Streit über Brigitte Macron First Lady im Dauereinsatz

In Frankreichs Verfassung taucht die Frau des Präsidenten nicht auf. Staatschef Emmanuel Macron will seiner Gattin Brigitte jetzt eine offizielle Rolle geben - und bekommt dafür massive Proteste.

REUTERS

Von , Paris


Nato-Treffen in Brüssel, Staatsbesuch in Marokko, der G7-Gipfel in Taormina, der Nationalfeiertag am 14. Juli, Auftritte mit Melania Trump, Arnold Schwarzenegger oder Dänemarks Prinzessin Mary: Die Auftritte von Präsidentengattin Brigitte Macron sind dicht gedrängt.

Die "Michelle Obama Frankreichs", wie sie der TV-Sender TF1 nennt, steht im Rampenlicht. Garderobe von Louis Vuitton, ein Ring in Schlangenform: Bei den Berichten in Hochglanzmagazinen und der Boulevardpresse wird kein Detail ausgelassen. Seit dem Einzug ihres Mannes Emmanuel in den Élysée hat Frankreichs "Première Dame" Kultstatus erreicht.

Doch offiziell hat die Frau des französischen Staatschefs keine Funktion, keine definierten Aufgaben. Dabei ist Präsidentengattin ein Fulltimejob. Repräsentieren, dinieren, Ortstermine, Auslandsreisen, dazu täglich rund 200 Briefe: Obwohl Brigitte Macron sich für Erziehungsfragen, Kultur und autistische Kinder engagiert, verfügt sie mit dem "Salon Bleu" nur über ein kleines Arbeitszimmer im Élysée und über eine Handvoll Mitarbeiter.

Anders als in den USA, wo die Präsidentengattin im Weißen Haus einen eigenen Mitarbeiterstab besitzt mit Büros und Budget, mussten sich die Ehefrauen der französischen Präsidenten bislang mit den ungeschriebenen protokollarischen Pflichten der V. Republik arrangieren.

Legendär etwa die Bescheidenheit von Madame de Gaulle, im Volk verehrt als "Tante Yvonne". Claude Pompidou, dem Luxus zugetan, versah den Élysée 1969 mit modernem Mobiliar und erhielt dafür den Spitznamen "Madame Pompidour". Anne-Aymone Giscard d'Estaing besaß als erste Präsidentenfrau ein eigenes Büro, doch erst Danielle Mitterrand verfolgte eigene politische Ziele, etwa beim humanitären Einsatz für die Kurden.

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Streit über Brigitte Macron: Frankreichs "Première Dames"

Bernadette Chirac, von 1995-2007 im Élysée, verstand sich als Botschafterin der französischen Lebensart, aber "Bernie" übernahm auch Ämter in der Lokalpolitik ihrer Heimat Corrèze. Cécilia Sarkozy bezog nie die Privatgemächer im Élysée, das Ehepaar ließ sich kurz nach dem Wahlsieg scheiden. Die öffentliche Liebesgeschichte mit Carla Bruni bescherte Sarkozy vorübergehend mehr Popularität - Bruni, Musikerin und Mannequin, engagierte sich vor allem beim Kampf gegen Aids.

"Schönster Präsident der Republik"

Sozialist François Hollande, nie verheiratet, zog mit seiner Lebensgefährtin Valérie Trierweiler in den Élysée - was dem ausländischem Protokoll bisweilen Kopfzerbrechen bereitete. Die Journalistin blieb in ihrem Beruf, die Beziehung zerbrach nach Hollandes Liebschaft mit Schauspielerin Julie Gayet.

Doch für Brigitte Macron könnte nun erstmals ein verbindlicher Rahmen für die "Première Dame" geschaffen werden. "Schluss mit der französischen Scheinheiligkeit", hatte ihr Mann schon im Wahlkampf versprochen, "Brigitte wird eine richtige Rolle haben, einen Status und Arbeitsmöglichkeiten an meiner Seite".

Die ehemalige Lehrerin hatte ohnehin nie einen Zweifel daran gelassen, dass sie sich nicht auf eine Nebenrolle als protokollarisches Anhängsel ihres Mannes beschränken werde. Schon im Wahlkampf fungierte sie als engste Beraterin des Kandidaten, als Reden-Coach und PR-Chefin für Fototermine.

Seit dem Amtsantritt des Gatten ist der Einfluss von Brigitte Macron eher noch gewachsen. Sie sorgt sie um das Image ihres Mannes und lobt ihn schon mal als "schönste Präsidenten" der Republik. Die 64-Jährige bekennt sich zu ihrer Rolle als Mutter und Großmutter, was "90 Prozent meiner Zeit" einnimmt. Außerdem übernahm sie auch noch die Patenrolle für das frisch geborene Panda-Baby "Mini Yuanzi".

450.000 Euro jährlich

Zu Beginn der Sommerpause bemüht sich Emmanuel Macron, die Aufgaben der "Première Dame" zu definieren und auszustatten - und stößt damit auf heftigen Widerstand. Abgeordnete der Opposition sind verärgert, dass der Präsident den Status seiner Gattin festlegen will, obwohl ihnen durch das neue Gesetz zur "Moralisierung der Politik" die Beschäftigung von Familienmitgliedern künftig verboten ist.

