Reaktionen in britischen Medien "May wird an die Seitenlinie verbannt"

Der Brexit wird verschoben, dafür gab die EU nun grünes Licht. Obwohl das auch Theresa Mays Plan war, sehen britische Medien die Premierministerin als geschwächt. Die wichtigsten Stimmen zur Nacht von Brüssel im Überblick.

Laut der rechtsliberalen "Times" hat Theresa May nun "eine letzte Chance". Die EU habe der britischen Premierministerin eine "dreiwöchige Rettungsleine" gegeben, die "nach fast sieben Stunden Streit" vereinbart wurde. Doch die Staats-und Regierungschefs hätten eine klare Warnung ausgesprochen für den Fall, dass May das Abkommen nicht durch das Parlament bekomme. Die Konsequenz sei dann: "Großbritannien wird gezwungen sein, sich zwischen einem No-Deal-Brexit oder der Teilnahme an den Europawahlen zu entscheiden."

"Der Brexit verspätet sich", lautet die Schlagzeile der "Daily Mail". Die Boulevardzeitung schreibt, nach "stundenlangen nervenaufreibenden Verhandlungen" hätten sich May und Brüssel auf "einer Verschiebung des Austrittsdatums" verständigt. "Bis zum 22. Mai, wenn das Unterhaus Mays Deal zustimmt - oder bis zum 12. April, falls es scheitert."

Der linksliberale "Guardian" schreibt: "May ist mit ihrer Bitte gescheitert, die EU übernimmt die Kontrolle über das Brexit-Datum." Auf der Website der Zeitung heißt es weiter, Mays Wunsch nach einer dreimonatigen Verlängerung des Ausstiegsdatums sei nicht überzeugend gewesen. Sie sei "kläglich daran gescheitert, eine Antwort auf die Frage zu geben, was sie macht, wenn die Abgeordneten ihr Abkommen erneut ablehnen".

Ähnlich sieht es die konservative Zeitung "Daily Telegraph": "Die EU übernimmt die Kontrolle über den Brexit-Zeitplan, May wird an die Seitenlinie verbannt", heißt es dort. Die EU drehe die Schrauben an, indem sie Mays Wunsch ablehne und den 12. April zum "Tag der Entscheidung macht, wenn ihr Abkommen zum dritten Mal scheitert". May werde nun versuchen müssen, die Spaltung in ihrer Partei zu überwinden.

Video: EU übernimmt Regie im Brexit-Drama

Reuters

Die wirtschaftsliberale "Financial Times" schreibt, May stehe vor dem "nationalen Notstand", die EU pokere mit der "Brexit-Guillotine". In zwei Kommentaren beschäftigt sich die Wirtschaftszeitung mit dem "Brexit-Albtraum" - einmal mit der Überschrift "May spielt russisches Roulette mit Großbritannien" und in einem zweiten Text mit der These "Warum kein Deal eine lang anhaltende Misere bedeutet".

cte
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