Reaktion auf SPIEGEL-Titel "Die Deutschen flehen die 'coolen' Briten an"

"Please don't go - Bitte geht nicht!", appelliert der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe an die Briten. In Großbritannien sorgt der Titel für reichlich Wirbel - besonders das Interview mit Finanzminister Wolfgang Schäuble.

SPIEGEL-Titel

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Wolfgang Schäuble ist ein Freund klarer Ansagen: "In is in. Out ist out." Mit diesen zwei Sätzen hat der Bundesfinanzminister den Hoffnungen der Briten eine eindeutige Absage erteilt, sie könnten auch nach dem Brexit am europäischen Binnenmarkt teilnehmen.

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Heft 24/2016
Warum wir die Briten brauchen. Why Germany needs the British

"Das wird nicht funktionieren", sagte Schäuble dem SPIEGEL. "Wenn sich die Mehrheit in Großbritannien für einen Brexit entscheidet, dann wäre das eine Entscheidung gegen den Binnenmarkt."

In Großbritannien sorgt das Schäuble-Interview für Aufsehen: "Deutschlands EU-Drohung an Großbritannien", titelt die sonst so besonnene "Times".

Titelseite der "Times"
The Times

Titelseite der "Times"

Dem entgegnet die bekannte Historikerin und Autorin Alex von Tunzelmann auf Twitter: "Es ist schon ein bisschen zum Heulen, wenn jemand, der dich auf die wahrscheinlichen Konsequenzen deiner Wahl hinweist, als 'Bedrohung' angesehen wird."

Ähnlich äußerte sich Alastair Campbell, einst der wichtigste Berater und Stratege von Premierminister Tony Blair. "Was Schäuble sagt, ist einfach Fakt", twitterte er.

"Nein heißt nein, sagt ein deutscher Minister dem Vereinigten Königreich", lautet die Schlagzeile auf der Titelseite des "Guardian".

Titelseite des "Guardian"
the guardian

Titelseite des "Guardian"

George Osborne, britischer Amtskollege von Schäuble und Kämpfer für den Verbleib seines Landes in der EU, griff die Aussagen des deutschen Finanzministers auf: "Bedeutende Intervention für Deutschland: Das Vereinigte Königreich müsste die Freizügigkeit akzeptieren und in die EU einzahlen, um weiterhin am Binnenmarkt teilzunehmen", twitterte der Tory-Politiker.

Osborne hatte Schäuble schon zuvor gebeten, in London für den Verbleib der Briten in der EU zu werben.

Bei der "Financial Times" kommt der Appell aus Deutschland an: "Die Deutschen flehen die 'coolen' Briten an, in der EU zu bleiben, während der SPIEGEL ein emotionales Plädoyer abgibt", schreibt das Finanzblatt auf der Titelseite seiner Wochenendausgabe.

Titelseite der "FT Weekend"
FT Weekend

Titelseite der "FT Weekend"

Faisal Islam, Politikchef beim Nachrichtensender Sky News twitterte: "'Bitte geht nicht', ist die Botschaft des SPIEGEL an die Briten. Wenigstens sind sie höflich - sollten wir ihnen den EM-Pokal überlassen?"

Der Bloomberg-Journalist Marcus Bensasson fühlte sich durch den SPIEGEL-Appell an einen Hit aus den frühen Neunzigern erinnert: "Please don't go" von der Boyband KWS aus Nottingham. 1992 stürmten sie mit dieser Single an die Spitze der britischen Charts. Vielleicht ein gutes Omen für das Brexit-Referendum am 23. Juni.

