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14. Mai 2014, 11:04 Uhr

Entführte Schülerinnen in Nigeria

Eltern identifizieren 77 Boko-Haram-Geiseln

Die Behörden in Nigeria melden einen ersten Erfolg bei der Suche nach den entführten Schülerinnen: Inzwischen wurden 77 Mädchen identifiziert, die Boko Haram in einem Video vorgeführt hatte. Trotzdem fehlt von den Geiseln bislang jede Spur.

Abuja - Die Eltern der von Boko Haram entführten Schülerinnen haben inzwischen 77 Mädchen identifiziert, die auf einem Video der Terrorgruppe zu sehen waren. Das teilte Kasim Shettima, Gouverneur des nigerianischen Bundesstaats Borno, mit.

Der Politiker hatte zuvor Vervielfältigung des Filmmaterials angeordnet, damit sich alle betroffenen Mütter und Väter das Video anschauen können. "Ich bin zuversichtlich, dass noch mehr Geiseln identifiziert werden können", sagte Shettima. Insgesamt sind in den am Montag veröffentlichten Aufnahmen 136 Schülerinnen zu sehen.

In dem Video sind die Mädchen in Ganzkörperschleiern zu sehen. Einige rezitieren Koranverse. Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau behauptete, die Mädchen seien zum Islam konvertiert. Sie würden nur freikommen, wenn im Gegenzug alle inhaftierten Islamisten freigelassen würden. Die nigerianische Regierung hat inzwischen Verhandlungsbereitschaft signalisiert.

Von den entführten Mädchen fehlt jede Spur

Boko Haram hatte Mitte April mehr als 200 Mädchen aus einer Schule in Borno verschleppt. Mittlerweile fahnden auch US-Aufklärungsflugzeuge nach den Geiseln und ihren Entführern - bislang jedoch ohne Ergebnis.

Die Entführung bewegt seit Wochen die Weltgemeinschaft. Unter dem Hashtag #bringbackourgirls zeigte sich bei Twitter auch die First Lady der USA, Michelle Obama, mit den gekidnappten Schülerinnen solidarisch. In einer Radioansprache erinnerte Obama an das Schicksal der Geiseln.

Auch muslimische Würdenträger in Nigeria verurteilten die Entführung und den erzwungenen Übertritt der Mädchen zum Islam. "Das ist feige, beschämend und lächerlich", sagte Ishaq Akintola, Chef eines islamischen Verbands in Abuja. Er erinnerte daran, dass es in der zweiten Sure des Korans heißt: "Es gibt keinen Zwang im Glauben."

Die radikalislamische Gruppe Boko Haram will im muslimisch geprägten Norden Nigerias einen Gottesstaat errichten. Immer wieder verübt sie blutige Anschläge. Dem Terror sind seit 2009 mehr als 6000 Menschen zum Opfer gefallen.

syd/dpa

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