Brexit-Folgen Tausende Zöllner dringend gesucht

Europa bereitet sich auf einen harten Brexit ohne Abkommen vor. Zollverwaltungen stellen jetzt Tausende Beamte ein, um ein mögliches Chaos im Waren- und Reiseverkehr zu verhindern.
Uniform des Zoll

Uniform des Zoll

Foto: DPA

Angesichts der unklaren Lage in Großbritannien bereitet sich Europa verstärkt auf einen chaotischen Brexit ohne Austrittsvertrag vor. Umliegende EU-Länder suchen händeringend nach Zöllnern, um ab Ende März kilometerlange Staus an den Grenzen und massive Verzögerungen im Waren- und Reiseverkehr zu verhindern.

Die Präsidentin der Generalzolldirektion, Colette Hercher, hatte in der vergangenen Woche die Unternehmen in Deutschland gemahnt, sich besser auf einen Brexit einzustellen. "Vor allem die, die bislang nur in der EU Geschäfte machen, müssen sich vorbereiten", sagte Hercher dem SPIEGEL. Fast alle Nachbarländer Großbritanniens suchen nun Zollbeamte, um Verzögerungen an den Grenzen abzufedern. Der Überblick:

Deutschland

Die Bundesregierung will wegen des britischen EU-Austritts 900 zusätzliche Beamte beim Zoll einstellen. Die Planstellen gibt es, besetzt ist noch keine. Denn bisher wurde erwartet, dass es eine Brexit-Übergangsphase bis mindestens Ende 2020 gibt, in der sich nicht viel ändert. Und die Ausbildung neuer Beamter dauert.

Die Zollgewerkschaft BDZ hält ohnehin mindestens 1300 neue Stellen für die Bewältigung des Brexit für nötig. Laut Generalzolldirektion würde bei einem harten Brexit an Brennpunkten wie dem Hamburger Hafen auf "Unterstützung aus anderen Hauptzollämtern" gesetzt. Darüber hinaus würden zu bearbeitende Fälle über das zollinterne Computersystem an andere Dienststellen verteilt.

Irland

Irland ist das einzige EU-Land mit einer Landesgrenze zum Vereinigten Königreich. 500 Kilometer trennen die Republik von der britischen Provinz Nordirland. Die irische Regierung will 1000 neue Beamte für Zollkontrollen und die Überprüfung von Lebensmittel- und Produktstandards einstellen - gibt aber keine Auskunft darüber, wie viele es bisher davon schon gibt.

In den Haushalt 2019 wurden 1,5 Milliarden Euro für die Bewältigung von Brexit-Folgen eingestellt. Im März soll ein No-Deal-Gesetz mit konkreteren Maßnahmen verabschiedet werden. Am Hafen von Dublin wird an 33 Inspektionsstellen gearbeitet. Auch 270 Lkw-Parkplätze und gesonderte Kontrollstellen für lebende Tiere werden errichtet.

Niederlande

Die Niederlande sind einer der Hauptumschlagplätze für den Warenverkehr mit Großbritannien. Drehscheibe ist Europas größter Hafen Rotterdam. Die niederländische Regierung hat 100 Millionen Euro für den Brexit bereitgestellt und will 900 zusätzliche Zöllner einstellen. Die Regierung in Den Haag startet Ende Januar zudem eine TV-Kampagne, um Firmen und Bürger über die Folgen des Brexit zu informieren.

Frankreich

Die französische Regierung will 580 zusätzliche Zöllner und Veterinärinspektoren einstellen. Sie stellt 50 Millionen Euro für Investitionen in Häfen und Flughäfen bereit. Dort sollen zusätzliche Abfertigungsstellen und Parkplätze entstehen, um Staus zu vermeiden. Der französische Unternehmensverband Medef empfiehlt Firmen dennoch, sich "auf das Schlimmste" vorzubereiten.

Belgien

Belgien will mindestens 115 neue Stellen schaffen, um den Zoll und Kontrolleure für Tier- und Pflanzeneinfuhren zu verstärken. Doch womöglich liegt das Problem anderswo: Nach Behördenangaben verfügte Mitte Januar nur eines von fünf nach Großbritannien exportierenden Unternehmen über eine Zollnummer, die für die Ausfuhren nach dem Brexit benötigt würde.

cpa/afp
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