SPIEGEL ONLINE

Verzicht auf Wahlkreise Farages Brexit-Partei will Johnson zu Wahlsieg verhelfen

Die Brexit-Partei von Nigel Farage will bei der Parlamentswahl im Dezember in fast der Hälfte der 650 Wahlkreise nicht antreten. Damit erhöht sie tendenziell die Wahlchancen der Konservativen von Premier Johnson.

Bei den britischen Unterhauswahlen im Dezember will die Brexit-Partei den Konservativen keine Konkurrenz machen und tritt in 317 Wahlkreisen nicht an. Das kündigte Parteichef Nigel Farage an. Noch vor einer Woche hatte er davon gesprochen, 600 Kandidaten aufzustellen.

Zur Begründung sagte Farage, seine Partei wolle sich auf die Wahlkreise konzentrieren, die die Labour-Partei zuletzt gewonnen habe. Zudem wolle man Mandate erobern, die von Befürwortern eines Verbleibs in der EU gehalten würden.

Die Zurückhaltung der Brexit-Partei erhöht damit tendenziell die Wahlchancen von Premierminister Boris Johnson. Das hat auch mit dem Mehrheitswahlrecht in Großbritannien zu tun. Dabei gewinnt in den jeweiligen Wahlkreisen nur der Kandidat mit den meisten Stimmen, alle anderen gehen leer aus.

Der Ausgang der vorgezogenen Parlamentswahl am 12. Dezember ist ungewiss (mehr dazu lesen Sie hier). In den Umfragen hatten Johnsons konservative Tories zuletzt einen großen Vorsprung vor der Labour-Partei von Corbyn. Johnson hofft auf eine klare Mehrheit, um sein Brexit-Abkommen durch das Parlament zu bekommen.

"Heute hat Trump seinen Willen bekommen"

Der Oppositionschef und Vorsitzende der Labour-Partei, Jeremy Corbyn, sagte, Farage handele auf Geheiß von US-Präsident Donald Trump. Dieser habe einen Pakt mit Johnson verlangt: "Heute hat Trump seinen Willen bekommen."

Trump hatte Johnson und Farage Anfang des Monats öffentlich zu einem Zusammenschluss aufgefordert. Ein Bündnis werde die Aussichten auf einen erweiterten Handel zwischen den USA und Großbritannien nach dem Austritt aus der Europäischen Union sichern, sagte Trump. Auf die Frage, welchen britischen Staatschef er unterstütze, erklärte Trump: "Sie sind beide Freunde von mir. Ich denke, Boris wird es richtig machen." Johnson sei "der richtige Mann für die Zeit". "Was ich gerne sehen würde, ist, dass Nigel und Boris zusammenkommen. Ich denke, das ist eine Möglichkeit."

Labour-Chef Jeremy Corbyn hatte angekündigt, er wolle im Falle eines Wahlsiegs das von Johnson mit der EU ausgehandelte Brexit-Abkommen überarbeiten und dann der Bevölkerung in einem neuen Referendum zur Abstimmung vorlegen. Farage sagte, er wolle ein zweites Referendum verhindern.

mho/AFP/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.