Tondokumente Britische Soldaten sollen verletzten Afghanen ermordet haben

Es ist ein schockierendes Zeugnis von Gräueln im Afghanistan-Krieg. Ein britisches Militärgericht hat Tonaufnahmen vom Mord britischer Soldaten an einem wehrlosen Talib veröffentlicht. Ein mutmaßlicher Täter zitiert nach dem Todesschuss Shakespeare.


London - Ein britisches Militärgericht hat Tondateien aus dem Jahr 2011 veröffentlicht, auf denen zu hören sein soll, wie ein britischer "Royal Marine" in der Provinz Helmand einen hilflosen afghanischen Talib erschießt. Dabei wird er von zwei seiner Kameraden angefeuert.

Aufgenommen wurden die Dateien mit einer Helmkamera von einem der umstehenden Soldaten. Das Gericht veröffentlichte auf Wunsch der Regierung nur die Audio-, nicht jedoch die Bilddateien. Die Regierung befürchtet, diese könnten Afghanen zu Terrorakten gegen britische Soldaten motivieren.

An einer Stelle in der Aufnahme, die der "Guardian" widergibt, warten die Soldaten anscheinend, bis der Helikopter außer Sichtweite ist, von dem aus der Mann verwundet wurde. Dann diskutieren sie, an welche Stelle des Körpers sie schießen sollen. Einer schlägt einen Kopfschuss vor, was der spätere Schütze mit den Worten "Das wäre viel zu offensichtlich" ablehnt.

Dann ist in der Aufnahme zu hören, wie einer der drei Soldaten schießt. Dann ruft er "Shuffle off this mortal coil, you cunt" (deutsch, in etwa "Segne das Zeitliche, du Mistkerl") ruft. Der erste Teil ist ein Zitat aus Shakespeares "Hamlet". Dann dreht er sich zu den anderen Marines und sagt: "Leute, das bringt offenbar nichts. Ich habe gerade gegen die Genfer Konvention verstoßen." Die Konvention verbietet, verwundete Feindsoldaten zu töten.

Dem Soldaten, der den Schuss abgegeben haben soll, wird Mord vorgeworfen, den beiden anderen Anstiftung zum Mord. Die Soldaten verteidigten sich, sie hätten gedacht, ihr Opfer sei bereits vorher tot gewesen. Einer der zwei umstehenden Soldaten sagte aus, ihre Anspielung auf den Mord sei Angeberei gewesen.

Das Urteil des Gerichts steht noch aus.

ade/AP



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