Brisante Enthüllung Video soll Nordkoreaner beim Bau eines syrischen Atomreaktors zeigen

Die CIA präsentiert dem US-Kongress ein Video von politischer Sprengkraft: Die Aufnahmen sollen belegen, dass Syrien mit nordkoreanischer Hilfe einen Atomreaktor baute. Das Band war lange unter Verschluss - es könnte zu erheblichen diplomatischen Spannungen führen.

Hamburg - Das Video, das CIA-Direktor Michael Hayden heute dem US-Kongress präsentieren soll, ist hoch brisant: Es belegt offenbar, dass Nordkorea Syrien beim Bau eines Atomreaktor geholfen hat - und zwar des Typs, mit dem das Regime in Pjöngjang Plutonium für seine Atombomben herstellt, berichtet die "Washington Post" .

US-Beamte sagen dem Bericht zufolge, das Video zeige Nordkoreaner im Inneren des syrischen Reaktors. Ein Geheimdienstsprecher sagte gegenüber der "Washington Post", die Form des Gebäudes gleiche "auffällig" dem nordkoreanischen Reaktor Yongbyon. Weder die CIA noch das Weiße Haus kommentierten dies.

Die syrische Forschungsstätte war den Geheimdiensten lange bekannt. Sie trägt den Codenamen al-Kibar. Bereits 2001 veröffentlichte das Institute for Science and International Security (ISIS) Fotos, auf denen die Anlage zu sehen war.

Inzwischen existiert al-Kibar nicht mehr, die Anlage wurde am 6. September 2007 von Israel zerbombt. US-Beamte sagen, das Video habe seinerzeit für Israels Entscheidung, einen Präventivschlag durchzuführen, zentrale Bedeutung gehabt. Vor dem Bombenschlag habe Israel das Video zudem den USA gezeigt, offenbar um Zweifel der US-Regierung zu zerstreuen, ob es sich bei al-Kibar um einen Atomreaktor handelt.

Obwohl die Anlage ausradiert wurde, bleibt das Video brisant - für die USA und Nordkorea ebenso wie für Israel und Syrien. Ein Spezialist für Atomwaffen befand laut "Washington Post", die Inhalte seien "sehr, sehr heikel".

Aus Sicht der USA dürfte das Video aktuelle diplomatische Bemühungen erschweren. Die Bush-Regierung versucht seit langem, Nordkorea zur Aufgabe seines Nuklearwaffenprogramms zu bewegen. Allerdings, sagen Beamte, wären weitere Verhandlungen mit Nordkorea ohne die Veröffentlichung des Videos wohl nicht möglich gewesen. Abgeordnete hätten der CIA gedroht, die Mittel für Nordkorea zu streichen, wenn die Regierung nicht transparent mache, was sie über al-Kibar wisse.

Reaktor gehörte vielleicht nie zu Waffenprogramm

Israel dürfte die heutige Anhörung ebenso wenig gefallen. Denn die CIA könnte in Washington auch Details zu dem Luftschlag vom 6. September 2007 verraten. Israel hat über diesen Militärschlag bislang den Mantel des Schweigens gelegt. Bestätigt wurde der Bombenschlag bislang nur inoffiziell - von Oppositionschef Benjamin Netanyahu .

Nun dürfte laut "Washington Post" unter anderem bekannt werden, dass die Anlage in Syrien zur Zeit des Militärschlags gar nicht einsatzbereit war, dass sich gar kein Uran im Reaktor befand. David Albright, ISIS-Chef und früherer Uno-Waffeninspekteur, sagte der Zeitung, diese Erkenntnisse könnten darauf hinweisen, dass der Reaktor vielleicht nie zu einem Waffenprogramm gehörte. Damit wäre Israels Präventivschlag zumindest fraglich.

Auch Syrien dürfte über die Anhörung verärgert sein, erstens weil es als Atomwaffen-Bastler dargestellt wird, zweitens weil es offenkundig nicht verhindern konnte, dass eine Anlage im eigenen Land durch präzises Bombardement ausgeschaltet wurde.

Der syrische US-Botschafter Imad Moustapha bestritt schon gestern indirekt die Echtheit des Videos. Er erinnerte daran, dass die US-Regierung schon einmal vermeintliche Beweisfotos vor dem Uno-Sicherheitsrat präsentierte, um auf deren Grundlage einen Krieg anzuzetteln. Seinerzeit habe es sich um Bilder gehandelt, die angeblich beweisen sollten, dass der Irak Massenvernichtungswaffen herstelle.

ssu

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