Britische Studie Taliban enthüllen intime Kontakte zu Pakistan

Sie bekommen angeblich Geld, Munition, Ausrüstung - Pakistans Geheimdienst ISI hilft einer britischen Studie zufolge immer noch intensiv den Taliban. Die Autoren trafen Feldkommandeure der radikalen Islamisten und erfuhren: Agenten sollen sogar im höchsten Leitungsgremium sitzen. Die Regierung dementiert.

Pakistanische Soldaten in Südwaziristan: Wie hart werden die Taliban bekämpft?
AP

Pakistanische Soldaten in Südwaziristan: Wie hart werden die Taliban bekämpft?


Berlin - Wie ernsthaft hat sich Pakistans Führung wirklich von den Taliban distanziert? Eine neue britische Studie kommt zu einem brisanten Ergebnis: Es gebe eine intensive Kooperation zwischen den Taliban und dem Geheimdienst ISI. "Das geht über eine begrenzte oder zufällige Unterstützung hinaus", sagt Harvard-Analyst Matt Waldman der BBC. Er ist Mitautor der Untersuchung, die jetzt von der renommierten Londoner School of Economics vorgestellt wurde.

Über Verbindungen des ISI zu den radikalislamischen Taliban, die sich in der Grenzregion von Afghanistan und Pakistan halten, wird seit langem spekuliert. Unter anderem im Frühjahr 2009 hatten hochrangige US-Militärs gesagt, es gebe Hinweise auf eine Unterstützung der Taliban und al-Qaida durch Teile des ISI. Doch noch nie wurde die vermutete Zusammenarbeit auch wissenschaftlich durchdrungen - zum Beispiel durch Gespräche mit Beteiligten.

Waldman selbst interviewte nun neun Taliban-Feldkommandeure. Für ihn gibt es seitdem keinen Zweifel: Seine Befunde deuteten darauf hin, dass die Unterstützung der Taliban quasi offizielle Linie des ISI sei. So ergebe sich aus Interviews mit Taliban-Kommandeuren in Afghanistan, dass Pakistan den Islamisten nach wie vor in beträchtlichem Ausmaß mit Geld, Munition und Ausrüstung helfe.

Dies habe sich in weiteren Gesprächen bestätigt, unter anderem mit Ministern der afghanischen Regierung, einem Uno-Vertreter vor Ort und westlichen Analysten. Demnach seien die Taliban finanziell weitgehend vom ISI und von Unterstützung aus den Golfstaaten abhängig. Nach Überzeugung fast aller befragten Taliban-Kommandeure sei der ISI sogar im höchsten Leitungsgremium der Bewegung vertreten, sagt Waldmann. Es sei "die offizielle Politik des Geheimdienstes und sehr intensiv. Das findet sowohl auf einer Operations- wie strategischen Ebene statt, mitten in der erfahrenen und älteren Führung der Taliban". Pakistan spiele ein doppeltes Spiel "mit unglaublichem Ausmaß", schreiben die Autoren der Studie.

Pakistan nennt Studie "Müll"

Von der Regierung in Islamabad kam die Reaktion prompt - sie dementierte jegliche Zusammenarbeit ihres Geheimdienstes mit den Taliban. Die Studie sei "Müll" und Teil einer Kampagne gegen das Militär und die Sicherheitsdienste des Landes. Tatsächlich führt die pakistanische Armee seit langem einen harten Kampf gegen die Taliban vor allem in dem Stammesgebieten Südwaziristans.

Auch von Seiten der Taliban wurde das Bündnis der Kräfte zurückgewiesen. Der frühere Taliban-Botschafter in Pakistan, Abdul Salam Zaeef, erklärte, es gebe keine Verbindung zwischen dem ISI und den afghanischen Taliban. "Ich habe keinen Beweis, dass Pakistan die Taliban unterstützt", sagte Zaeef der BBC - weder durch Geld noch durch Waffen.

Doch die Hinweise, dass eine Kooperation erfolgt, werden seit geraumer Zeit dichter. Ein weiterer hochrangiger Zeuge ist Afghanistans früherer Geheimdienstchef Amrullah Saleh. Er trat erst in der vergangenen Woche zurück. Unmittelbar danach erklärte er, er sei ein Hindernis für Gespräche mit den Taliban geworden. Nur einen Tag nach seinem Abschied aus dem Amt erhob Saleh schwere Vorwürfe gegen die Regierung in Islamabad: Pakistan bringe Taliban-Führer in sicheren Häusern unter. Der pakistanische ISI sei "Teil der Landschaft der Zerstörung", sagte Saleh.

