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23. Oktober 2016, 14:10 Uhr

Brexit-Poker mit EU

Briten erwägen Steuerdumping

Die britische Regierung rüstet sich für die Brexit-Verhandlungen mit der EU: Berater von Premierministerin Theresa May schlagen vor, Firmensteuern drastisch zu senken, berichtet die "Sunday Times".

Vor den Verhandlungen über einen EU-Austritt sickern erste Drohszenarien der britischen Regierung durch. Laut "Sunday Times" könnte Premierministerin Theresa May eine drastische Senkung der Unternehmensteuer ankündigen, wenn die Europäische Union zentrale Forderungen zu Finanzwirtschaft und Handel nicht erfüllen will. Damit könnten Firmen aus der EU nach Großbritannien gelockt werden.

Der Vorschlag stamme von Mays Beratern, berichtete die Zeitung. Vier Monate nach dem Brexit-Votum gibt es in Großbritannien Befürchtungen, die anderen EU-Länder könnten einen harten Kurs fahren.

Im Zentrum steht die für das Land besonders wichtige Finanzbranche. Die britischen Banken, Versicherer und Hedgefonds befürchten, dass sie nach einem Brexit die Erlaubnis verlieren, ihre Dienste in der gesamten Union anbieten zu dürfen (Passporting). Außerdem will May den freien Handel mit der EU so weitreichend wie möglich erhalten.

Banken drohen damit, das Land zu verlassen

"Wir haben ziemlich gute Karten, die wir ausspielen können, wenn sie uns Schwierigkeiten machen", zitierte die Zeitung eine namentlich nicht genannte Person, die mit den Überlegungen der Regierung vertraut sei. Sollten die verbliebenen EU-Staaten das Passporting verweigern oder hohe Handelszölle planen, könne Großbritannien seinen maßgeblichen Satz für die Unternehmensteuer von derzeit 20 auf zehn Prozent kappen.

Verkehrsminister Chris Grayling äußerte sich überzeugt, dass der Handel zollfrei bleiben werde. Dazu werde es vernünftige Vereinbarungen geben. Dies sei im Interesse beider Seiten, sagte er der BBC.

Nach dem Willen der verbleibenden EU-Staaten sollen die Verhandlungen erst aufgenommen werden, wenn die Briten den Austritt offiziell beantragt haben. Das soll May zufolge bis Ende März 2017 geschehen.

Vor diesem Hintergrund wollen britische Großbanken das Land bereits Anfang nächsten Jahres verlassen, wie der Chef des Lobbyverbandes BBA, Anthony Browne, der Zeitung "Observer" sagte. Kleinere Geldhäuser planten sogar einen Abzug noch vor Weihnachten.

cte/Reuters

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