Brief ans US-Volk Ahmadinedschad attackiert Bush erneut

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat in einem offenen Brief an das amerikanische Volk US-Präsident George W. Bush scharf angegriffen. Die US-Regierung reagierte gelassen: Der Brief sei ein PR-Trick und enthalte nicht viel Neues.


Hamburg - Bush regiere mit "Zwang, Gewalt und Ungerechtigkeit", heißt es in dem Schreiben. Darin forderte Ahmadinedschad den US-Präsidenten auch auf, seine Truppen aus dem Irak abzuziehen und einen Palästinenserstaat anzuerkennen.

Irans Präsident Ahmadinedschad: "Zwang, Gewalt und Ungerechtigkeit"
REUTERS

Irans Präsident Ahmadinedschad: "Zwang, Gewalt und Ungerechtigkeit"

Ahmadinedschad hatte bereits im Mai einen Brief direkt an Bush geschickt. Dieser hat das 18-seitige Schreiben aber nie beantwortet. Mit dem neuen Brief wolle er sich nun in aller Freundschaft an das amerikanische Volk wenden, weil der Iran und die USA die Verpflichtung teilten, sich für die Freiheit und Würde der Menschen einzusetzen, heißt es in dem fünfseitigen Text.

Regierungen seien verpflichtet, ihrem eigenem Volk zu dienen. "Aber leider kümmert sich die US-Regierung nicht einmal um die öffentliche Meinung im eigenen Land und steht in der ersten Reihe derjenigen, die es unterstützen, dass die Rechte der Palästinenser mit Füssen getreten werden."

Mit Blick auf ihre Politik im Irak forderte Ahmadinedschad die USA zu einer Kursänderung auf. "Wäre es nicht vorteilhafter, die US-Offiziere und Soldaten nach Hause zu holen und die astronomisch hohen US-Militärausgaben im Irak für das Wohlergehen und den Wohlstand der Amerikaner auszugeben", schrieb er.

Viele US-Bürger wie die Opfer des Hurrikans Katrina hätten zu leiden oder seien arm und obdachlos. Neben der republikanischen Regierung würden sie auch die Demokraten für die US-Politik verantwortlich machen, da diese jüngst die Macht im Kongress übernommen hätten, ergänzte der iranische Präsident.

Die US-Regierung spielte den Brief herunter. Das sei ein PR-Trick, das Schreiben enthielte nicht viel Neues, sagte Außenamtssprecher Tom Casey in Washington. Im Gegenzug warf er der iranischen Führung die Unterstützung von Terroristen im Irak vor, zudem missachte Teheran im Atomstreit die internationale Gemeinschaft. "Leider haben wir keinerlei Veränderung im Verhalten gesehen, dass darauf hindeutet, dass sie anders an die Dinge herangehen wollen", sagte Casey.

bri/Reuters/dpa



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