Britische Spendenaffäre Scotland Yard will Blair verhören

In der britischen Parteispendenaffäre gerät Premierminister Blair weiter unter Druck. Scotland Yard will den Regierungschef verhören. Unterdessen sind auch die Konservativen ins Blickfeld geraten. Sie haben 29 Millionen Euro empfangen, wollen aber keine Namen nennen.


Hamburg – Wie die "Times" berichtet, hat die britische Kriminalpolizei angekündigt, "alle Akteure" der Finanzaffäre zu befragen. Damit gerät auch der Premier ins Visier der Fahnder, denn der Kreis der in die Spendenaktion Eingeweihten ist klein: Nur Tony Blair, sein persönlicher Geldbeschaffer Lord Levy und der frühere Generalsekretär von Labour, Matt Carter, wussten von den Spenden. Labour wird vorgeworfen, vier der Kreditgeber mit Adelstiteln belohnt zu haben.

Lord Levy kündigte gestern an, er werde mit der Polizei zusammenarbeiten. Die Sprecherin Blairs hingegen verweigerte jeden Kommentar. Sie sagte, sie werde sich nicht dazu äußern, ob Blair mit Scotland Yard kooperieren werde.

Die Spendenaffäre dreht sich unterdessen nicht mehr allein um die Labour-Partei. Nun sind die Tories in Erklärungsnot geraten: Auch die Konservativen sollen Kredite erhalten haben und wollen die Geldgeber nicht offen legen.

Das macht stattdessen der "Observer". Auf der Webseite der Zeitung werden drei der Namen genannt: Der australische Hedge-Fonds Millionär Michael Hintze soll den Tories 360.000 Euro über einen Treuhand-Fonds zugewiesen haben. Als zweiter Spender wird der schwedische Unternehmer Johan Eliasch genannt. Der Freund von Prinz Andrew soll den Konservativen mit 1,4 Millionen Euro ausgeholfen haben. Der Finne Poju Zabludowicz mit Wohnsitz in London soll laut "Observer" einen "fünfstelligen Betrag" gespendet haben.

Die mit der Kontrolle der Parteienfinanzierung befasste "Electoral Comission" vermutet, dass die Tories nicht alle Kredite in Höhe von rund 29 Millionen Euro mit Zinsen zurück zahlen müssen, eine Voraussetzung dafür, dass die Identität der Geldgeber nicht veröffentlicht werden muss. Gestern drohte die Kommission den Tories an, die Veröffentlichung zu erzwingen.

doe



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