringen.

Labour-Chef Jeremy Corbyn, Anti-Brexit-Demonstranten in Brighton
ANDY RAIN/EPA-EFE/REX

Labour-Chef Jeremy Corbyn, Anti-Brexit-Demonstranten in Brighton


Die britischen Konservativen sind nicht die einzige Partei mit einer unklaren Brexit-Linie. Die Oppositionspartei Labour tut sich ähnlich schwer - und hat eine Entscheidung über den Kurs, den sie in Sachen Brexit verfolgen will, vertagt.

Parteichef Jeremy Corbyn sagte am Sonntag am Rande der Labour-Jahreskonferenz in Brighton der BBC, er werde eine Sonderkonferenz oder ein Treffen einberufen. Erst dort solle die Haltung der Partei in der Frage festgelegt werden.

Wann die Sonderkonferenz abgehalten werden könnte, ließ der Parteichef offen. Teile von Labour wollen, dass Großbritannien in der EU bleibt, andere bestehen dagegen auf einem Austritt. Corbyn selbst bezog keine Position: "Ich bin stolz auf die Demokratie in der Partei und ich werde selbstverständlich alles mittragen, was die Partei beschließt."

Am Samstag scheiterte in Brighton der Versuch des linken Parteiflügels, den Posten des stellvertretenden Parteivorsitzenden abzuschaffen. Parteivize ist derzeit Tom Watson. Watson fordert im Gegensatz zu Corbyn ein neues Referendum über den Austritt Großbritanniens aus der EU vor Neuwahlen. Corbyn strebte bisher eine Volksbefragung erst nach Wahlen an. Anhänger von Corbyn werfen Watson Illoyalität vor. Kritisiert werden auch Vorwürfe Watsons, Corbyn unternehme zu wenige gegen antisemitische Tendenzen in der Partei.

Corbyn sprach sich gegen den Antrag des linken Parteiflügels zur Abschaffung des Partei-Vizes aus, plädierte aber für eine Überprüfung der Posten des Stellvertreters und anderer Ämter, die den Parteichef unterstützen sollen.

beb/Reuters

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r.macho 22.09.2019
1. Neues Referendum erforderlich
Nachdem die Bevölkerung Großbritanniens eine umfassende Vorstellung von den Folgen eines Brexits erhalten hat, wäre eine Wiederholung des Referendums sehr sinnvoll. Daß die Strategen der Parteien sich nicht klar positionieren hängt damit zusammen, daß sie knapp 50% Brexit-Befürworter vermuten. Die Wirklichkeit liegt mittlerweile eher bei 40% + x. Außerdem würden die jungen Leute vermehrt zur Abstimmung gehen.Durch einen Verbleib in der EU würde die Gefahr einer Abspaltung Schottlands und Nordirlands wesentlich verringert, ganz zu schweigen von den ökonomischen Vorteilen.
kjartan75 22.09.2019
2.
Es ist schon bemerkenswert, wie sich Labour eine nie dagewesene Möglichkeit selbst verbaut, einen großen Sieg einzufahren. Die Tories sind zerstritten wie nie, beim Kernthema versagen sie vollends, ihr PM wird vermutlich vom Supreme Court beschuldigt werden, eine Prorogation unzulässig lang ausgedehnt zu haben, um das Parlament mundtot zu machen und und und... In den by elections verliert Labour eine Wahl nach der anderen und LibDem drohen an ihnen vorbeizuziehen in den nationalen Umfragen. Und das alles weil der Parteichef von Labour meint, in der wichtigsten politischen Frage sich "neutral" verhalten zu wollen und zwar aus rein parteitaktischen Gründen. Dass diese "Neutralität" in den letzten Monaten in keiner Weise funktioniert hat und die Massen reihenweise zu LibDem übergelaufen sind (und teilweise auch zur Brexit Party und Tories), das wurde nur allzu offensichtlich. Man ist sprachlos ob der Borniertheit der Labour-Führung, die genau das macht, was sie Blairisten immer vorgeworfen hat...armselig.
Peer Pfeffer 22.09.2019
3. Verschieben?
Die Positionierung von Labour zum Brexit wird also verschoben. Auf wann? Man scheint in der Zeit bis zum 31.10. kein Player mehr sein zu wollen. Labour gibt sich auf. Glückwunsch, UK.
123rumpel123 22.09.2019
4. Start Ziel Sieg für die Tories
Mit dieser indifferenten Haltung verliert Labour nicht nur Wähler sondern verliert auch Partner im Unterhaus. Corbyn ist immer noch der beste Wahlkampf-Helfer für BoJo.
123rumpel123 22.09.2019
5. xxxx
Zitat von Peer PfefferDie Positionierung von Labour zum Brexit wird also verschoben. Auf wann? Man scheint in der Zeit bis zum 31.10. kein Player mehr sein zu wollen. Labour gibt sich auf. Glückwunsch, UK.
Die Parlamentspause hat sich also als absolut alternativlos erwiesen. Das Unterhaus ist mit dieser Labour-Party orientierungslos. Und es wird auch keiner mit denen spielen wollen.
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