Die Studie aus London schildert die Lage ähnlich. "Ohne eine Änderung des pakistanischen Verhaltens wird es schwierig, wenn nicht sogar unmöglich für die internationalen Truppen und die afghanische Regierung, gegen die Aufständischen Fortschritte zu erzielen", bilanzieren die Autoren.

sev/Reuters/BBC

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eigen 13.06.2010
1. Hörensagen
War britische Expertise nicht ein Baustein der Massenvernichtungswaffen-im-Irak-Mär? Pakistan spielt sicherlich eine ambivalente Rolle in der Region, aber die Quellen der Briten sind fragwürdig. Es ist schon grotesk, wen man da als Kronzeugen heranzieht. Ich frage mich, was man bezweckt, wenn man auf dieser dünnen Grundlage Anschuldigungen gegen Pakistan ausspricht.
Ernst August 13.06.2010
2. Truppenaufstockung
Zitat von sysopSie bekommen angeblich Geld, Munition, Ausrüstung - Pakistans Geheimdienst ISI hilft einer britischen Studie zufolge immer noch intensiv den Taliban. Die Autoren trafen Feldkommandeure der radikalen Islamisten und erfuhren: Agenten sollen sogar im höchsten Leitungsgremium sitzen. Die Regierung dementiert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,700402,00.html
Da nuß man jetzt aber endlich handeln und Truppen schicken.
uweuwersen 13.06.2010
3. USA,GBR,Israel
Zitat von sysopSie bekommen angeblich Geld, Munition, Ausrüstung - Pakistans Geheimdienst ISI hilft einer britischen Studie zufolge immer noch intensiv den Taliban. Die Autoren trafen Feldkommandeure der radikalen Islamisten und erfuhren: Agenten sollen sogar im höchsten Leitungsgremium sitzen. Die Regierung dementiert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,700402,00.html
Und was macht die CIA? Sie bezahlt die Widerstandskämpfer(Terroristen) doch selber damit weniger oder auch mehr Gewalt herrscht. Hauptsache das Opium Geschäft läuft und das ist eine Tatsache die von vielen Reportern und Politikern bezeugt werden kann. Seit dem die USA in Afghanistan eingefallen sind ist der Opium Anbau und Handel nach oben geschossen. Wann wird mal darüber berichtet? Es gibt genug Quellen die das bezeugen können. Außerdem spielen die Engländer doch selber ein falsches Spiel mit den dort stationierten Geheimdiensten. USA,GBR,Israel!! Das sind die wirklichen Unruhestifter auf dieser Welt. Und nein! Ich bin kein Nazi oder Judenhasser. Solange diese 3 genannten Länder weiterhin Ihr gefährliches Spiel spielen dürfen, gibt es nur Krieg und Gewallt auf dieser Welt. Die Medien müssen endlich mit dieser Heuchelei und Doppelmoral aufhören, denn die sind doch auch nur die Spielgefährten der Geheimdienste und Politiker. Spiegel online hat sich mit der Berichterstattung schon wirklich verbessert, aber das reicht noch nicht. Wenn Ihr später eure Hände in Unschuld waschen möchtet, dann müsst Ihr auch dementsprechend über die Probleme dieser Welt richtig berichten. Es kann nicht sein das meistens nur von einer Seite berichtet wird. Solange Politiker mit in den Vorständen der Medienanstalten sitzen, kann es keine richtige unabhängige Berichterstattung geben, das geht einfach nicht!!! Dieses Land und diese Welt wurde schon genug verraten und verkauft, als Ergebnis wird nur Wut und Chaos erzeugt, das von einigen wenigen Menschen sogar gewollt ist und die Medien sind die Handlanger!!
wahlossi_80 13.06.2010
4. Wen wundert das...
...angesichts der Tatsache, dass schon einer der mutmaßlichen Drahtzieher von 9/11, Mohammed Atta, vom pakistanischen Geheimdienst 100.000 Dollar empfangen hat? Komischerweise sind die USA dieser Spur nicht nachgegangen, weil sie die Geldtransfers als nebensächlich betrachtet haben!! Der ganze "War against Terror" wirft Fragen auf, besonders nach der Rolle der Geheimdienste. Wer arglos an das Gut-Böse-Schema glaubt, wird noch ein böses Erwachen erleben.
brotbüchse 13.06.2010
5. Die Zusammenarbeit richtet sich gegen Indien
Zitat von wahlossi_80...angesichts der Tatsache, dass schon einer der mutmaßlichen Drahtzieher von 9/11, Mohammed Atta, vom pakistanischen Geheimdienst 100.000 Dollar empfangen hat? Komischerweise sind die USA dieser Spur nicht nachgegangen, weil sie die Geldtransfers als nebensächlich betrachtet haben!! Der ganze "War against Terror" wirft Fragen auf, besonders nach der Rolle der Geheimdienste. Wer arglos an das Gut-Böse-Schema glaubt, wird noch ein böses Erwachen erleben.
Der pakistanische Geheimdienst will eben seinen Einfluss in Afghanistan behalten, bevor die Inder in den Taliban einen Verbündeten gegen Pakistan erkennen. Das muss man einfach akzeptieren. Die reguläre Karsai-Regierung hat keine Zukunft, wenn die ausl. Truppen weg sind. Der pakist. Geheimdienst nimmt etwas vorweg und belegt es mit seiner Strategie eindrucksoll.
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