Brigitte Macron Das will Frankreichs Première Dame

Hier lächeln, da winken - damit will sich Brigitte Macron, Ehefrau und Beraterin von Frankreichs neuem Präsidenten, nicht zufriedengeben. Was hat sie vor?

Von , Paris


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Erst die staatsmännische Ansprache, dann ein Gruppenbild mit Familie: Als Emmanuel Macron vor der Kulisse des Louvre seinen Wahlsieg feiert, gehört der Clan aus Freunden und Mitarbeitern genauso zur Inszenierung wie die Kinder und Enkel von Ehefrau Brigitte. Kein PR-Gag, sondern eine Geste der Anerkennung.

"Ich danke Brigitte, die immer zugegen ist und sein wird", ruft Macron in die Menge. Für den eher zugeknöpften und kontrollierten 39-Jährigen sind das Bekenntnis und das Küsschen auf offener Bühne schon fast ein emotionaler Ausbruch. Macron weiter: "Ohne sie wäre ich heute nicht hier."

Die Hochglanz- und Klatschmagazine entdeckten das Paar nicht erst mit der Präsidentschaftskampagne. Seit Macrons Berufung zum Wirtschaftsminister 2014 wurde die Beziehung von Brigitte und Emmanuel aus allen Perspektiven beleuchtet. Vor allem aus dieser: Die Geschichte vom 16-jährigen Schüler, der sich beim Theaterspielen in seine 24 Jahre ältere Lehrerin verliebt. Das bot reichlich Stoff für versteckte Anzüglichkeiten - eine Romanze wie aus dem Drehbuch einer Dokusoap, Happy End inklusive: Seit 2007 ist das Paar verheiratet; Brigitte brachte ihre ganze Großfamilie mit in die Ehe.

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Frankreichs Präsidentenpaar: Die Geschichte von Brigitte und Emmanuel

Blumige Homestorys beschreiben die Ministergattin so: "Fotogen, adrett und lächelnd", Komplizin mit "realer innerlicher Kraft, ansteckender Fröhlichkeit und ansprechendem Aussehen", dichtete "Paris Match". Tatsächlich hat Brigitte Macron großen Anteil am Erfolg ihres Mannes, auch wenn sie von dessen Karrierewahl überrascht wurde: "Ich habe immer gedacht, ich heirate einen Schriftsteller, einen Literaten", erzählt sie dem Filmemacher Pierre Hurel: "Und dann Politik. Aber so war das immer mit ihm. Ich weiß nicht, wohin wir gehen, aber wir gehen."

Und die Familie zieht mit. Seit der Gründung von "En Marche", haben sich auch ihre drei erwachsenen Kinder für die Bewegung engagiert: Ingenieur Sébastian durch SMS-Tipps, Kardiologin Laurence (Ex-Klassenkameradin von Emmanuel) durch diskrete inhaltliche Hilfestellung. Rechtsanwältin Typhaine gründet gar ein Macron-Komitee in ihrem Wohnort im Pas-de-Calais. "Ich habe Emmanuel immer für eine Ausnahmepersönlichkeit gehalten", so die 30-Jährige.

Brigitte Macron fällt die Hauptrolle zu: "Sie vermittelt, berät und gibt Feedback", sagt ein Firmenchef, der Brigitte bei Treffen mit den Strippenziehern von "En Marche" erlebte. "Und sie ist ein wichtiges Korrektiv für Kurs und Rhythmus der Kampagne." Zugleich fungiert sie als Ideengeber und Coach: Hurels TV-Dokumentation ("Macron - die Strategie eines Meteors") beobachtet Macron, als er im Pariser Saal Mutualité eine Rede probt. Ehefrau Brigitte sitzt in der ersten Reihe, korrigiert: "Deine Stimme fällt, heb' sie an", ermahnt sie ihren Mann, "der Satz rutscht ab."

Was muss Frankreichs First Lady leisten?

Sie kümmert sich nicht nur um die Dramaturgie von Macrons Auftritten. Brigitte überarbeitet auch die Manuskripte, redigiert seine Politbiografie "Revolution", feilt an Sujets und Syntax. Der gewählte Präsident will auf diese Art der Unterstützung während der nächsten fünf Jahre nicht verzichten. Gattin Brigitte soll, nach US-Vorbild, im Élysée künftig einen offiziellen Status erhalten: mit Büro, Budget und Zielen.

Bislang waren die Funktionen der "Première Dame" nicht fest umrissen; für den "Ehrenplatz" der Präsidentengattin galten lediglich Gepflogenheiten "in der Tradition republikanischer Höflichkeit". Ein undurchsichtiges Arrangement, das mit jeder neuen Amtszeit für Polemik sorgte, zumal die Ausgaben für die "Erste Dame der Republik" aus dem Budget des Staatschefs bezahlt wurden.

Dennoch hielten sich die Ehefrauen oder Lebensgefährtinnen der Ex-Präsidenten an diese ungeschriebenen Gesetze, oft waren sie nicht mehr als schmückende Beigaben am Arm des Staatschefs: Carla Bruni verbreitete an der Seite von Nicolas Sarkozy erst einen Hauch von Glamour und sorgte dann für rührende Inszenierungen von Mutterglück.

Valérie Trierweiler, gelernte Journalistin und Partnerin von François Holland bei dessen Amtsübernahme, versuchte sich ins Politikgeschäft einzumischen - angeblich ein Grund dafür, dass die Verbindung in die Brüche ging. Im Gegensatz dazu musste sich Hollandes Freundin Julie Gayet im Hintergrund halten, nachdem die Liaison durch Paparazzi-Fotos aufgeflogen war.

Im Video: Frankreichs Première Dame

Brigitte Macron will die Rolle der Präsidentschaftsgattin neu definieren und sich für soziale Außenseiter engagieren: arbeitslose Jugendliche der Vorstädte, Frauen als Opfer von Gewalt, Behinderte. "Es ist nicht normal, eine ganze Randgruppe der Gesellschaft ohne Hoffnung zu lassen", so die Pädagogin. "Ich will mich für die Erziehung engagieren", sagt sie weiter, "für Jugendliche, die sonst in den Treppenhäusern der Vorstädte rumhängen: Wenn man sie weiter im Stich lässt, gibt es eine Explosion."

Wichtige Aufgabe wird aber bleiben, ihren mitunter exaltierten Mann aus seinen Höhenflügen zurückzuholen. Etwa, als der sich wie die Inkarnation von Frankreichs Nationalheiliger aufführt: "Du musst mir helfen, Emmanuel zu beruhigen", vertraute sie laut "Paris Match" einer Freundin an. "Es ist nicht gerade witzig, mit Jeanne d'Arc zusammenzuleben."


Zusammengefasst: Bisher war die Gattin des französischen Präsidenten oft wenig mehr als Armschmuck bei Galas und Vorlagengeberin für den Boulevard. Brigitte Macron will mehr: Sie bekommt ein Büro im Élysée, mit Budget und Verantwortung. In Zukunft möchte sie sich für soziale Außenseiter engagieren.

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