Britische Regierung Soldaten nicht verunsichern

Tony Blairs Außenministerium ist schwer verärgert über die Forderung Robin Cooks nach einem Rückzug der britischen Truppen. Das Parlament habe mit deutlicher Mehrheit für diesen Krieg gestimmt, erklärte Staatsminister Mike O'Brien.


Robin Cook: Forderung nach Truppenabzug abgemildert
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Robin Cook: Forderung nach Truppenabzug abgemildert

London - "Ich denke, es ist jetzt nicht die Zeit, unseren Soldaten zu sagen, dass sie sich zurückziehen und Saddam Hussein an der Macht lassen sollen", sagte O'Brien in Richtung Cook. Der Labour-Politiker, der aus Protest gegen den Krieg von seinem Posten als Fraktionsführer im Unterhaus zurückgetreten war, hatte zuvor den Abzug der britischen Soldaten gefordert.

Er habe genug von diesem blutigen und unnötigen Krieg, erklärte Cook in einem Artikel des "Sunday Mirror". "Ich will unsere Soldaten wieder zu Hause sehen. Ich will sie zu Hause haben, bevor noch mehr von ihnen getötet werden." Der von den USA angeführte Feldzug in Irak berge das Risiko, die gesamte islamische Welt gegen den Westen aufzubringen, meint der Abgeordnete: "Falls das irakische Volk weiterhin leidet unter einem Krieg, den wir begonnen haben, wird das einen langwierigen Hass auf den Westen zur Folge haben."

Cook warf zudem US-Präsident George W. Bush vor, mit der naiven Vorstellungen in den Krieg gezogen zu sein, Saddam Husseins Armee würde schnell kapitulieren. "Niemand sollte einen Krieg in der Annahme beginnen, dass die feindliche Armee kooperieren wird", schrieb Cook. "Genau das aber hat Präsident Bush getan." Der ehemalige Außenminister warnte außerdem vor einer Belagerung Bagdads. "Es gibt keine brutalere Form der Kriegführung als eine Belagerung", betonte Cook. "Die Menschen hungern, die Wasser- und Stromversorgung kommt zum Erliegen, Kinder sterben."

Die Regierung wies Cooks Forderung nach einem Truppenrückzug harsch zurück. Ihr unausgesprochener Vorwurf, Cook würde durch seine Kritik die Soldaten in Irak verunsichern, zeigt schnell Wirkung. Später am Sonntag milderte Cook seine Vorwürfe ab. Es gehe ihm nicht darum, jetzt das Schlachtfeld zu verlassen, sagt er der BBC. Er sei gegen diesen Krieg gewesen, jetzt gehe es aber darum, ihn zu gewinnen. Das schlechteste Ergebnis wäre es, wenn Saddam Hussein an der Macht bliebe. Ein Sprecher Blairs ließ ihn wissen: "Wir werden das durchziehen, bis wir unsere Ziele, die Entmachtung Saddam Husseins und die Zerstörung der Massenvernichtungswaffen, erreicht haben."

Cooks Rücktritt als Fraktionschef der regierenden Labour-Partei vor zweieinhalb Wochen war ein schwerer innenpolitischer Schlag für Tony Blair. In den Tagen darauf legten auch Staatssekretär Philip Hunt und der stellvertretende Innenminister John Denham aus Protest gegen Blairs Kriegskurs ihre Ämter nieder. Entwicklungshilfeministerin Clare Short hatte ebenfalls ihren Rücktritt angekündigt, entschied sich nach Zugeständnissen Blairs aber zum Verbleib im Amt.

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