Neuwahlen in Großbritannien Farage schlägt Johnson Brexit-Allianz vor

Einst trieb er das Brexit-Referendum voran, jetzt bietet Nigel Farage dem britischen Premier Boris Johnson vor der Wahl eine Zusammenarbeit an - und verbindet das mit einer Drohung.

Nigel Farage: "Wenn wir scheitern, ist der Brexit vorbei"
Peter Nicholls/REUTERS

Nigel Farage: "Wenn wir scheitern, ist der Brexit vorbei"


"Das ist kein Brexit." Nigel Farage hat das jüngste Austrittsabkommen zwischen Großbritannien und der EU erneut scharf kritisiert - und verband das mit einer Drohung.

Sollte Premierminister Boris Johnson den Deal nicht fallen lassen, dann werde Farage bei der Parlamentswahl im Dezember mit seiner Brexit-Partei in jedem Wahlkreis des Landes Kandidaten aufstellen. Und diese wäre dann bei der Wahl "die einzige Partei, die tatsächlich den Brexit repräsentiert". Das sagte der Vorsitzende der Brexit-Partei vor Reportern in London.

Farage fordert ein Bündnis für den Wahlkampf. Dafür sei er dann auch bereit, Kompromisse einzugehen. Er erwarte aber auch von Johnson ein Entgegenkommen. Mit einer Allianz für den EU-Ausstieg könne man die Wahl gemeinsam gewinnen. Er hoffe und bete, dass diese Allianz funktioniere. "Wenn wir scheitern, ist der Brexit vorbei", sagte Farage.

Sollte Johnson das Angebot ausschlagen, sei seine Partei auch vorbereitet: "Ansonsten kämpfen wir allein." Und weiter: "Wir werden um jeden Sitz in England, Schottland und Wales kämpfen. Zweifeln Sie nicht daran, dass wir bereit sind." Die Partei habe genug Geld für einen vollumfänglichen Wahlkampf.

Bei der Europawahl Ende Mai hatte die Brexit-Partei klar gewonnen. Bei einer kleineren Nachwahl im Osten Englands verpasste sie dann den Einzug ins britische Parlament. Das Unterhaus hatte sich nach einer weiteren zermürbenden Schlacht auf Neuwahlen am 12. Dezember geeinigt.

Johnson hat derzeit keine Mehrheit im Unterhaus und muss um jede Stimme kämpfen. Mit der Neuwahl will er den festgefahrenen Brexit-Streit lösen. Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union wurde auf spätestens Ende Januar verschoben.

Nach einer neuen Umfrage würden die Konservativen auf 41 Prozent bei der Wahl kommen, Labour auf 24, die EU-freundlichen Liberaldemokraten auf 20 und die Brexit-Partei auf sieben Prozent.

aev/Reuters/dpa



insgesamt 86 Beiträge
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guayaquil 01.11.2019
1. Geht mit Gott aber geht
Dieser Farage "hoffe und bete" daß die Allianz funktioniere. Allein mit dem ganzen Brexit-Chaos über 2 Jahre lang machen sich die Briten doch schon genug lächerlich und nun muß auch noch deren Gott her, an den dieser Bursche wohl selber nicht glaubt. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. "To brexit" = Sich verabschieden aber nicht gehen....
Peletua 01.11.2019
2. Knieschüsse
Es ist doch immer wieder verblüffend, wie sich 'das Volk' dazu verleiten lässt, trotz übler Erfahrungen die zu wählen, die seine Interessen nun ganz gewiss nicht vertreten - ob in D oder UK. 41% für die Tories, und das nach einer langen Zeit des unausgesetzten Sozialabbaus! Soviel zur Macht von Medien à la 'Bild' und 'Sun', die dem einfachen Hansel beibringen, im Sinne der Oberschicht zu denken. Auch dass eine Type wie Farage wieder obenauf ist, ist kaum zu fassen. Woher die gut gefüllte Kasse seiner Partei kommt, wüsste ich ja zu gerne.
christianu 01.11.2019
3. Was möchten die Parteien?
Selbst Farage sagt nicht, ob er den ungeregelten Brexit möchte oder erneute Verhandlungen mit der EU. Johnson ist auch alles andere als überzeugend, dass er den selbst ausgehandelten Deal verfolgen möchte. Und Labour eiert rum, wie immer. Der britische Wähler könnte einem schon leid tun, wenn er nicht selbst für das Desaster gestimmt hätte. Er kann auch nicht zugeben, dass er sich vielleicht geirrt hätte. In seinem Kopf geht es genau so zu wie bei der Willenskundgebung der englischen Parteien.
Kraftsuppe 01.11.2019
4. Das britische Wahlsystem ...
Ob in UK 41% für jemanden sind, das ist herzlich uninteressant. Theoretisch kann man die meisten Stimmen hinter sich haben und trotzdem einer absoluten Mehrheit einer anderen Partei gegenüber stehen. Randparteien wie UKIP oder Brexit haben bei EU-Wahlen riesige Chancen, während sie in UK-Unterhaus völlig bedeutungslos bleiben. Nur ist natürlich Nigel Farage jemand, der keine politische Macht braucht, um tüchtig Wind zu machen.
andialpha 01.11.2019
5. Mehrheitswahlsystem
Farages Drohuing ist sehr ernst fuer BJ. Wenn in den kritischen Wahlbezirken die onservativen Pro-Brexit Stimmen zwischen der Brexit-Partei und den Tories aufgeteilt werden, dann kann durchaus in vielen Wahlbezirken Labour oder die LibDem's den Sitz erhalten. Was mich allerdings verwundert ist, dass Farage anscheinend glaubt, der Brexit-Deal kann im Januar dann nochmal substanziell veraendert werden. Das heisst, (falls die Brexit Partei im Parliament sitzt )wir haben neue Verhandlungen und laufen dann im Januar wieder auf einen "No-Deal" Brexit oder mehr warscheinlich auf eine weitere Verlaengerung zu.
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