Britische Medien zum Brexit-Hickhack "May opfert ihre Partei"

Regierungschefin Theresa May ist schuld. Oder doch die Widersacher in der eigenen Partei? Ein Deal muss her. Oder lieber ein zweites Referendum? Beim Brexit ist die britische Presse tief gespalten. Der Überblick.

Premierministerin Theresa May
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Premierministerin Theresa May


Mit dieser Entscheidung macht sich die Premierministerin sicher keine Freunde - zumindest in den eigenen Reihen: Seit Mittwochabend sucht Theresa May mit Jeremy Corbyn nach einem Kompromiss beim Brexit. Ausgerechnet der Labour-Chef, ein Mann, der in Tory-Kreisen als unverbesserlicher Marxist gilt. Vor allem konservative Medien im Vereinigten Königreich empören sich, wittern langwierige Folgen für Mays Partei. Die liberale Presse dagegen verteidigt den Schritt der Regierungschefin. Der Überblick.

"Guardian": "Man kann durchaus fragen, ob solch ein Dialog (zwischen May und Corbyn) Früchte tragen kann und ob er von beiden Seiten aufrichtig versucht wird. Aber viele Tory-Abgeordnete haben May allein dafür verurteilt, dass sie sich mit dem Labour-Chef auseinandersetzt - mit der Begründung, dadurch werde dessen Autorität in der Öffentlichkeit gestärkt. Konservative haben viele Gründe, Corbyns Politik nicht zu mögen. Aber sein Anspruch, Teil des Brexit-Prozesses zu sein, ist verfassungsrechtlich durch seine Rolle als Oppositionsführer gerechtfertigt. [...] Die derzeitige Atmosphäre ist nicht förderlich, um weise Entscheidungen über die Zukunft zu treffen."


"Times": "Es ist ein erniedrigender Weg, vor allem, weil Corbyn unzweifelhaft untauglich ist, zu regieren. Trotzdem hat May keine andere Option, wenn sie in jener Frage liefern will, die die britische Politik seit drei Jahren bestimmt, während sie einen Brexit ohne Abkommen verhindern möchte, der der Wirtschaft schaden würde. [...] Die beste Option für Großbritannien wäre, um einen langen Aufschub zu bitten, [...] und für May, abzutreten und den Weg für einen neuen und weniger angeschlagenen Chef der Konservativen freizumachen."


"Daily Telegraph": "Von Beginn an hat May die Brexit-Verhandlungen vermasselt, indem ihr taktische Fehler und strategische Schnitzer unterlaufen sind. Jetzt opfert sie ihre Partei, um ein Brexit-Ergebnis zu erhalten, dass wenige Tories wollen. Es ist ungeheuerlich, inakzeptabel und die Folgen für die Konservative Partei werden noch auf Jahre hinweg spürbar sein."


"Independent": "Die Gefahr ist natürlich, dass sich die beiden Parteiführungen zusammentun, um das britische Volk seines letzten Wortes beim Brexit zu berauben. Das wäre wirklich ein Brexit-Betrug."

kev

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