Brexit-Minister Davis Freihandelsabkommen soll EU-Austritt abfedern

In der EU bleiben? Nein. Vorteile des Binnenmarkts genießen? Ja! Der britische Brexit-Minister David Davis wirbt in London für ein Freihandelsabkommen mit der EU. Die Opposition spottet.

Brexit-Minister David Davis
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Brexit-Minister David Davis


Der britische Brexit-Minister David Davis hält einen Verbleib Großbritanniens im Europäischen Binnenmarkt nach einem EU-Austritt für unwahrscheinlich. Man wolle Zugang zum Binnenmarkt, aber nicht Teil davon sein, sagte Davis bei der Vorstellung des Brexit-Fahrplans im Londoner Unterhaus. Er strebe stattdessen ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union an.

Eine Verknüpfung von Handelsabkommen und Arbeitnehmerfreizügigkeit lehnte Davis ab. "Ein Freihandelsabkommen ist kein einseitiges Geschenk, es ist von beiderseitigem Interesse", sagte Davis. Die Kontrolle der Einwanderung sei von größter Bedeutung für die britische Regierung.

Nach der Volksabstimmung Ende Juni gehe es nicht darum, das Beste aus einer schlechten Lage zu machen, sondern die sich bietenden Gelegenheiten zu ergreifen. "Es wird neue Freiheiten, neue Chancen, neue Horizonte für dieses großartige Land geben." Mit Verweis auf die Exporte der deutschen Autoindustrie nach Großbritannien sagte Davis, die EU werde aus eigenem Interesse einem Abkommen mit Großbritannien zustimmen.

Bislang hatten EU-Vertreter gesagt, Zugang zum Binnenmarkt bekomme nur, wer die vier Grundfreiheiten der EU anerkenne. Dazu zählt auch das Recht der EU-Bürger zu leben und zu arbeiten, wo sie wollen.

Brexit-Befürworter verlangen einen schnellen Austritt
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Brexit-Befürworter verlangen einen schnellen Austritt

Die Rede wurde vom Spott einiger Abgeordneter begleitet. Oppositionspolitiker riefen "leeres Geschwafel". Die außenpolitische Sprecherin der oppositionellen Labour-Partei, Emily Thornberry, warf Davis "leere Plattitüden" und der Regierung "Inkompetenz" bei der Planung des Brexit vor.

Der Austritt zwingt die britische Regierung dazu, die Handelsbeziehungen mit der EU neu zu verhandeln. Außerdem muss sie auch mindestens mit einem Teil der 58 Länder Verhandlungen führen, die mit der EU über Freihandelsabkommen verbunden sind. Regierungschefin Theresa May hatte auf dem Weg zum G-20-Gipfel im chinesischen Hangzhou mit Blick auf die heimische Wirtschaft bereits gewarnt: "Vor uns liegen schwere Zeiten."

Brexit-Galionsfigur Nigel Farage sagte in der BBC, die "Brexit-Wähler wollen, dass geliefert wird". Farage war nach dem historischen Brexit-Referendum als Chef der rechtspopulistischen Ukip-Partei zurückgetreten. Der offizielle Austrittsantrag aber könne nicht mehr in diesem Jahr gestellt werden. Großbritannien bleibt bis zum Ende des maximal zweijährigen Verfahrens EU-Mitglied.

apr/dpa/AFP

insgesamt 69 Beiträge
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bärenfreund-tom 05.09.2016
1.
Britische Witzbolde!
MisterD 05.09.2016
2.
Herr Farage wird schon noch beliefert, da braucht er keine Angst haben. Ob ihm das Paket dann gefällt, darf man bezweifeln... Gerade kindlich naiv ist die britische Vorstellung, dass die Insel und ihre 60 Millionen Bewohner mit der 350 Millionen EU auf Augenhöhe verhandeln wird, wenn es um Freihandel geht. Aber das müssen sie im nächsten Jahr selbst merken, bevor sie es glauben... Mal gucken ob Hr Farage dann in 2 Jahren eine Retoure möchte.
Halfstep 05.09.2016
3. Traumtänzer Kingdom
"Eine Verknüpfung von Handelsabkommen und Arbeitnehmerfreizügigkeit lehnte Davis ab." Ja, was denn nun? Sich waschen ohne nass zu werden? ""Ein Freihandelsabkommen ist kein einseitiges Geschenk, es ist von beiderseitigem Interesse", sagte Davis. Die Kontrolle der Einwanderung sei von größter Bedeutung für die britische Regierung." Flotte Sprüche sind meist wenig überzeugend, wenn der Sprecher am kürzeren Hebel sitzt. Das klingt dann eher nach "Pfeifen im Walde". "Brexit-Galionsfigur Nigel Farage sagte in der BBC, die "Brexit-Wähler wollen, dass geliefert wird". " Bei dieser Gelegenheit werden die Brexit Voters erfahren, dass das kein vernünftiger Politiker wollen wird - sie also vor der Abstimmung feist belogen wurden.
minipli 05.09.2016
4. Hmmm...
Alles Spekulationen und ungelegte Eier. Wer weiß schon was ausgekungelt wird? War GB nicht schon immer ein Vorposten der USA? Wieso sind wohl Australier, Briten und Amerikaner sich wohl näher, als dem Rest Europas. Welcher Wirtschafts und Machtraum wird sich wohl bilden? Und wer hat dies alles beschleunigt? Die Briten werden sich weder wundern, noch untergehen. Es ist nur zu erkennen, dass der Zerfall Europas immer mehr zunimmt.
Nur ein Blog 05.09.2016
5.
EU-Markt, nicht EU-Binnenmarkt heisst das bei Drittstaaten. Ausser bei den EWR-Staaten, Liechtenstein, Norwegen und Island.
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