syd



insgesamt 84 Beiträge
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orosee 11.06.2016
1.
Man sieht doch im eigenen Land, wie das wirkt: Sobald es eine "Drohung" gibt, fallen selbst nachdenkliche Zeitgenossen auf die Patriotismus Linie - also Dank Schäuble, Juncker & Co. zusätzliche "Raus" Stimmen. Nebenbei, ich glaube, daß mit dem Pokal ist andersrum gemeint: Deutschland gibt den Pokal, dafür bleiben die Briten. Macht fußballhistorisch mehr Sinn.
Aspekte plus 11.06.2016
2. Anflehen? Project Fear heisst die Pro-Kampagne
"Die Deutschen" sind offenbar eben nicht "die Deutschen", von "anflehen" zum Bleiben ist hier im Forum nichts zu spüren. 1. geht endlich! Es geschieht Euch recht, wenn es Euch danach schlecht geht. 2. geht, gebt für ganz Europa ein Zeichen. 3. geht nicht - ihr würdet nur verlieren und Europa wäre euch Querschläger endlich los. 4. Wenn ihr dann wieder angekrochen kommt, wird es keine Extrawürste mehr geben. Ausser 2. fleht doch niemand.
friedoline 11.06.2016
3. Wie ignorant muss man sein...
Wie ignorant muss man sein, um nicht zu verstehen, dass weit über 80% der Debatte in GBR genau um die Bevormundung aus Brüssel und Berlin geführt wird?! Manchmal fragt man sich, ob es Osborne, Cameron und die lieben Europäer nicht insgeheim darauf anlegen, dass der Brexit kommt. Ja, Herr Schäuble, fahren Sie bitte noch vor dem 23. nach London! Damit steigern Sie die Chance auf einen Brexit erheblich. Um eins klarzustellen: Die Briten sind nicht dumm! Die meisten Befürworter der LEAVE-Seite wissen sehr wohl, dass sie einen Ausstieg am eigenen Geldbeutel merken werden und dass ihnen bewegte Jahre der Neufindung bevorstehen. Es ist ihnen aber inzwischen egal! Sie sind von "project fear" und "project leer" derartig angewidert, weil diese Interventionen genau das bestätigen, was für sie für das Wesen der EU steht - zu Recht. Gestern wurde eine sehr interessante und große Erhebung im Indipendent veröffentlicht. Demnach liegen die Brexiteers mit 10% in Führung. Es wurde dazu minutiös erforscht, warum, wer und mit welcher Einstellung die Befragten sich umentschieden haben. Eine weitere gestern veröffentlichte Erhebung hat die Reaktion der Zuschauer nach Auftritten von Cameron und Johnson erforscht. Fazit: wann immer Cameron den Mund aufmacht, glauben die Leute hinterher Johnson. Und wann immer Johnson redet- glauben die Leute hinterher Johnson. Der Nettogewinn an Stimmen geht an die LEAVE-Leute. Egal, was Cameron versucht. Der Effekt dürfte bei Reizfiguren wie Obama, Juncker und Schäuble noch höher ausfallen. Also nur zu: jeder der meint, den Briten noch etwas sagen zu müssen, von deutscher Seite: die Bevölkerung lechzt danach.
Shivon 11.06.2016
4.
meinetwegen koennen die Briten 2000x die em gewinnnen. Das europäische Projekt ist dagegen viel wichtiger. Wir dürfen nicht noch mehr in dem Nationalismus der Egoisten fallen. Ein Europa der Vaterlaender basiert am Ende doch nur noch darauf wer den anderen am besten ausstechen kann und lässt das Verständnis nach respekt und frieden immer mehr fallen. Die neue internationale Rechte wird solang sich international nennen bis sie keinen machtpolitischr Vorteile mehr sieht. Am Ende wird man sich fragen wieso man die heutige Kooperation für eine kurze Zeit der nationalen Ueberheblichkeit aufgegeben hat. Ich hoffe meine Kinder müssen nicht in der Zukunft fuer die Egoisten der heutigen Zeit bezahlen.
kentodoi 11.06.2016
5. Bitte,bitte
Liebe Briten, tretet endlich aus der EU aus, damit wir nicht ständig Euren Sonderwünschen und Regelungen ausgesetzt sind, die Vorteile eines Austrittes sind zukünftig förderlicher als Euer Verbleib. Herzlichen Dank
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