Tory-Parteitag May will Johnsons Rede nicht gesehen haben

Boris Johnson ist der gefährlichste innerparteiliche Rivale von Großbritanniens Premierministerin. Beim Parteitag wurde er für seine Kritik an Theresa May gefeiert - die reagiert frostig.


Die britische Premierministerin Theresa May wird erst am Mittwoch auf dem Parteitag der Tories eine Rede halten. Was ihr Widersacher Boris Johnson dort bereits am Dienstag zum Besten gab, hat sie - angeblich - gar nicht mitgekommen.

Sie habe sich Johnsons Auftritt vor den Parteikollegen nicht angesehen, sagte May der BBC. Johnson hatte Mays Brexit-Pläne in seiner Rede massiv kritisiert und war gefeiert worden.

Johnson möge zwar "eine gute Show" bieten, sagte May hinterher über ihren Rivalen zum TV-Sender Sky, aber den Menschen im Land sei es wichtiger, eine Regierung zu haben, die Lösungen für Alltagsprobleme anbieten könne.

Tory-Parteitag: Konservative feiern Boris Johnson

Die Kompromiss-Lösung für einen Brexit-Deal, die May auf dem Landsitz Chequers ausgearbeitet und durchs Kabinett gepeitscht hatte, geißelte Johnson als "politisch demütigend", "gefährlich und instabil". Sie sei eine Unverschämtheit der Verfassung gegenüber und eine Demütigung für das Vereinigte Königreich, sagte Johnson. Die May-Pläne ließen das Land für künftige Generationen weiter unter der Herrschaft der EU. "Dies ist nicht Demokratie, dies in nicht das, wofür wir gestimmt haben."

Der bisherige Notfallplan, um Zollkontrollen zwischen dem britischen Nordirland und dem EU-Mitglied Irland zu verhindern, solle aufgegeben werden, verlangte Johnson. Der Plan sieht vor, Nordirland in einer engen Bindung mit der EU zu belassen.

"Wir arbeiten gerade einen neuen Vorschlag aus und werden diesen der Europäischen Union unterbreiten", sagte May am Dienstag dem Sender ITV News. Das bislang bekannte Konzept stamme noch aus dem Dezember. Mit diesem wollten die britische Regierung und die EU eine harte Grenze zu Nordirland verhindern.

Johnson hatte bereits zum Auftakt des Parteitags am Sonntag die Brexit-Pläne von Premierministerin May heftig kritisiert. In einem Gastbeitrag in der "Sunday Times" bezeichnete er die Vorschläge der Premierministerin als Ergebnis "geistiger Verwirrung" und "lächerlich". Johnson und andere Brexit-Hardliner fordern einen klaren Bruch mit Brüssel.

vks/Reuters



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