Britische Studie Taliban enthüllen intime Kontakte zu Pakistan
Pakistanische Soldaten in Südwaziristan: Wie hart werden die Taliban bekämpft?
Foto: NICOLAS ASFOURI/ APBerlin - Wie ernsthaft hat sich Pakistans Führung wirklich von den Taliban distanziert? Eine neue britische Studie kommt zu einem brisanten Ergebnis: Es gebe eine intensive Kooperation zwischen den Taliban und dem Geheimdienst ISI. "Das geht über eine begrenzte oder zufällige Unterstützung hinaus", sagt Harvard-Analyst Matt Waldman der BBC. Er ist Mitautor der Untersuchung, die jetzt von der renommierten Londoner School of Economics vorgestellt wurde.
Über Verbindungen des ISI zu den radikalislamischen Taliban, die sich in der Grenzregion von und halten, wird seit langem spekuliert. Unter anderem im Frühjahr 2009 hatten hochrangige US-Militärs gesagt, es gebe Hinweise auf eine Unterstützung der Taliban und al-Qaida durch Teile des ISI. Doch noch nie wurde die vermutete Zusammenarbeit auch wissenschaftlich durchdrungen - zum Beispiel durch Gespräche mit Beteiligten.
Waldman selbst interviewte nun neun Taliban-Feldkommandeure. Für ihn gibt es seitdem keinen Zweifel: Seine Befunde deuteten darauf hin, dass die Unterstützung der Taliban quasi offizielle Linie des ISI sei. So ergebe sich aus Interviews mit Taliban-Kommandeuren in Afghanistan, dass Pakistan den Islamisten nach wie vor in beträchtlichem Ausmaß mit Geld, Munition und Ausrüstung helfe.
Dies habe sich in weiteren Gesprächen bestätigt, unter anderem mit Ministern der afghanischen Regierung, einem Uno-Vertreter vor Ort und westlichen Analysten. Demnach seien die finanziell weitgehend vom ISI und von Unterstützung aus den Golfstaaten abhängig. Nach Überzeugung fast aller befragten Taliban-Kommandeure sei der ISI sogar im höchsten Leitungsgremium der Bewegung vertreten, sagt Waldmann. Es sei "die offizielle Politik des Geheimdienstes und sehr intensiv. Das findet sowohl auf einer Operations- wie strategischen Ebene statt, mitten in der erfahrenen und älteren Führung der Taliban". Pakistan spiele ein doppeltes Spiel "mit unglaublichem Ausmaß", schreiben die Autoren der Studie.
Pakistan nennt Studie "Müll"
Von der Regierung in Islamabad kam die Reaktion prompt - sie dementierte jegliche Zusammenarbeit ihres Geheimdienstes mit den Taliban. Die Studie sei "Müll" und Teil einer Kampagne gegen das Militär und die Sicherheitsdienste des Landes. Tatsächlich führt die pakistanische Armee seit langem einen harten Kampf gegen die Taliban vor allem in dem Stammesgebieten Südwaziristans.
Auch von Seiten der Taliban wurde das Bündnis der Kräfte zurückgewiesen. Der frühere Taliban-Botschafter in Pakistan, Abdul Salam Zaeef, erklärte, es gebe keine Verbindung zwischen dem ISI und den afghanischen Taliban. "Ich habe keinen Beweis, dass Pakistan die Taliban unterstützt", sagte Zaeef der BBC - weder durch Geld noch durch Waffen.
Doch die Hinweise, dass eine Kooperation erfolgt, werden seit geraumer Zeit dichter. Ein weiterer hochrangiger Zeuge ist Afghanistans früherer Geheimdienstchef Amrullah Saleh. Er trat erst in der vergangenen Woche zurück. Unmittelbar danach erklärte er, er sei ein Hindernis für Gespräche mit den Taliban geworden. Nur einen Tag nach seinem Abschied aus dem Amt erhob Saleh schwere Vorwürfe gegen die Regierung in Islamabad: Pakistan bringe Taliban-Führer in sicheren Häusern unter. Der pakistanische ISI sei "Teil der Landschaft der Zerstörung", sagte Saleh.
Die Studie aus London schildert die Lage ähnlich. "Ohne eine Änderung des pakistanischen Verhaltens wird es schwierig, wenn nicht sogar unmöglich für die internationalen Truppen und die afghanische Regierung, gegen die Aufständischen Fortschritte zu erzielen", bilanzieren die Autoren.