Britische Studie Junge Kriegsveteranen neigen oft zu Gewalttaten

Sie beleidigen, prügeln, manche morden sogar: Britische Soldaten sind nach ihrer Rückkehr aus Afghanistan und dem Irak laut einer Studie häufig extrem gewaltbereit. Bei langen Kampfeinsätzen steigt das Risiko um bis zu 80 Prozent. Häufig sind Traumata und Alkohol die Auslöser.
Britische Soldaten in Afghanistan (Symbolbild): Gewalttaten in der Heimat

Britische Soldaten in Afghanistan (Symbolbild): Gewalttaten in der Heimat

Foto: REUTERS

London - In ihren Einsätzen gehen junge Soldaten an oder über ihre körperlichen und psychischen Grenzen. Sie töten, verwunden, sehen Kameraden sterben. Nach ihrer Rückkehr in die Heimat jedoch sollen sie wieder als unscheinbares Mitglied der Gesellschaft funktionieren. Dass diese Rechnung nicht aufgeht, zeigt eine Studie, die zum zehnten Jahrestag des Beginns des zweiten Irak-Kriegs veröffentlicht wurde.

Laut dem Papier tendieren junge britische Soldaten, die im Irak oder in Afghanistan gedient haben, nach ihrer Heimkehr zu Gewaltdelikten. Von 2728 Soldaten unter 30 Jahren wurden demnach mehr als 20 Prozent wegen Gewalttaten verurteilt, die sie nach ihrer Militärzeit verübten. Im Vergleich dazu wurden nur rund sieben Prozent ihrer Altersgenossen ohne Militärerfahrung gewalttätig.

Die Studie, die am Freitag in einer Sonderausgabe der britischen Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht wurde, analysierte fast 14.000 Personen. Besonders beachtet wurden dabei ihre Polizeiakten. Die Teilnehmenden informierten die Forscher über ihre Erfahrungen vor und nach der Militärzeit und unterzogen sich psychologischen Tests.

Kampfeinsätze und traumatische Erfahrungen im Krieg erhöhten das Risiko gewalttätigen Verhaltens, sagte die Leiterin der Studie, Deirdre MacManus vom King's College in London. Bei Männern, die in direkte Kämpfe verwickelt waren, ist es laut der Studie um 53 Prozent wahrscheinlicher, dass sie Gewalttaten verüben. Mehrfache, längere Kampfeinsätze lassen das Risiko sogar um bis zu 80 Prozent steigen.

Die Bandbreite der Vergehen und Straftaten reicht von Beleidigung über tätliche Angriffe bis zu Mord. Häusliche Gewalt wurde bei der Erhebung jedoch nicht mitgezählt.

Trauma und Alkohol sorgen für Gewalt

"Die Studie zeigt, dass Gewaltdelikte am häufigsten bei jungen Männern aus den unteren Rängen der Armee vorkommen und mit einer Gewaltgeschichte vor der Armee assoziiert werden können", so MacManus weiter. Bei Menschen mit einer Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) konnten die Forscher besonders oft einen Hang zu Gewalt nachweisen. Dieser ergebe mit dem ebenfalls häufigen Alkoholmissbrauch eine gefährliche Kombination.

Dem Militär nützt das Gewaltpotential seines Personals dagegen zunächst. Es sei nicht grundsätzlich schlecht für einen Soldaten, eine aggressive Seite zu haben, sagte der Mitautor der Studie, Simon Wessely. "Die Armee wählt keine schachspielenden Chor-Jungen aus", sagte er der britischen BBC. "Sie sucht sich Leute aus, die oft aus einem schwierigen und aggressiven Umfeld kommen und am ehesten dort in der Armee landen, wo tatsächlich gekämpft wird." Probleme gibt es erst hinterher.

jok/dpa
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