Johnson-Schwester Gove als "Selbstmordattentäter von Westminster" tituliert

Bei den britischen Konservativen tobt der Machtkampf um den Parteivorsitz und Posten des Premiers. Vorne mit dabei Justizminister Gove. Die Schwester seines Ex-Rivalen Johnson rechnet nun mit ihm ab.
Michael Gove (l.), Boris Johnson

Michael Gove (l.), Boris Johnson

Foto: PHIL NOBLE/ REUTERS

Ihr Artikel liest sich wie eine große Abrechnung: Rachel Johnson, die Schwester von Brexit-Befürworter Boris Johnson, teilt in ihrer Kolumne in der "Daily Mail"  kräftig aus. Sie zieht über Justizminister Michael Gove her, bezeichnet ihn als "Selbstmordattentäter von Westminster" und "politischen Psychopathen".

Der Grund: Gove hatte überraschend nach dem Brexit-Votum angekündigt, selbst Premier und Parteichef David Cameron nachfolgen zu wollen. Brexit-Wortführer Boris Johnson entschied sich dann in letzter Sekunde gegen eine Kandidatur.

Dabei hatten beide zusammen die Brexit-Kampagne geführt. Johnson, der bei den Briten beliebt ist, galt als aussichtsreicher Nachfolger von Cameron. Gove sagte aber am Donnerstag, er habe in den vergangenen Tagen beobachtet, dass sein Parteifreund einfach nicht in der Lage sei, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Deshalb habe er sich dazu entschließen müssen, selbst zu kandidieren. Dabei hatte der Tory-Politiker in der Vergangenheit dieses noch verneint. Deshalb war davon ausgegangen worden, dass er Johnson unterstützt. (Lesen Sie hier ein Porträt.)

Seine Ankündigung war deshalb ein Schlag ins Gesicht von Johnson. Dessen Schwester schreibt nun in ihrer Kolumne: "Michael Gove hat Boris Johnson das Messer in die Rück- und Vorderseite gerammt." Und weiter heißt es: "Er stieß ihn (Johnson - Anm. d. Redaktion) unter einen Bus, fuhr mehrmals über ihn rüber und erklärte dann, er müsse nun selbst für die Führung kandidieren."

Jetzt würde Gove sehen, dass er in der Öffentlichkeit nicht mehr als "heroischer Mann" gelte, sondern als eine "Art Selbstmordattentäter von Westminster, dessen tödlicher Sprengstoffgürtel nicht durch seine eigene Hand detonierte, sondern die seiner Frau". Rachel Johnson glaubt wie viele andere in Großbritannien auch, dass hinter Goves Meinungsumschwung dessen Frau Sarah Vine steckt. "Ich fürchte, dass er wie ein politischer Psychopath gehandelt hat", fügte die Journalistin noch hinzu.

Sie hatte die Remain-Kampagne unterstützt - und sich damit in dieser Frage gegen ihren Bruder gestellt. Rachel Johnson glaubt, dass die Rangelei um die Führungsposten bei den Tories auch dazu dienen soll, um davon abzulenken, dass es keine Strategie nach dem Pro-Brexit-Votum bei den Konservativen gibt.

Fünf Tory-Größen bewerben sich nun, sehen Sie hier alle Anwärter auf den Parteivorsitz:

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Cameron-Nachfolge: Diese Tories trauen sich

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Sollte er Premier werden - hatte Gove angekündigt - würde er keine Eile damit haben, die EU-Mitgliedschaft aufzukündigen: "Ich würde dies erst nach ausführlichen Vorgesprächen tun - gehe also nicht davon aus, noch in diesem Kalenderjahr Artikel 50 auszulösen."

Das britische Staatsoberhaupt meldete sich am Samstag erstmals nach dem Brexit-Votum zu Wort. Bei ihrem Besuch im schottischen Edinburgh betonte die Queen am Samstag die Notwendigkeit, "ruhig und gefasst zu bleiben". Dies könne in der zunehmend komplexen und anspruchsvollen Welt hart sein.

Das Wort Brexit erwähnte die 90-jährige Monarchin freilich nicht, die Queen bleibt traditionell politisch neutral. Sie betonte aber, dass es gerade in Zeiten schneller Entwicklungen "genügend Raum für ruhiges Denken und Überlegen" brauche. Dies könne zu tieferen Einsichten über die Herausforderungen und Chancen der Gegenwart führen, sagte die Queen bei der feierlichen Eröffnung des neugewählten schottischen Parlaments.

Damit spielte Königin Elizabeth II. wohl auch auf den Machtkampf bei den Konservativen an. Parteichef und Premier David Cameron hatte seinen Rücktritt bis Oktober angekündigt.

40.000 Teilnehmer protestieren gegen den Brexit in London

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Brexit-Protest: Zehntausende bei March for Europe in London

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