Europäische Union Von der Leyen will bei langem Brexit-Aufschub einen britischen Kommissar

Die Briten haben bewusst auf die Nominierung eines EU-Kommissars verzichtet - schließlich sollte das Land bald austreten. Doch jetzt stellt die designierte Kommissionschefin von der Leyen Bedingungen.

Ursula von der Leyen: Die designierte EU-Kommissionschefin muss länger auf ihren Amtsantritt warten als geplant
Thierry Roge/BELGA/dpa

Ursula von der Leyen: Die designierte EU-Kommissionschefin muss länger auf ihren Amtsantritt warten als geplant


Ursula von der Leyen nimmt Großbritannien in die Pflicht: Sollte das Land die EU noch nicht verlassen haben, wenn sie ihr Amt als EU-Kommissionschefin antritt, will sie einen Briten in ihrem Führungsteam haben.

Damit beginnt für Großbritannien ein zweiter Wettlauf mit der Zeit: Nicht nur die Brexit-Frist am 31. Oktober naht, sondern auch der Amtsantritt von der Leyens. Immerhin: Ihr Starttermin wurde zuletzt vom 1. November um mindestens einen Monat verschoben, weil von der Leyen noch drei von 26 Kommissaren fehlen. Die Anwärter müssen Anhörungen im Europaparlament durchlaufen, das anschließend noch einmal über das gesamte Personalpaket abstimmt.

Theoretisch könnte der britische EU-Austritt also auch vorher stattfinden. Großbritannien wartet derzeit auf eine Antwort der übrigen EU-Staaten auf seine Bitte um Fristverlängerung. Diese sind sich nach Darstellung von Diplomaten grundsätzlich einig, einen Aufschub gewähren zu wollen - doch steht die Dauer noch nicht fest. Am Freitag wird darüber in Brüssel erneut beraten.

Britische Regierung hatte bewusst auf Nominierung verzichtet

EU-Ratschef Donald Tusk sowie das Europaparlament sind für eine neue Frist bis Ende Januar 2020. Sollte vorher die Ratifizierung eines Austrittsvertrags gelingen, könnte Großbritannien flexibel vor Fristende ausscheiden. Diese Lösung unterstützten am Donnerstag die Fraktionschefs im Europaparlament in einer Erklärung.

Die britische Regierung hatte mit Blick auf das Austrittsdatum 31. Oktober bewusst auf die Nominierung eines Kommissars verzichtet. Der Vertreter Großbritanniens in der scheidenden EU-Kommission von Jean-Claude Juncker ist Julian King, er ist für Sicherheit zuständig.

mes/dpa/Reuters

insgesamt 21 Beiträge
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Bell412 24.10.2019
1. Genau. Die Wunschkandidaten sind:
Dave Davis oder Dominic Raab. Beide ausgewiesene Brexit-, Handels- und Partnerschaftexperten.
spontanhv 24.10.2019
2. Ungelegte Eier
Die Frau von der Leyen kümmert sich um ungelegte Eier. Sie sollte lieber dafür sorgen, dass die EU eine Antwort nach London schickt, wie denn eine eventuelle Verlängerung nach dem 31. Oktober gehandhabt werden soll. Es ist nur noch 1 Woche bis der No-Deal-Brexit eintritt. Das will die EU bestimmt nicht.
alter_nativlos 24.10.2019
3. Die Briten müssen Druck bekommen...
dazu passt der Vorschlag vdL`s, die ich ansonsten häufig kritisiere. Einer Verlängerung der Frist, schon gar einer langen, würde ich keinesfalls zustimmen. Sie würde von den Briten dazu verwendet, auch den neuesten Vertrag noch einmal zu ihren Gunsten nachzuverhandeln.....So sind sie halt, die Insulaner! Es ist ohnehin ein Unding, dass der May-Vertrag quasi kommentarlos für die Briten noch mal geöffnet wurde, der Back Stop und andere Details zugunsten U.K. verändert wurden (und wir immer noch keinen verbindlichen Vetrag haben!), obwohl das Mantra monatelang die Unveränderbarkeit war! Wie sieht es eigentlich mit der Abschlusszahlung der Schulden der Briten aus? Wurde die auch klammheimlich reduziert??? Wäre nicht überraschend.....
latrodectus67 24.10.2019
4. Pflicht
So so, die Frau von der Leyen "will" das, Sie nimmt die Briten "in die Pflicht". Was bildet sie sich denn ein, dass sie andere herumkommandieren will? Wenn, dann sind solche Sprüche eher geeignet die Menschen im UK noch mehr gegen die EU aufzubringen.
winki 24.10.2019
5. Man darf gespannt sein, ...
was man von v. d. Leyen noch so zu hören sein wird. Eigentlich dürfte sie den Posten, den sie völlig undemokratisch zu geschoben bekam, erst antreten wenn die Untersuchungen über ihre Tätigkeit als Verteidigungsministerin abgeschlossen sind. Aber egal was da raus kommt, A.M. wird schon ihre schützende Hand über sie halten.
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