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Frankreichs Präsidentenpaar: Die Geschichte von Brigitte und Emmanuel

"Ich verstehe nicht, warum die Frau des Staatschefs ein Budget aus öffentlichen Mitteln bekommen sollte?", fragte Luc Carvounas von der Sozialistischen Partei (PS). "Absolut lächerlich", schimpft Florence Portelli, Abgeordnete der Konservativen. Selbst Macrons Koalitionspartner vom MoDem wollen es angesichts der Sparpolitik "lieber lassen wie bisher". Der Rechnungshof schätzt für die First Lady die Ausgaben auf immerhin 450.000 Euro jährlich.

Mit dem Beginn der Parlamentsferien hat sich der Streit in die sozialen Netzwerke verlagert. Eine Petition bei der Plattform Change.org, angeschoben von Thierry Paul Valette, dem Gründer der linken Bewegung "Nationale Gleichheit", wehrt sich gegen die Charta für die Präsidentengattin. "Zwei, drei Mitarbeiter, zwei Sekretäre und zwei Beamte für den Personenschutz sind genug", lautet die Forderung.

Der Élysée versucht dagegenzuhalten. Geregelt werden soll in aller Transparenz lediglich ein künftiges Budget der "Première Dame", also Auslagen, die bisher nicht klar definiert waren. "Nein, es geht dabei nicht um eine bezahlte Anstellung", verteidigt Regierungssprecher Christophe Castaner die Initiative des Präsidenten. Und versichert: "Die Ehefrau von Emmanuel Macron wird kein Gehalt bekommen."

"Wir stellen die Kompetenz von Brigitte Macron nicht infrage", heißt es in dem Internet-Appell, aber in Zeiten von Budgetkürzungen gehe es um eine Frage "nationalen Bewusstseins". Bisher haben fast 200.000 Personen unterschrieben.

Im Video: Das ist Frankreichs Première Dame

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tomkey 07.08.2017
1. Fettnäpfchen
Man kann ja dazu stehen wie man will. Aber ein Talent wie sein Vorgänger sich in die Nesseln zu setzen hat Macron nun auch freigelegt. Denn mit so einer Forderung, wo wohl fast jeder Normalbürger davon abraten würde, macht sich Macron noch mehr "beliebt" bei seinen Bürgern. Einfach mal den gesunden Menschenverstand einschalten und solch sensiblen Dinge anders angehen und kommunizieren. Gewählt ist zum Politikmachen ist schließlich der Präsident und nicht die Ehefrau.
lachina 07.08.2017
2. ich finde es richtig,
dass es dafür kein Etat gibt. Die Ehefrauen wurden nicht demokratisch gewählt , und Bett und Tisch mit jemandem zu teilen, ist weder Legitimation noch Qualifikation. Herr Merkel ist da richtig wohltuend, mischt sich nicht ein.
hedele 07.08.2017
3. Der Artikel blendet das Wesentliche aus
Posten für Ehegatten und Familienmitglieder waren d a s Thema des Präsidentschaftswahlkampfs. Insbesondere François Fillon hatte zwei Monate zuvor wegen über Jahre mehr als 500.000 EUR abgezweigter Gelder für Ehefrau und studierende Söhne jegliche Chance auf seine sicher geglaubte Präsidentschaft verspielt. Le Pen hatte Aufwandsentschädigungen als EU-Abgeordnete zweckentfremdet. Gegen beide laufen Ermittlungsverfahren. Macron spielte sich demgegenüber in allen Reden als Saubermann auf und das "Gesetz zur Moralisierung des öffentlichen Lebens" war zentraler Bestandteil seiner Kampagne. Nun stellt man erstaunt fest, dass es für alle gilt, nur nicht für den Präsidenten selbst.
fatal.justice 07.08.2017
4. Oui.
Zitat von hedelePosten für Ehegatten und Familienmitglieder waren d a s Thema des Präsidentschaftswahlkampfs. Insbesondere François Fillon hatte zwei Monate zuvor wegen über Jahre mehr als 500.000 EUR abgezweigter Gelder für Ehefrau und studierende Söhne jegliche Chance auf seine sicher geglaubte Präsidentschaft verspielt. Le Pen hatte Aufwandsentschädigungen als EU-Abgeordnete zweckentfremdet. Gegen beide laufen Ermittlungsverfahren. Macron spielte sich demgegenüber in allen Reden als Saubermann auf und das "Gesetz zur Moralisierung des öffentlichen Lebens" war zentraler Bestandteil seiner Kampagne. Nun stellt man erstaunt fest, dass es für alle gilt, nur nicht für den Präsidenten selbst.
Bis zum heutigen Tage ist es mir ein Rätsel, wie man darauf kommen konnte, dass Macron samt seines Parteisammelsuriums eine sozialliberale politische Vision hätte. Empfinde den Vergleich zur heutigen FDP in Deutschland zutreffender, welcher man eine solcherart geprägte politische Richtung nun wirklich seit unzähligen Jahren nicht mehr unterstellen kann. Allerdings muss man wohl feststellen: Moral wird gerne zum Primat des eigenen Handelns erhoben, solange man noch nicht in verantwortlicher Position die Geschicke des Landes lenkt. "Macht korrumpiert" klingt platt und ist es auch - trifft jedoch häufiger zu, als man sich dies eingestehen mag.
WolfThieme 07.08.2017
5. Wo bleibt die Fairness?
Jeder neue Mann im Amt hat das Recht auf die ersten 100 Tage, in denen er machen kann, was er will, bevor ein Fazit gezogen wird. Das war eine klassische Anstandsregel in der Politik. Macrons 100 Tage laufen in der letzten Augustwoche ab. Offenbar ist diese Frist von seinen Kritikern und besonders den ungeduldigen gierigen Medien auf hundert Stunden verkürzt worden.
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