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Was macht eigentlich...: David Cameron?

Foto: action press/ South West News Service

Brexit-Premier Cameron Memoiren schreiben statt Geschichte

Ex-Premier David Cameron hat das Referendum zum Brexit angestoßen - obwohl er selbst für einen Verbleib in der EU war. Er bedauere das Referendum nicht, sagt er. Und macht ein Buch aus seiner Karriere.

In Großbritannien haben bislang fast alle Ex-Regierungschefs ausführlich erklärt, was sie vom Brexit halten: Gordon Brown , Tony Blair und John Major  ließen, unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung, wissen, dass der EU-Austritt eine schlechte Idee sei. Das lässt sich aus der Warte des Alterspremiers leicht sagen.

Nur einer schwieg bis vergangene Woche. Und zwar derjenige, der das Drama erst ermöglichte: der konservative Ex-Premier David Cameron.

Er ließ 2015, euphorisiert vom Wahlsieg und unter Druck vom rechten politischen Rand, die Briten über den Austritt aus der EU in einem Referendum abstimmen. Cameron war selbst gegen den Brexit, schien aber überzeugt zu sein, dass die Briten mehrheitlich in der EU bleiben wollten. Er kannte sein Volk schlecht: 51,9 Prozent stimmten am 23. Juni 2016 für einen Austritt.

Einen Tag später kündigte Cameron seinen Rücktritt für Oktober an. Und der Brexit beschäftigt britische und EU-Bürokraten seitdem beinahe täglich. Für den 29. März 2019 ist der Austritt geplant - doch auch gut acht Wochen vorher sind viele Fragen offen.

Ein mehr als 500 Seiten langes Dokument, ausgehandelt über Monate zwischen Brüssel und London, ist vergangene Woche im Parlament gescheitert. Nun muss Premierministerin Theresa May nachjustieren, den Brexit verschieben - oder es kommt zu einem Austritt ganz ohne Abkommen, dem harten oder auch No-Deal-Brexit, mit unabsehbaren wirtschaftlichen Folgen.

Und Cameron?

Während sich May auf neue Brexit-Verhandlungen mit der EU vorbereitet, macht sich ihr Amtsvorgänger keinerlei Vorwürfe: Der BBC sagte er nach der dramatischen Parlamentsabstimmung, er bereue die Niederlage, aber nicht, dass er den Austritt in Gang gesetzt habe.

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Die Reporter stellten Cameron beim Joggen. Kurz vor der Entscheidung über Mays EU-Plan am vergangenen Dienstag, der dann im Unterhaus krachend durchfiel, war Cameron laut Boulevardzeitung "Daily Mirror" von einem Costa-Rica-Urlaub zurückgekehrt. Offenbar "gut gebräunt" , notierte das Klatschblatt. Sein Haus, vor dem ihm Paparazzi auflauerten, verließ er laut "Mirror" umringt von Bodyguards. Zum Brexit vor der Abstimmung: kein Wort.

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Im Herbst noch hatte es kurz das Gerücht gegeben, Cameron interessiere sich dafür, in einer künftigen Tory-Regierung Außenminister zu werden. Es war ein Plan, den vor allem oppositionelle Labour-Abgeordnete "bizarr" nannten, und an Cameron appellierten: Bitte verschone uns.

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Gegen ein Comeback spricht, dass Cameron - offenbar aus Schludrigkeit - seinen Zugang zum britischen Parlament verloren hat. Rund 400 Politpromis genießen den Vorzug, im Palace of Westminster verbilligt zu speisen und sich dort frei zu bewegen.

Im Herbst und erneut im Januar 2019 stand der Ex-Premier nicht mehr auf der Liste der Privilegierten, berichteten mehrere britische Medien. Angeblich, weil Camerons Büro davon ausgegangen war, das Ende der exklusiven Mitgliedschaft werde angekündigt und an eine Verlängerung erinnert. Strippenziehen in Westminster ist für den Brexit-Verursacher damit aktuell weniger unmöglich.

Ansonsten schreibt der frühere Regierungschef wohl weiter an seiner Autobiografie. Die hätte schon 2018 erscheinen sollen, aber offenbar muss auch Cameron nun warten, wie das Fiasko zu Ende geht, für das er hauptverantwortlich ist.

"Widerwärtiger Stümper" oder "großer Premier"?

Die "Sunday Times" schrieb, der neue Erscheinungstermin solle nun im September sein. Die Verschiebung geschehe in der Hoffnung, "eine Kommentierung des Brexit zu vermeiden, um die Brexit-Verhandlungen nicht zu unterminieren".

Die Memoiren sollen auch eine Abrechnung mit Mays inzwischen ebenfalls zurückgetretenem Brexit-Minister Michael Gove werden. Der sei "verrückt" und verhalte sich wie ein "Irrer" - so soll es Cameron einem Vertrauten erzählt haben, den die "Times" anonym zitiert . Gove hatte noch als Minister unter Premier Cameron dessen Kampagne für einen EU-Verbleib torpediert und sich aktiv im Leave-Lager für einen Austritt engagiert.

Wie man sich des Premiers erinnern werde, fragte das britische Politikmagazin "The Week"  kürzlich den einflussreichen britischen Gewerkschaftsboss Len McCluskey. Als "historischen Versager" und "widerwärtigen Stümper", wie der "Guardian" schrieb? Oder als "großen Premier", wie ein Autor des "New Statesman" orakelte? McCluskeys trockene Antwort: Weder noch. Die Nachwelt werde Cameron einfach vergessen.

cht
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