Furcht vor Übergriffen Vizesprecher des Unterhauses rät zu Fahrgemeinschaften

Der Brexit-Prozess führt zu großer Anspannung im britischen Unterhaus, viele Abgeordnete klagen über Beschimpfungen und Einschüchterungen. Ein Vizesprecher des Parlaments empfiehlt Vorsichtsmaßnahmen.

Brexit-Befürworter in London
AP

Brexit-Befürworter in London


Der Appell zeigt, wie angespannt die Lage in Großbritannien derzeit ist: Ein stellvertretender Sprecher des Unterhauses hat seinen Kollegen in einer E-Mail geraten, für die Heimfahrt ein Taxi zu nehmen oder Fahrgemeinschaften zu bilden. Der Hintergrund: So könnten sie möglichen Einschüchterungen und Beschimpfungen aus dem Weg gehen.

Die E-Mail stammt von Lindsay Hoyle, einem langjährigen Labour-Abgeordneten. Er schreibt darin laut der britischen Zeitung "Guardian" weiter, die Polizei in London sei unmissverständlich aufgefordert, sicherzustellen, dass "Abgeordnete im Parlament ohne Angst abstimmen können".

"Ich persönlich habe während meiner Zeit im Unterhaus noch nie eine so große Anspannung gespürt, und ich weiß, dass es anderen Kollegen genauso geht", schreibt Hoyle. Viele Abgeordnete seien bereits in der Öffentlichkeit beschimpft und eingeschüchtert worden.

Ein Beispiel ist die ehemalige Tory-Abgeordnete Anna Soubry, eine Brexit-Gegnerin, die mittlerweile zu einer neuen Gruppe Unabhängiger gehört, der "Independent Group". Soubry wurde im Dezember und Januar von Demonstranten belästigt, gefilmt und als "Nazi" und "Verräterin" beschimpft.

Reuters

Ärger gibt es bei der oppositionellen Labour Partei in diesem Zusammenhang auch über Premierministerin Theresa May. Sie hatte dem Parlament in einer Fernsehansprache die Schuld an der verfahrenen Situation gegeben. Die Bürger seien es leid, dass "sich die Abgeordneten mit nichts anderem als dem Brexit beschäftigen".

Der Labour-Abgeordnete Wes Streeting bezeichnete Mays Äußerungen als "aufwiegelnd und unverantwortlich". Sollten Abgeordneten Schaden erleiden, treffe May einen Teil der Schuld daran. Ein Regierungssprecher wies die Vorwürfe zurück.

cte



insgesamt 19 Beiträge
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enfield 22.03.2019
1. tja
so ist das halt, wenn sich Parlamentarier vom Volk abgekoppelt haben. Irgendwann stinkt's immer irgendwem von jeglicher politischer Einflussnahme schlicht abgeschnitten zu sein. Besonders die Abgeordneten der "Opposition" könnten sich mal Gedanken machen, warum sie ungefähr die Hälfte der Bürger schlicht verraten haben als sie dem Brexit-Gesetz zugestimmt hatten. Aber macht nix: für Sicherheit findet sich immer genug Personal.
lesheinen 22.03.2019
2.
Einschüchterung oder gar Gewalt gehen gar nicht. Diejenigen, die so etwas versuchen, gehören vor den Richter. Gegner und Verfechter des Brexit hatten genügend Zeit, in zivilisierter Form ihre Standpunkte zu vertreten. Meiner Meinung nach ist der ungeregelte Brexit nicht mehr aufzuhalten, denn die Nordirlandfrage wird nie eine adäquate Lösung finden, weder bis zum zum 29.03., noch bis zum 22.05. oder bis zum 30.06. Selbst bis zum Sankt Nimmerleinstag nicht. Die Bedingung der EU, dass das britische Parlament dem Vertrag bis Ende der nächsten Woche zustimmt, ist nicht erfüllbar und als freundliches "Tschüss" zu verstehen.
c.PAF 22.03.2019
3.
"Der Hintergrund: So könnten sie möglichen Einschüchterungen und Beschimpfungen aus dem Weg gehen. " Aha, auch so eine britische Logik. Naja, ich als Schimpfender würde es so sehen: bei eine Fahrgemeinschaft kann ich gleich (z.B.) 4 Personen zeitgleich meine Meinung geigen. Ich würde nicht den Mund halten, nur weil da eine Fahrgemeinschaft unterwegs ist.
helmipeters 22.03.2019
4. schön zu sehen
das die britischen Bürger ihre Demokratie protestreich weiterhin pflegen und nicht, wie in Deutschland, alles abnicken was uns von oben vorgekaut wird. In Deutschland merkt man gar nicht welche Partei und politische Richtung gerade das sagen hat - alles ein und dasselbe.
RenegadeOtis 22.03.2019
5.
Zitat von helmipetersdas die britischen Bürger ihre Demokratie protestreich weiterhin pflegen und nicht, wie in Deutschland, alles abnicken was uns von oben vorgekaut wird. In Deutschland merkt man gar nicht welche Partei und politische Richtung gerade das sagen hat - alles ein und dasselbe.
Ja, wie die Deutschen alles abnicken merkt man ja Freitags bei den #fridaysforfuture oder auch den mittlerweile zu beachtlicher Größe angeschwollenen Protesten gegen Art. 11/Art. 13, den montäglichen PEGIDA-Veranstaltungen etcpp. Aber bestimmt ist die Wahrheit, dass Deutsche (sic!) sich alles gefallen lassen und nie den Mund aufmachen.
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